„Die Wurzeln einer fremdenfeindlichen Einstellung liegen in der Kindheit.“

_R1_5287„A journey of a thousand miles begins with a single step” – das berühmte Zitat Lao Tzus steht sinngebend auf der Homepage der kleinen Heidelberger NGO, die sich seit November 2015 um „Stärkung der weltweiten Beziehungen zwischen den Nationen und Kulturen“
bemühen. Einer der vielen Ehrenamtlichen kommt aus Kamerun. Desmond Nkome ist 30 Jahre alt und hat das Projekt „Road to tolerance“ für Kindergärten und Schulen ins Leben gerufen. „Wisst ihr noch, woher ich komme?“ ruft er in die Runde der umherwuselnden drei- bis fünfjährigen Kinder? „Aus KAAMEERUUN!“, schallt es vielstimmig zurück. Auf den Tischen stehen Bananenkekse  – von den deutschen Müttern liebevoll nach Kameruner Originalrezepten gebacken. „Sie schmecken ungewohnt“, stellt Eva Dunkel, Mitinitiatorin des Projektes, fest. „Aber lecker.“

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„Als ich das erste Mal herkam, haben sich die Kinder versteckt – vor Angst“, erzählt Desmond Nkome. „Schon kleine Kinder nehmen die Unterschiede zwischen den Menschen sehr deutlich wahr. Ob jemand eine weiße oder schwarze Haut hat, wird zwar noch nicht bewertet – aber als ungewohnt erst mal abgelehnt.“ Von Angst ist heute nichts mehr zu merken. Die Kinder haben aus Blumentöpfen und Brotpapier
afrikanische Trommeln gebastelt, sie haben über die Sprachen, die Landschaft, die Tiere und die Gewohnheiten in Kamerun geredet und waren zuerst sehr erstaunt, dass Männer und Frauen dort getrennt und nur mit den Händen essen. Heute wird gemeinsam getrommelt, gesungen und getanzt.

„Die Wurzeln für eine fremdenfeindliche Einstellung liegen in der Kindheit.“

 

Die Leiterin des Kindergartens Miriam Gröhl hat sich sich, ebenso wie Erzieherin Annelie Bogocz, in farbenprächtige afrikanische Gewänder gehüllt, alle sind mit großer Begeisterung dabei. Ein Happening mit Tanz, Musik und fremdem Essen. Aber hilft das in der aktuellen weltpolitischen Situation? Sollen schon Vierjährige mit den Themen Flucht und Vertreibung
konfrontiert werden? „Es geht nicht anders!“, ist sich Miriam Gröhl sicher. „Die Wurzeln für eine fremdenfeindliche Einstellung liegen in der
Kindheit. Gerade im Alter von fünf bis sieben Jahren werden ethnische oder nationale Vorurteile entwickelt – wenn es keinerlei Kontakt zu ‚Fremden‘ gibt.“  Persönliche Erfahrungen und vor allem Freundschaften seien die beste Prävention gegen Ausländerfeindlichkeit und Vorurteile.“ Angst habe man meistens nur vor etwas, das man nicht kenne. „Das gilt aber genauso andersherum“, betont Desmond. „Auch die Flüchtlinge müssen sich an die fremde, neue Kultur gewöhnen. ‚Road to tolerance‘ soll also auch Immigranten helfen, die örtlichen
Bräuche zu verstehen.“ Ein kleiner Schritt also, aber ein wirksamer.

„Road to Tolerance“ ist ein fortlaufendes Projekt. Interessierte Schulen und Kitas  können sich an den Verein wenden.

bw // Fotos: sho

Mehr unter: 

ArbeitsKreis für Interkulturelle Verständigung (AKIV) e.V, Hintere Lisgewann 26/3, 69214 Eppelheim, akiv.de

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