In unserem Kinderzimmer treibt mehr Plastikmüll als im Ozean

sammeln


Tausche Trashie gegen Yoda in silber  – alles voll wertvoll, Alter!

Liebe B.,

was sammeln eigentlich Deine Kinder so? Meine Kinder sammeln: Steine, Stöcke, Legos, Kakteen, rostige Nägel, mehrere Sorten Fußballkarten, Elektroschrott,  ausländische Geldmünzen, inländische auch, Scheine noch lieber, Aufkleber, abgestempelte Fahrkarten (bevorzugt von der DB, wegen dem Silberstreif), Softairpistolenkügelchen, Fillys, die aktuellen Sammelkarten, bzw. Gummi- oder Plasktikfiguren der diversen Supermarktketten im Umkreis von fünf Kilomtern. Natürlich.

Eigentlich sammeln sie alles, von dem sie mehr haben, als eins.
Ich weiß nicht, warum sie das tun.
Verlustängste?
Fehlende Liebe?
Irgendsowas wird es sein.

Anfangs fand ich das  originell, wenn der Bub aus dem Kindergarten kam und eine Tonne Steine im Rucksack mit sich trug. Ich hatte auch Verständnis dafür, dass der interessierte Junge Platinen vom Sperrmüll sammelte und auseinanderbaut. Das macht die Mutter ja auch stolz, so ein  interessiertes Kind.
Vermutlich wird es Erfinder, Nobelpreisträger, reich, berühmt, kauft mir ein Schloss, ein Diadem… äh, wo war ich?

Gut, das gewaltsame Öffnen von Batterien, Druckluftflaschen von Wassersprudelautomaten und Spraydosen ist nicht mehr ganz so originell. Vor allem Sonntagsmorgens auf MEINEM Sofa. Da bohrt sich halt schnell mal so ein Phasenprüfer erst in die zarte Kinderhand und dann durch den edlen Wollstoff des heiß geliebten Designermöbels. Selber schuld, was stell ich mir Möbel ins Wohnzimmer und warum erlaube ich den Kindern, sich den Möbeln zu nähern und überhaupt, wie komme ich auf die Idee, sonntags bis sieben Uhr zu schlafen!!!

Klare Verletzung der Aufsichtpflicht und wieder einmal mangelnde elterlichen Fürsorge.

Andererseits ist es schon praktisch, dass das Kind immer Kupferdraht in diversen Stärken parat hat, weil es ihn von irgendwelchen Spulen von elektronischen Geräten abwickelt. Kupferdraht kann man super gebrauchen. Ständig. Zum Adventskranz binden, beispielsweise. Oder um einen Magneten daran zu befestigen, mit dem man den Schlüssel wieder aus dem Gulli holen kann oder aus dem Waschbeckenabwasserrohr. Und wenn man zum Beispiel ein paar Bügelperlen   – von denen wir etwa eine Million haben – auf Kupferdraht zieht, hat man auch ruckzuck ein tolles Armband und überhaupt – ich mag Kupferdraht.

Leider hat sich die Sammelleidenschaft der Kinder nun keineswegs auf hübsche Steine, Tannenzapfen und Stöcke oder wenigstens kostenlosen Elektroschrott beschränkt sondern massiv in Richtung Serienkaufobjekt ausgeweitet.

Aktuell sind es  Trashies. Trashies sind Müll. Im wahrsten Sinne des Wortes. Plastikmüll, produziert in China. Nun haben wir schon ganz viel in China produzierten Plastikmüll. Und der verdichtet sich nicht nur in gigantischen Strudeln in unseren schönen Ozeanen und Fischmägen, der verstopft auch sämtliche Schwedenmöbelhausplastikschubkästen in unserem ursprünglich vollholz eingerichtete Kinderzimmer. Tonnen von Weichmacher gepresst in verschiedene meist weniger originelle Formen fliegen in Regalen herum, belagern sämtliche Ablageflächen, verstopfen Staubsaugerrohre, lagern unter Kopfkissen, besetzten den Badewannenrand, schließen Freundschaft mit den Krümeln in den Besteckschubladen.

Dabei bin ich keineswegs prinzipiell gegen Plastik. Oh nein!

Diese kleinen Looms zum Beispiel, für die sich kein Kind mehr interessiert. Ich finde sie wunderbar. Ich dichte damit Wasserhahnsiphons ab und mache Trinkflaschen auslaufsicher. Auch als Haargummis eignen sie sich hervorragend. Oder zum Verschließen von Spaghettipackungen.

Ich hab auch nichts gegen die Limitierte Plastik Edition der Star-Wars-Sammelkarten. Man man damit ganz klasse angebrannten Milchreis von dem Cerankochfeld kratzten und würde ich zum Beispiel Koks nehmen, könnte man damit bestimmt super ne Line legen. Mache ich jetzt halt nicht, aber ist doch schön, wenn man weiß, man könnte,  so prinzipiell.

Aber nun diese Trashies. Das sind so kleine, hässliche Monster. Es gibt drei Sorten. Virenwürmer, Haushaltsbakterien und Tierische Parasiten. Sie heißen beispielsweise „Verbandsmullwurm“, „Versifftes Geschirrtuch“ oder „Fischiger Schmarotzerpilz“. Man kauft sie in Plastik-Reagenzgläsern und es gibt viele, verdammt viele. Mein Sohn will alle. Logisch. Er kann sich aber nicht alle kaufen,  weil er die klägliche Kohle schon für Fußballsammelkarten rausgerußt hat.  Dass ich ihm kein Geld schenken will, empfindet er als Liebesentzug. Meinen Vorschlag, einen Teil der Fußballsammelkarten bei Klassenkameraden in den Gummibakterienmüll umzutauschen, findet er absurd.

DIE SIND DOCH SAUWERTVOLL, ALTER!

Mir ist das alles ziemlich egal. Sechs Jahre lang permanent wechselnde Sammelleidenschaften härten ab. Ich weiß, es geht vorbei. Ich bin auch keineswegs neidisch auf den chinesischen Plastikmüllhersteller, der vermutlich seit Wochen lauthals lachend und klatschend auf und ab hüpft und sich freut, dass so viele Kinder bereit sind, das sauer verdiente Geld ihrer Eltern für seinen Plastikschrott auszugeben und ihn zu einem reichen Mann manchen. Ich gönne es ihm. Kein Problem! Wirklich!!

Aber eine Sache macht mich richtig sauer. Die Tatsache, dass ich überhaupt nicht weiß, was ich mit den Trashies Kluges anstellen kann, wenn der Sohn wieder was Neues sammelt.

 

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