Eine Familie auf den Spuren des Klimawandels

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Extremreisen mit Kindern: Dem Klimawandel auf der Spur

Alles begann mit einem Huhn, das im Winter ein Ei legte und einer Familie, die herausfinden wollte, wieso. Die Steingässers, bestehend aus Mutter Jana (39, Ethnologin), Vater Jens (40, Fotograf) und den vier Kindern Paula (16), Mio (9), Hannah (8) und Frieda (5) reisen seit drei Jahren den Spuren des Klimawandels hinterher. Ihr Ziel ist es, zu zeigen, wie einzigartig dieser Planet ist und wie wichtig es ist, ihn zu schützen. Klassische Bilder, wie abgemagerte Eisbären oder schmelzende Gletscher sollen jedoch nicht im Mittelpunkt stehen. Vielmehr sind es die kleinen Geschichten und außergewöhnlichen Leute auf der ganzen Welt, die die Auswirkungen des Klimawandels jetzt schon zu spüren bekommen. Die Reisen führten die Steingässers bereits an die ungewöhnlichsten Orte, wie Lappland, Ostgrönland, Marokko, Namibia und quer über die Alpen. Immer im Gepäck: Viel zu essen, umgebaute Kinderwägen und die Einstellung, dass alles irgendwie möglich ist. Kurz vor ihrer Abreise nach Lappland haben Jens und Jana Steingässer StadtLandKind verraten, wieso Extremreisen mit Kindern nicht nur kein Problem, sondern auch wunderschön ist.

Wie kamt ihr auf die Idee solche Reisen mit Kindern zu unternehmen?

Nach der Sache mit dem Huhn, haben wir viel zum Thema Klimawandel recherchiert und beschlossen, das alles journalistisch zu bearbeiten. Wir haben dann nach passenden Zielen gesucht und viele Orte gefunden, die nicht ganz die typischen Familienreiseziele sind. Dass wir die Kinder mitnehmen würden war gar keine Frage – natürlich aber in der Ferienzeit.

Wie habt ihr euch vorbereitet?

Wir haben zur Vorbereitung vor allem mit Menschen vor Ort gesprochen, weil es zu unseren Zielen kaum Reiseliteratur gibt. Die Menschen konnten uns dann viel bessere Auskunft darüber geben, was geht und was nicht. Und dabei wurde uns beispielsweise gesagt, dass es kaum ein besseres Familien-Reiseziel als Ostgrönland gibt. Das haben wir dann einfach mal geglaubt. Grundsätzlich war die Voraussetzung, dass es zumindest ein Minimum an Infrastruktur vor Ort geben musste und auch die Anreise sollte auch nicht allzu lang sein. Alle Eltern werden wissen warum (lacht).

Hattet ihr Angst vor der ersten Reise?

Ich würde es nicht Angst, aber Respekt nennen. Die Kleinste war zum Zeitpunkt der ersten Reise nach Ostgrönland gerade mal zwei Jahre alt. Man muss eben wissen, worauf man sich einlässt und welche Gefahren es vor Ort gibt.

Haben die Kinder an den vielen Orten Anpassungsprobleme?

Sobald andere Kinder da sind, stürzen sie sich sofort ins Getümmel und die Barriere ist weg. Mio hat immer seinen Fußball dabei und der ist, egal wo man auf der Welt ist, ein Kindermagnet. Komischerweise gibt es auch keine sprachlichen Barrieren. Eine witzige Anekdote ist, dass die Kinder nach der Grönlandreise behaupteten, dass die grönländischen Kinder Deutsch gesprochen haben. Das Konzept von Sprache war eben ein anderes, denn sie haben sich einfach mit Händen, Füßen und Bildchen verständigt und am Ende so die gleiche Sprache gesprochen.

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Was war das Extremste oder Schönste, das ihr erlebt habt?

Die tagelange Reise mit Hundeschlitten über gefrorene Fjorde beim Polarstrom und durch die zerklüftete Bergwelt Ostgrönlands war das Extremste, aber auch gleichzeitig das Schönste, was wir zusammen erlebt haben. Aber es können immer unerwartete Dinge passieren. Unsere Tochter Frieda hat sich vor Ort eine Stiftspitze ins Ohr gesteckt, weil sie herausfinden wollte, wie weit sie rein geht. Das Experiment hat leider funktioniert und wir mussten zum einzigen Krankenhaus fahren, das an der zigtausend Kilometer langen ostgrönlänischen Küste existiert. Erwartet hat uns ein alter dänischer Doktor, der kaum eine Pinzette halten, geschweige denn die Stiftspitze finden konnte. Aber am Ende ist alles gut gegangen.

Was ist eure wichtigste gewonnene Erfahrung aus dem Extremreisen mit Kindern?

Es ist alles möglich. Natürlich hat man erst mal Respekt, aber man merkt schnell, dass es für jede Situation eine Lösung gibt. Es ist vielleicht nicht die, die man zuerst im Kopf hat, aber dann muss man einfach improvisieren. Bei uns gab es noch nie eine Situation, in der wir nicht mehr weiter wussten. Das ist auch für das alltägliche Leben eine tolle Erfahrung.
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Was würdet ihr anderen Eltern raten?

Macht es einfach. Wenn man es macht, merkt man, dass es gar nicht so schwer ist. Es ist sogar einfacher mit Kindern zu reisen. Kinder sind wahnsinnig offen und sehen die Welt mit unglaublich viel Neugier und Elan und wollen alles erkunden. Wir Erwachsenen sind da eher eingefahren und unsicher. Deshalb sollte man jedem erwachsenen Reisenden ein Kind an die Hand geben, das ihm zeigt, wie Erkunden wirklich geht. Interview: soe // Fotos: Jens Steingässer

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