Mein Sohn, meine innere Stimme, ein Schuhverkäufer und ich

 

Studio shot of Handsome young man's torso

Ort:
Sehr angesagtes Turnschuhgeschäft in einer Großstadt.

Handelnde Personen:
Sohn: 11 Jahre, Schuhgröße 42, durchschnittliche Schuhtragedauer 2,8 Monate.
Schuhverkäuferin:  sehr blond mit sehr viel blauem Kajal.
Schuhverkäufer: sehr jung, aber immerhin älter als Sohn.
Ich: Mutter, so mittelalt.
Innere Stimme.

Sohn (zeigt nach sehr weit oben an eine Wand voller extrem hässlicher Schuhe): „Jetzt, da guck. DAS sind sie. DIE will ich unbedingt haben.“
Ich: „Aha und was kosten die?“
Schuhverkäufer (lässig): „90 Euro.“
Ich: „Kauf ich nicht.“
Sohn: „Aber das sind die Schuhe von denen ich dir DIE GANZE ZEIT erzählt habe.“
Ich: „Aber die sind aus ganz dünnem Stoff, du brauchst FESTE Schuhe. Und 90 Euro….pfffff.“
Schuhverkäufer (grinst): „Soll ich sie dir mal runterholen?“
Ich: „Nein“.
Sohn: „Ja“.
Schuhverkäufer holt Schuhe runter, sieht dabei sehr …hust… sportlich aus.
Innere Stimme: „Hübscher Schuhverkäufer, hm?“
Ich: „… still, hier sind Kinder!“
Sohn: „Die sind sooooo haaaaaammer. Und sooooo mega gemütlich.“
Ich: „Jetzt guck, ganz dünner Stoff nur. Völlig ungeeignet im Herbst. Du brauchst FESTE Schuhe.“
Sohn: „Aber niemand in meiner Klasse hat FESTE Schuhe.“
Schuhverkäuferin: „Sie können die imprägnieren, wir haben da ein ganz tolles Spray.“
Ich (Todesblick auf Verkäuferin.): „Jaja, hab ich schon.“
Sohn: „Unsers ist rot, das Spray hier ist schwarz, man kann die imprägnieren. Das haben ALLE.“
Ich: „90 Euro! Ich würde mir selber nie Schuhe für 90 Euro kaufen.“
Innere Stimme: „Stimmt, aber dafür kaufst du dir zwei paar Schuhe zu je 50 Euro.
Ich: „Das stimmt gar nicht.“
Innere Stimme (singt): „Denk an Mai…..“
Ich: „Ja, aber das ist was anderes ich trage, die ja auch Jah-re-lang.“
Innere Stimme (lacht): „Du trägst sie gar nicht. Denk an die roten Pumps mit den Riemchen….einmal…höchstens…“
Ich: „SEI STILL!“
Schuhverkäuferin: „Wie bitte?“
Ich (hust): „Nichts. Schau mal, da hinten, da sind welche, die sind wenigstens aus Leder.“
Sohn: „Aber die sind voll hässlich!“
Ich: „Ich find die schick.“
Schuhverkäufer (zeigt auf seine Füße): „Ich trag sie auch.“
Ich (begeistert): „Guck, guck, er trägt sie auch.“
Sohn: „Ja, aber er ist ..älter…“
Ich: „Jetzt probier sie doch wenigstens mal.“
Sohn (nimmt angeekelt einen Schuh in die Hand, dreht ihn so): „Die kosten 149.“
Ich: „Okay, sind doch nicht so schön.“
Sohn: „Außerdem will ich DIE!“
Ich (sehr resolut): „Schluss jetzt, wir gehen. Ich kauf die nicht.“
Sohn (schlurft am Boden zerstört mit hängenden Schultern aus dem Laden, schluchzt leise): „Du bist soooo fies.“
Schuhverkäufer (räumt Schuh zurück ins Regal, sieht dabei wieder sehr …äh…. sportlich aus und ruft ein lässiges):  „Ciao.“
Innere Stimme (setzt vor der Tür zum Todesstoß an): „Du weißt schon, dass Du dich hier gerade benimmst, wie deine eigene Mutter, hm?“
Ich: „WAS? WARUM? NIEMALS!“
Innere Stimme (flötet): „Dohoooooch. Außerdem findest Du den Schuhverkäufer total sexy und ER findet jetzt dass DU eine ziemlich uncoole Mutter bist. Geradezu peinlich.“
Ich: „Du spinnst. Der Schuhverkäufer ist mir vollkommen egal und außerdem ist der fast noch ein Kind! Und es geht um die Schuhe!“
Innere Stimme: „Mitte, Ende 20. Mindestens. Hast Du seine Bauchmuskeln gesehen?“
Sohn (weinerlich): „Von mir aus können wir dann jetzt heim.“
Innere Stimme: „Erinnere Dich, als Du mit 12 unbedingt die Chucks wolltest. Im November. Erinnere Dich, wie deine Mutter auf diesen mega hässlichen Winterstiefeln mit den Bommeln bestanden hat…du warst TODUNGLÜCKLICH!“
Ich (drehe auf dem Absatz rum): „Okay. Du hast gewonnen.“
Sohn (hoffnungsvoll): „Echt jetzt?“
Innere Stimme zu Sohn: „Gib mit high Five!“
Schuhverkäufer (grinst unverschämt und zwinkert bei unserer Rückkehr in den Laden): „Na? Hat er dich rumgekriegt?“
Innere Stimme: „Du wirst rot….süß!“
Ich: „Halt jetzt endlich die Klappe.“
Sohn (nach dem Schuhkauf an der Kasse): „Du bist die BESTE MUTTER DER WELT!“
Schuhverkäufer (zu mir): „Machst Du Sport? Du machst doch bestimmt Sport. Wir haben hier gerade ein ganz tolles 30-Prozent-Angebot…“
Ich: „Och…..“

Innere Stimme lacht schallend.

Text: shy
Bild: Fotolia

Ein Kommentar zu “Mein Sohn, meine innere Stimme, ein Schuhverkäufer und ich

  1. Bodhi

    Einfach zu geil, du hast mir den Nachmittag im Büro gerade gerettet.

    Viele Grüße
    Bodhi

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