Happy Birthday, Paulina!

Rot, Gelb, Blau, Grün – als ich zu Tina und Paulina nach Hause komme, springt es mir förmlich ins Gesicht. Das Klettergerüst, das in Tinas Garten steht. Bunt leuchtend steht es da und wartet nur so darauf, erobert zu werden. Und siehe da: Paulina ist gerade dabei die Spitze des Gerüsts zu erklättern. Ganz oben angekommen, macht sie ihrer Mama unmissverständlich klar, dass sie am Ende der Rutsche auf sie warten soll. Eine große Portion Mut später steht Paulina mit beiden Füßen wieder fest im Gras und setzt zu einer neuen Runde an. Immer mit dabei ist natürlich ihre Puppe. Heute auf den Tag genau wird Paulina zwei Jahre alt.

 

Es ist einer der ersten schönen warmen Tage als ich Paulina und ihre Mama im Vor-Geburtstags-Stress besuche. Wir sitzen auf eben jener Terrasse, auf der wir im heißen Sommer vergangenes Jahr noch im Plastikbecken geplanscht haben und die Paulina den ganzen Winter lang so sehnsüchtig durch die Fensterscheibe beobachtet hat. Während Paulina ihrem Papa im Blumenbeet hilft, nutzen Tina und ich die Zeit, um die vergangenen zwei Jahre Revue passieren zu lassen.

 

Ich: „Zwei Jahre ist das nun schon her, dass du Mama geworden bist. Ich kann es gar nicht richtig glauben.“

 

Tina: „Frag mich mal. Ich kann es auch nicht glauben.“

 

Zu Paulinas ersten Geburtstag hat Tina ein Fotoalbum mit vielen Erinnerungen aus dem ersten Jahr gemacht. Ich kann es im Bücherregal stehen sehen. Die ersten Seiten sind mit Bildern aus dem Krankenhaus gefüllt und dem Chatverlauf, in dem man nachlesen kann, wie Markus die Familie und Freunde auf dem Laufenden hielt bis Paulina endlich da war.

 

Tina: „Wenn ich daran zurückdenke, bekomme ich immer noch Gänsehaut. Sie war so klein. 2600 Gramm, 49 Zentimeter: Sie war so winzig und heute zählt sie mit ihren 90 Zentimetern zu den Größten unter ihren Freunden. Sie wird ständig älter geschätzt und durch ihren Lockenkopf für größer gehalten. Ich habe erst gestern durch das Fotoalbum geblättert, bin dabei aber richtig sentimental geworden.  Ich dachte, wie schnell das alles ging. Ich hab den Spruch „Genieße es, es geht alles so schnell rum“ nie gemocht.“

 

Ich: „Aber Du hast es doch genossen oder?“

 

Tina: „Ja, aber es geht wirklich so schnell. Es ist genauso, wie es mir immer gesagt wurde.“  Sie lehnt sich nach vorne. „Ich bin schon dabei, das zweite Fotoalbum über ihr zweites Jahr zu erstellen. Bis zum Geburtstag bin ich damit fertig.“

 

Was da wohl drin sein wird? Etliche Bilder von Ausflügen in den Zoo oder auch im Zug. Eben alles, was man so Spannendes erlebt, wenn man unter einem Meter groß ist.

Aber vorher will die große Garten-Geburtstagsparty gut geplant sein. Die Luftballons sind schon gekauft und eine Kerze mit einer großen Zwei stehen schon bereit,  als ich Tina besuche, die schon mitten in den Vorbereitungen für den Geburtstag steckt. Ein Geburtstagskuchen und Cake-Pops dürfen dabei nicht fehlen, denn die gehören zu einer richtigen Geburtstags-Gartenparty dazu. Ganz egal wie alt man wird. Und kleine Geschenke stehen auch schon bereit, aber mehr verrät Tina mir darüber nicht. Ich könnte es ja Paulina verraten, was ich natürlich nie machen würde. Es ist schon irgendwie verrückt: Tina ist Gast auf meinen Geburtstagsfeiern seitdem wir drei Jahre alt sind und jetzt wiederholt sich alles und fängt irgendwie von Neuem an.

 

Tinas und meine sentimentale Stimmung verfliegt schnell, denn Paulina ist im Anmarsch. Papa hat den Grill aus der Garage holt – und Paulina macht das gleiche, denn schließlich hat sie selbst auch einen kleinen Grill, denn sie lautstark auf die Terrasse zieht. Im Winter wird also in der Kinderküche gekocht, im Sommer dann die Grillsaison eröffnet. Klar! Und was macht dabei am meisten Spaß? Richtig, für Gäste kochen!

