Außerdem stehst Du ja eh nicht so auf Muttertag…

MOM

 

Meine Kinder fluchen wenig. Ich vermute, es liegt daran, dass ich so viel fluche. Darf ich mal? Danke!

SCHEISS MUTTERTAG!

Eins vorweg: Ich lege eigentlich keinen Wert auf Muttertag. Eigentlich. Aber ich finde, ich kann erwarten, dass sich meine Kinder am Muttertag wenigstens genauso benehmen, wie an allen anderen Sonntagen auch.

Weit gefehlt. Statt friedlich bis 9 Uhr im Bett liegen zu dürfen, trampelt gegen halb acht eine Horde Elefanten ins Schlafgemach, entert das Bett und trötet (mit Spucke) in mein Ohr: „DU MUSST AAAHAUFSTEHEEEENNN!“
Ein gezielter Tritt in die Blasengegend und ich bin spontan hellwach. Der Gatte schafft es seltsamerweise bewegungslos liegen zu bleiben. Vielleicht ist er bewusstlos?

Ich schwanke aus dem Bett, eine zarte Kinderstimme krakeelt auf dem Weg ins Bad: „Guck mahaaaaalll für Dihich!!!“
Ich kann nicht gucken.
1. Sind meine Augen noch geschlossen, 2. habe ich keine Kontaktlinsen drin, 3. muss ich auf die Toilette. Dringend! Der Tritt in die Blase hat das Bedürfnis nicht gemildert.

Ich schließe ab. Das Bad. Schließlich ist das der einzige Raum, in dem ich wenigstens hin und wieder ungestört sein kann. Heute nicht. Wie kann so eine zarte Kinderhand nur derart massiv an einer Türklinke rütteln? Sekunden später wird ein Bild mit Gewalt unter der Tür durchgeknittert. Als ich auf dem Klo sitze, macht sich mein Sohn mit irgendeinem Werkzeug von außen am Türschloss zu schaffen, die kleine Schwester assistiert. Es klingt, als würde gleich etwas abbrechen. Ich bin noch keine fünf Minuten wach und mir platzt zum ersten Mal der Kragen:

KANN ICH VIELLEICHT MAL FÜNF MINUTEN MEINE RUHE HABEN!!!

Draußen wird es still, nur irgendwo im Hintergrund höre ich noch ein leises BLÖDEMAMA. Ich gönne mir drei Minuten im Bad. Immerhin sind meine Augen offen, als ich es verlasse. Eine kurze Hoffnung blitzt auf:
Muttertag – vielleicht haben sie Frühstück gemacht….

Ein Blick um die Ecke macht alle Träume zunichte: Das Wohn-Ess-Zimmer ist ein Schlachtfeld. Sämtliche Bettdecken, Kissen, Kuscheltiere und wasweißdennichnoch liegen auf dem Parkett. Der Esstisch ist leider nicht liebevoll gedeckt, ihn zieren weder Rosen noch frische Brötchen, nur die Rotweinränder vom Vorabend.

WARUM SIEHT DAS HIER SO AUS!

Brülle ich in Richtung Kinderzimmer, dort sind die lieben Kleinen beleidigt, wegen dem Anschiss durch die Badezimmertür. Das Fräulein Tochter kommt, reißt mir das zerkrumpelte Bild aus der Hand und giftet mich an: „Jetzt kriegst Du es nicht mehr!“ Ich will wieder ins Bett, überlege kurz, ob ich losheulen und die Kinder damit emotional unter Druck setzen soll, lasse es aber sein. Bin zu müde.

Der Herr Sohn erklärt mit Blick auf das Decken-Chaos: Das ist unser Boot, wir spielen Arche!

Das erklärt zwar die vielen Kuscheltiere, aber nicht, warum Angelhaken im Tochterkopfkissen stecken. Meine vorsichtige Frage, warum, das Boot nicht im Kinderzimmer aufgebaut wurde, beantworten die Kinder mit fassungslosen Gesichtern und unisono: „Da war doch kein Platz!“
Klar war da kein Platz. Wenn man vorher sämtliche Lego und Barbie-Kisten ausgekippt hat, dann ist auch in einem 20 qm großen Raum kein Platz.

Fluchend werfe ich das „Boot“ auf das Legochaos und schaffe es in letzter Sekunde, die Kinderzimmertür NICHT zuzuknallen.

Ein Königreich für einen Kaffee!

Mach ich gleich. Kaffee. Gleich nachdem ich die Spülmaschine ausgeräumt und meine Muttertagsgeschenke bewundert habe. Zwei kleine, handbemalte Blumentöpfchen mit Erde und zwei traurigen Grünsprösslingen (Sonnenblumen) darin, beide wirken verdorrt.
Die Kinder sind sich einig: „Die werden riesig!“

Großes Kind: „Aber mein Topf ist halt viel schöner.“
Kleines Kind: „Nein meiner und Du bist ein Blödmann!“
Beide Kinder zu mir: „Welchen findest Du jetzt schöner?“
Ich wimmere nach Kaffee.

Großes Kind: Eigentlich mussten wir in der Schule noch ein Muttertags-Gedicht abschreiben. Aber das fand ich so blöd, das habe ich gleich weggeschmissen.

Außerdem stehst Du ja eh nicht so auf Muttertag!

Genau.

Bild: Ivi 🙂

1 Kommentar

Herrlich, ich lese Deinen Blog heute zum ersten Mal und habe Tränen in den Augen. Endlich geht es mal jemandem wie mir, hatte auch einen Scheiß Muttertag. Leider trauen sich so wenige, es zuzugeben. Danke, daß Du mich zum Lachen gebracht hast.
Viele Grüße Rabea

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