Die Welt ist rosa und … hellschwarz!

BarbieDinoBarbie kann einfach alles! Sogar das absolute Böse zähmen. Alles, was sie dazu braucht, ist ein Korb voller Äpfelchen und einen Striegel.

Liebe S.,

warst Du eigentlich auch so überrascht, wie unterschiedlich sich deine Kinder entwickeln? Und das so ganz ohne dein Zutun? Ich jedenfalls bin bis heute immer wieder platt – vor allem beim Autofahren.

Mein Auto ist ja eigentlich ein ganz normaler, schwarzer Kombi. Obwohl, so ganz normal ist es nicht mehr. Ich vermute sogar, es hat inzwischen eine satte Persönlichkeitsstörung. Denn auf der Rückbank sitzen täglich ein Junge und ein Mädchen. Der Junge liebt Star Wars und das Mädchen Pferde. Und, ich habe keine Ahnung wie dass geschehen konnte.

Aber der Reihe nach:

Unser erstes Kind war ja ein Junge. Zart und lieb und wunderbar kam er zur Welt und blieb auch so, bis er laufen konnte. Zart und hübsch ist er bis heute. Aber irgendwann begann ich mich plötzlich in Gegenwart anderer Eltern so komisch zu fühlen. Speziell am Tatort Spielplatz: Ich wusste ehrlich gesagt nicht, dass ganz normale Stöcke in klitzekleinen Patschehändchen zu furchtbaren Waffen werden können. Oder, dass Sand so penetrant und schmerzhaft sein kann.
Bis heute zucke ich auf Spielplätzen zusammen, wenn irgendein Kind laut losweint und heimlich überprüfe ich schnell den Standort meines Sohnes. Kann er das gewesen sein?

Ich wusste so vieles nicht, bevor ich einen Jungen bekam, der – und dass muss ich heute einfach anerkennen –  mir eine komplette Welt eröffnete. Die Welt der Männer. Hier herrscht der Stärkste. Der Größte. Hier kämpfen die Dinosaurier um das größte Stück Fleisch, hier stechen Piraten in See hier gelten ganz einfache Gesetze. Aber die muss man kennen. Dazu muss ich sagen, dass ich überzeugte Pafizistin und selbstverständlich auch Feministin bin.

Alles Erziehung! Dachte ich. Früher. Beim Anblick dieser vielen kleinen Jungen überall, die ständig rennen und kämpfen müssen. Und die immer Schwerter und Pistolen dabei haben. „Du bist schuld!“, erklärte ich nach einiger Zeit dem Vater meines Sohnes. Du siehst zu viele schlechte Filme Das hat sich genetisch weitervererbt.“

Ich schaue keine schlechten Filme. Seit ich Kinder haben schaue ich überhaupt keine mehr, weil ich viel zu müde bin. An mir konnte es also nicht liegen, dass uns alle anderen Eltern im Park mieden, wenn wir mit Spiderman, Superman, Skywalker zum Schaukeln kamen.
Aber auch alles, von dem ich dachte, es sei für Kinder lebensnotwendig, prallte an meinem Sohn im besten Fall ab (Malen, Basteln, Vorsingen). Oder langweilte ihn.

Ich gebe ganz offen zu, ich zweifelte ab und zu an meinem Sohn. Nicht dass er nicht ganz wunderbar ist, aber muss er das so laut sein?

Zurück zum Anfang. Irgendwann bekamen wir dann noch eine Tochter. Und wieder schnappte die Klischeefalle ohne mein Zutun so heftig zu, dass ich zum zweiten Mal wie betäubt davor stehe. Ohne ein Vorbild will sie sich jeden Tag schminken, seit sie krabbeln kann. Sie trägt ausschließlich rosa und pinke und lila Kleider. Ihr erstes Wort war „Ferd“ und sie besitzt bis heute ein unsichtbares Pferd. Das wird abends neben dem Bett festgebunden. Sie liebt es, wenn ihr Vater sie Prinzessin nimmt. Da wäre mir früher ganz anders geworden.

Was für Werte werden denn hier transportiert, hätte ich gedacht und das bestimmt auch laut ausgesprochen!

Vor kurzem hat meine Tochter unser Auto übrigens Scarlett – nach dem Pferd in ihrer Lieblingsserie – genannt.

Wenn wir mal etwas schneller fahren, jubelt es von hinten: „Ja Scarlett! Du schaffst es, schneller! Galopp, Galopp!“ „Zeig’s ihr Darth Vader, die Macht ist mit Dir!“, tönt es von der anderen Seite. Aber inzwischen schon etwas leiser und sanfter. Als hätte der wilde Krieger vor all dem Liebreiz des Weiblichen endlich seine Waffen gestreckt.

Ich bin gespannt, wie das bei euch war.

 

Liebe Grüße,

Deine …

 

 

 

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