 

Sie zieht mich an der Hand, führt mich zu ihrem Kindergrill, zeigt mit ihrer Hand auf den Boden und sagt „Popo“. „Sie möchte, dass du dich hinsetzt. Sie möchte dir etwas grillen. Ich hoffe, du hast Appetit mitgebracht“, sagt Tina mit einem Lächeln. „Aber natürlich. Deine Plastikwürstchen und Tomaten sind meilenweit als die Besten bekannt“, sage ich zu Paulina, die mir sogleich ein Würstchen reicht, es mir aber sofort wieder aus der Hand zieht. „Nein, heiß“, sagt sie. Stimmt, das muss erst noch abkühlen. Wir pusten beide darauf. Danach lasse ich es mir lautstark schmecken, was den kleinen Grillmeister zum Kichern bringt.

 

Ich: „Paulina, wie alt wirst du?“ Sie schaut vom Grill hoch.

 

Paulina: „Dei“.

 

Ich: „Was? Schon so alt? Du bist ja ein richtig großes Mädchen!“

 

 

Während Paulina weiter für uns grillt und uns abwechselnd Würstchen reicht, genießen Tina und ich die ersten wärmenden Sonnenstrahlen.

 

Ich: „Welche Entwicklungen an ihr konntest du denn weiter beobachten?“

 

Tina: „Sie fängt langsam an richtig zu plappern. Bis zur U7  konnte sie noch nicht zu viel sagen. Also ob sie gemerkt hätte, dass jetzt so langsam aber etwas passieren sollte, plappert sie los – man darf sie nur nicht danach fragen. Sie kennt die Wörter nämlich ganz genau.“

 

„No“, hören wir Paulina sagen, als ihr ein Plastikwürstchen aus der Hand fällt. Sie fängt sogar schon an, Spanisch zu reden, erklärt mir Tina. Wenig später hören wir drinnen einen lauten Ton. „Sie hat zu Ostern einen CD-Rekorder mit Mikrofon bekommen. Sie liebt es zu singen und legt ihn gar nicht mehr aus der Hand“, sagt Tina – und sie hat recht. Das Mikrofon hat es der kleinen Dame angetan. Sie singt als gäbe es kein Morgen.

 

Ich lasse den Blick über den Garten schweifen, der einem wahren Spieleparadies gleicht. Neben dem Gerüst steht ein kleiner Bagger, auch der Sandkasten wartet darauf endlich wieder in Betrieb genommen zu werden. „Eventuell wollen wir noch ein Trampolin, denn das gibt es nicht auf dem Spielplatz“, sagt Tina. Apropos Spielplatz: Das scheint Paulinas Lieblingsort zu sein. Seit Kurzem sagt sie, wenn sie spaziergehen will,   „dada gehen“, wie Tina mir erklärt. „Ich habe ein kleines Experiment gewagt und mich von ihr führen lassen.  Und siehe da: Paulina hat mich schnurrstracks zum Spielplatz geführt.  Sie kennt den Weg in und auswendig. Immer mit dabei hat sie natürlich ihre Puppe, die sie im Wagen spazieren fährt – mit allem, was dazu gehört. So kann es schon einmal dazu kommen, dass Tina auf ihre Tochter mitten auf dem Gehweg warten muss, wenn Paulina eben tut, was eine Puppen-Mama tun muss: Wickeln und kuscheln.  Ganz egal, ob dabei jemand zuschauen könnte.

 

„Und bei unserem Abendspaziergang führt kein Weg an den Bahnschienen vorbei, es könnte ja schließlich ein Zug vorbeifahren“, sagt Tina. Oder eben ein „Dug“ wie Paulina sagt, die abends den Schaffnern winkt, erst dann will sie schlafen gehen. Dann krabbelt sie in ihr kleines Bett, in dem schon ihre Kuscheltiere auf sie warten, die den ganzen Tag auf ihre „Dudus“ aufgepasst haben. Sie ist schon groß und braucht sie am Tag nicht mehr. In der Nacht drücken Mama und Papa aber ein Auge zu.

 

Zwei Jahre ist Paulina jetzt schon alt und hält ihre Eltern – und ein Stück weit mich – ganz schön auf Trab. Scheinbar jeden Tag lernt sie etwas neues dazu,  nahezu immer fragt man sich, wie es nochmal war, als es sie noch nicht gab und ständig kommt man zu der Erkenntnis: Man kann es sich ohne sie gar nicht mehr vorstellen. Es ist schön, dass es dich gibt! Alles Liebe zum zweiten Geburtstag, Paulina!

 

Von Ann-Kathrin Weber 

Zur Autorin:

Redakteurin Ann-Kathrin Weber hat zwar selbst noch keine Kinder, schreibt aber besonders gern über Kinderthemen. Für StadtLandKind hat sie ihre Freundin Tina durch die Schwangerschaft begleitet und besucht ab sofort Baby Paulina und ihre Eltern einmal im Monat für uns.

 

 

 

 

 

 

 

 

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