Zu Gast bei „Dein Traumkaufladen“

skalLaudenKaufladen15_16_07_2015In Laudenbach an der Bergstraße leben zwei Künstler, die unter dem Logo „Dein Traumkaufladen“  handgemachte Kaufläden aus Holz fertigen. anfertigen. StadtLandKind hat das Künstler-Paar  in seinem Haus, in dem sich auch Werkstatt und Atelier befinden, besucht.

Eine junge Frau mit blauer Karobluse, gelockten Haaren und einem strahlenden Lächeln öffnet die Haustür, daneben steht ein freundlicher Mann mit einem lustigen Ziegenbart. Die 41-jährige Franca Wetjen, studierte Mediendesignerin und der 45-jährige, gelernte Zimmermann Jürgen Grieser stellen sich als „Lebens- und Berufpartner“ vor. Vor sieben Jahren haben sie das 30 Jahre alte Haus in Laudenbach erworben. „Ja, es gibt noch einiges zu tun, damit es hier richtig wohnlich wird“, sagt Jürgen Grieser und blickt die Hausfassade hoch, die einen neuen Anstrich gebrauchen könnte. Doch im Moment verschlingt ihr Traumkaufladen-Projekt Zeit und Geld.

Auf der Terrasse, wo es nach Holz und frisch gebrühtem Kaffe duftet, bietet sich ein reizvoller Anblick. Dort wird ein begehbarer Kaufladen mit kleinen, rot getupfte Gardinen und Schubladenknöpfen im gleichen Dekor von der Sonne angestrahlt. „Massives Buchenholz“, erklärt Jürgen Grieser und streicht mit seiner großen Hand liebevoll über die kleine Verkaufstheke. „Wir haben ihn extra für Ihren Besuch aufgebaut“ fügt Franca Wetjen hinzu. Denn normalerweise findet die Präsentation der Kaufläden ausschließlich in Internetshops statt. Beim Kaffee erzählen die beiden Holzkünstler, wie die Idee mit dem Traumkaufladen entstand und warum sie darin mehr als ein Spielzeug sehen.

Wie entstand die Idee von „Dein Traumkaufladen“?

Franca Wetjen: Vor acht Jahren entdeckten Jürgen und ich zufällig auf einem Flohmarkt einen  gebrauchten Holzkaufladen. Wir kauften ihn für einen kleinen Betrag, restaurierten ihn und stellten ihn ins Netz. Schon nach kurzer Zeit ging er bei eBay für den zehnfachen Preis raus. Die Idee vom Traumkaufladen war geboren. Jürgen als gelernte Zimmermann wagte den ersten Entwurf und unser erstes Klassik-Modell entstand.

Wie sah eigentlich Ihr Kaufladen aus, mit dem Sie als Kind gespielt haben?

Franca Wetjen: Mein Kaufladen war Mamas Bügelbrett. Hier war ich Tante-Emma-Laden, Bankschalter und Post in einem. Ich spielte zwar ausschließlich mit mir selbst, hatte aber einen Riesen-Spaß dabei.

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Also würde bei einem Kleinkind auch ein Kindertisch und eine Portion Fantasie genügen?

Franca Wetjen: Ja, natürlich, ein 3-jähriges Kind kann auch auf dem Boden Kaufladen spielen. Wir denken bei unseren aufwendig gestalteten Stücken eher an die Altersgruppe ab 5 Jahre. Und da sind unsere Kaufläden  mehr als ein kostbares Spielzeug. Wir sehen sie als Förderung der Kommunikation und der Sinne, wie Tasten und Greifen. Die größte Herausforderung ist für uns das Thema „Inklusion“. Da kommt unser XXL-Modell zum Einsatz, das sind behindertengerechte Kaufläden, die geräumig genug für einen Rollstuhl sind. Desweiteren arbeiten wir mit Bildtafeln, speziell für Kinder mit Sprach-Handikap. Und da für uns der pädagogische Gesichtspunkt am wichtigsten ist, möchten wir unseren Fokus langfristig auf die Naturbelassenheit des Holzes richten, also weniger mit Farben arbeiten. Wir denken dabei vorwiegend an Kindertagesstätten und Grundschulen.

Sie haben schon einige Ihrer Traumkaufläden Kindergärten und anderen öffentlichen Institutionen gestiftet, auch ein Kinderhospiz war dabei. Also hat in Ihrem Zweipersonen-Unternehmen auch das soziale Engagement einen Stellenwert. Wie bekommen sie das unter einen Hut?

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Mit viel Liebe und Kraft für unsere Idee. Unsere drei Pfeiler sind Teamwork, Ausdauer und Leidenschaft. Unsere Stiftungen gehören mit zu unserem Firmenprofil. Wenn wir zum Beispiel dem Freizeithaus im Luisenpark in Mannheim eines unserer Objekte stiften, sehen wir natürlich auch die Werbewirksamkeit.

Für die meisten Kinder dürfte Ihr Traumkaufladen ohnehin ein Traum bleiben, denn erstens würde seine Größe mehr als ein „normales“ Kinderzimmer beanspruchen und zweitens übersteigt eine Preiskategorie zwischen 500 und 2.300 Euro den Geldbeutel eines Normalverdieners.

Natürlich kann sich nicht jeder unseren Traumkaufladen leisten. Wir haben allerdings schon erlebt, dass Eltern und Großeltern für den Erwerb zusammen gelegt haben. Außerdem soll so ein Kaufladen viele Jahre lang Freude bereiten bzw. an die nächste Generation weiter gegeben werden. Was die Raumfrage betrifft, so stellen manche unserer Kunden den Kaufladen auch nur zu Weihnachten auf.

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Jürgen Grieser, Sie sind ausgebildeter Zimmermann. Hätten Sie es jemals für möglich gehalten, eines Tages Kinderspielzeug anzufertigen?

Jürgen Grieser: Manchmal kann ich es kaum glauben, dass der Schritt in die Selbstständigkeit tatsächlich erfolgreich war, vor allem, dass die Nachfrage nach unseren außergewöhnlichen Stücken so groß ist.

Die Künstler von „Dein Traumkaufladen“

Franca Wetjen, geboren 1974 in Berlin, aufgewachsen in Mannheim
Studium: Medien-Design, Pop Art-Künstlerin
Jürgen Grieser, 1970 in Weinheim geboren
gelernter Zimmermann

Mehr Infos unter:  mein-traum-kaufladen-shop.de.

rav // Fotos: Gutschalk

 

 

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