Ein Aufreger-Foto und das Problem mit den Sozialen Netzwerken

Eine Capri-Sonne, einen Fruchtzwerg, eine Milchschnitte, ein Hanuta  –  in eine Styroporschale gelegt, fest mit Platikfolie umwickelt und dann als Sonderangebot ins Kühlregal von Rewe gepackt. Keine gute Idee.

Ein Foto dieser Zucker-Fett-Produktkombination wird seit Tagen wutentbrannt durchs Netz gejagt. Und man möchte auch einfach nur fassungslos den Kopf schütteln, wenn man das sieht. Aber stimmt das überhaupt? Gibt es dieses Angebot von Rewe wirklich und wenn ja, wo und warum? Oder ist das Foto gar gefälscht?

In zwei Heidelberger Rewe-Märkten ist jedenfalls nichts zu sehen von der zweifelhaften Kühlware.
Das Problem: Das Foto ist inzwischen von so vielen Menschen via Facebook geteilt worden, dass es fast unmöglich ist, spontan den Urheber zu finden. Die Bilder-Bilder-Rückwärtssuche macht es trotzdem möglich. @Heike_land, Lehrerin und Mutter twitterte das Bild am 22. April. Versehen mit dem knappen Satz „Viel kaputter geht es kaum noch. #rewe“


Sie ist eine fleißige Twitterin mit vielen Followern und so verbreitete sich das Foto in Windeseile im Netz.
Und erreicht prompt auch Rewe. Der Konzert reagiert spontan via Twitter, meldet sich bei @Heike_land, will wissen, in welchem Markt das zweifelhafte Angebot liegt. Sie antwortet, Rewe reagiert schnell. „Wir haben das geprüft: es handelt sich um die Einzelaktion eines Partnerkaufmanns, der die Ware bereits aus dem Verkauf genommen hat.“
Auch @Heike_land reagiert vorbildlich. Lobt Rewe via Twitter für die prompte Reaktion, schreibt auch selber noch einmal, dass die Ware nicht mehr verkauft wird.

Zu spät. 356 Mal wurde das Bild inzwischen retweetet. Wie oft es auf Facebook geteilt und weiter verbreitet wurde, ist unmöglich nachzuvollziehen. Zigtausend Mal.  So viel ist sicher. Dass dies Produktkombination „nur“ in einem einzigen Markt lag und nicht überall bei Rewe zu haben ist, diese Information fehlt aber fast überall.
Natürlich ist eine solche Lebensmittelkombination absolut indiskutabel. Sowohl aus Ernährungssicht, als auch im Sinne der Müllvermeidung. Und wie der entsprechende Einzelhändler auf diese Schnapsidee kommen konnte, bleibt nach wie vor ein Rätsel.

Aber das Foto zeigt auch einerseits die Vorteile und andererseits die Tücken der Sozialen Netzwerke. Einerseits ist es positiv, dass der große Protest gegen dieses Produkt zu einer promten Reaktion von Rewe geführt hat. Andererseits wird uns dieses Bild die nächsten Jahre via Facebook begleiten. Immer wieder wird es irgendwo auftauchen, weil es immer wieder irgendjemand aus irgendeiner Ecke des Internets hervorkramen wird und im vermeintlichen Glauben, es handle sich um eine brandaktuelle Nachricht, teilen. Und dann ist es zwar immer noch kein Fake-Bild und auch keine Fake-Nachricht, aber es erzählt eben auch nicht die ganze Wahrheit.

Text: Sarah Hinney;  Bild: Heikeland (@Heike_land via Twitter)

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