Essen ist fertig!

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Wir lieben gutes, gesundes Essen und bewundern alle Familien mit quengelnden (Pizza!! Pommes!!) Kindern, die es schaffen, ihren Überzeugungen konsequent zu folgen. Beispielhaft haben wir drei Familien aus der Region besucht, die sich unterschiedlich und ungewöhnlich ernähren: Makrobiotisch, vegan und nach Paleo.

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Familie Rehehäuser aus Heidelberg ernährt sich makrobiotisch

„Wir haben es aufgegeben zu diskutieren“

Sonia Rehehäuser kocht für ihre Familie makrobiotisch. (stadtlandkind.info/makrobiotik/) Nicht jeder in ihrem Umfeld kann das nachvollziehen, trotzdem ist sie überzeugt: „Uns tut diese Ernährung gut.“

Freunde des klassischen deutschen Frühstücks sind bei den Rehehäusers an der falschen Adresse – die Heidelberger Familie isst anders. Statt mit Marmeladebrötchen und Milchkaffee beginnt ihr Tag mit Getreidecreme und Sesamsalz. Oder mit einer Miso-Suppe, dem japanischen Nationalgericht aus Sojabohnenpaste, mit Tofu oder Algen. „Meine Mutter hat in den 1980er Jahren beschlossen, unsere Familie nach den Grundsätzen der Makrobiotik zu ernähren“, erzählt Sonia Rehehäuser. Eine Entscheidung, die bei so manchem Ernährungswissenschaftler für Kopfschütteln sorgen dürfte. Sonia hingegen ist überzeugt, dass das makrobiotische Essen, richtig und ausgewogen zubereitet, keine Mangelerscheinungen hervorruft, sondern im Gegenteil der Schlüssel zu Gesundheit und Wohlbefinden eines Menschen ist.

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Den Ernährungsstil ihrer Mutter pflegt die Halbfranzösin weiter. Ihr Mann Tom hat die Makrobiotik vor einigen Jahren durch sie kennengelernt und ebenfalls festgestellt, dass sie ihm gut tut.Zu zweit alles kein Problem. Doch aus zwei sind mittlerweile vier Rehehäusers geworden: Mit der zweijährigen Marie und dem im Februar geborenen Merlin stehen Tom und Sonia nun vor der Frage nach dem passenden Weg für die eigene Familie und stellen fest: Gar nicht so einfach! Beispiel Zucker. Der war in Sonias Elternhaus tabu – mit der Folge, dass sie und ihre Geschwister sich als Kinder bei Freunden mit Süßigkeiten vollgefuttert haben. Das will die 31-Jährige jetzt gerne vermeiden, sie will weniger dogmatisch sein und wünscht sich, dass ihre Kinder selbst erkennen, was gut für sie ist. „Ich möchte gerne freier damit umgehen und Marie probieren lassen, was sie will“, sagt die Heidelbergerin. Doch ganz so leicht fällt ihr das nicht. Gerade von zu viel Zucker werde Marie unruhig und schlafe schlecht. Die durch den kleinen Merlin ohnehin schon kurzen Nächte werden dadurch noch kürzer. Nicht immer hat Sonia dafür die Nerven und trifft dann die Essensentscheidung für Marie – und für eine ruhige Nacht.

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Noch geht das. Aber wie lange noch? Selbst wenn Marie weiß, was ihr gut tut: Wird sie auch entsprechend handeln? Oder wird sie sich an dem orientieren, was die Anderen machen? „Die Phase, wo sie ‚normal‘ sein will und traditionell essen möchte, wird kommen“, sind sich Tom und Sonia bewusst. Doch bis es so weit ist, wollen die beiden auch den anderen Weg geebnet haben, auf den Marie jederzeit zurückkehren kann.

„Wichtiger als viel zu erklären oder zu verbieten ist, dass wir vorleben, wovon wir überzeugt sind“, glaubt Sonia. Einen Kindergarten wird ihre Tochter nicht besuchen. Bis sie sechs ist, soll Marie bei der Mama und beim Brüderchen bleiben – nicht nur, aber auch aus Ernährungsgründen.

Speziell Toms schwäbischer Familie ist dieser Lebensentwurf nur schwer zu vermitteln. Ein Foto beim Schokokuss-Essen, wie es Toms Mutter von jedem ihrer Enkelkinder hat, wird es von Marie und Merlin nicht geben. „Sie tut sich schwer damit, dass wir das nicht möchten“, weiß Tom. Ihre Überzeugung wollen er und seine Frau niemandem aufdrängen, aber genauso wenig möchten sie sich gegenüber Freunden und Verwandten ständig dafür rechtfertigen. „Wir haben es aufgegeben, darüber zu diskutieren“, sagen die beiden. „Es gibt nicht den einzig wahren Ernährungsstil. Wenn man sich auf dieser Basis trifft, ist es stressfrei.“

npo // Fotos: sho

Familien, die sich komplett vegan ernähren? Oder nach Paleo (Steinzeit-Diät)? Bald im Porträt hier auf stadtlandkind.info

2 Kommentare zu “Essen ist fertig!

  1. Matthias

    Hallo !

    Es schön dass sie andere Essensentwürfe vorstellen. Für die unwissenden wie mich wäre es interessant woraus solch eine Ernährung besteht. Was positiv daran ist und was negativ ist.

    Vielen Dank Matthias

    • bettinawolf

      Hallo Matthias, wir leiten die Frage gerne an die Autorin weiter. Sie hat sich eingehend mit dem Thema beschäftigt und wird bestimmt gerne antworten. Ansonsten fanden wir die Erklärung hier: http://www.lecker.de/ernaehrung-der-makrobiotik-49458.html recht hilfreich. Herzliche Grüße aus der StadtLandKind-Redaktion!

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