Meine beste Freundin, ihr Baby und ich

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Es ist ein Nachmittag, wie wir ihn schon seit längerer Zeit nicht mehr zu dritt erlebt haben, denn der vorweihnachtliche Stress macht auch vor uns nicht Halt. Trotzdem finden wir ein paar Stunden, die nur Tina, Paulina und mir gehören. Wir laufen durch die kalte Winterluft und reden, schließlich ist viel passiert in den letzten Wochen und jetzt, wenn das Jahr langsam aber sicher endet, lässt man noch einmal Momente des Jahres Revue passieren, seien sie schön oder auch traurig. Während wir erzählen, lässt auch Paulina ab und an ein kleines Wort fallen – sie will schließlich mitreden. Sie kennt ihre Umgebung schon ganz genau. So zeigt sie, während sie im Kinderwagen sitzt, in bestimmte Richtungen. „Da“, sagt sie und zeigt nach rechts. „Ja, genau, da ist der Spielplatz, aber wir gehen jetzt nach Hause“, sagt Tina. Ein paar Schritte weiter und wir sind da. „Jetzt aber schnell rein mit dir“, sagt Tina zu ihrer Tochter, nachdem wir von unserem Spaziergang nach Hause kommen und alle drei rote Backen von der kalten Luft haben.

Heute auf den Tag genau wird Paulina 19 Monate alt – und ein Baby ist sie schon lange nicht mehr. So zieht sie blitzschnell ihre kleinen Stiefel aus und rennt in Richtung Wohnzimmer. Äffchen, Bauklötze und Malstifte erwarten uns. Kaum angekommen, drückt sie mir einen Buntstift in die Hand. Ok, dann malen wir eine Runde. Dann trägt sie den nächsten herbei, schließlich soll das Bild ja schön bunt werden. „Teddy“, sagt Paulina laut und deutlich. „Das ist ihr neues Wort, das sie sagen kann. Süß, gell?“, sagt Tina und streckt ihren Kopf um die Ecke. Paulinas neuestes Lieblingsspielzeug ist im Grunde genommen ein altes, Tinas altes Kuscheltier um genau zu sein: ein Plüschäffchen, mit dem schon Tina gespielt hat, als sie so alt wie Paulina war. Diesem Äffchen möchte Paulina jetzt unbedingt ihre Schuhe anziehen. „Oh oh“, sagt sie, als das nicht klappt und schaut zu Boden.

Ich: „Sie kann ja schon richtig schön spielen.“

Tina: „Ja und wie. Ich bin manchmal völlig kaputt, aber Paulina ist noch lange nicht müde.“

Paulina reiht ein Spielzeug nach dem anderen auf dem Couchtisch auf, zeigt mir ihre Schätze und scheint mir auch irgendetwas darüber zu erklären. „Da“, ein Schneidebrettchen mit Holzmesser, „da“, Bauklötzchen, „da“, der Affe natürlich. „Wow, so viele tolle Spielsachen“, sage ich. Da braucht der Weihnachtsmann ja gar nichts Neues mehr bringen …

Ich: „Weihnachten steht vor der Tür. Wie sieht es denn bei euch dieses Jahr aus?“

Tina: „Dieses Jahr haben wir die ganze Familie zum ersten Mal zu uns eingeladen und darüber freue ich mich sehr, denn ich glaube, dass Paulina die Situation ganz anders wahrnimmt, wenn wir alle zusammen sind. Letztes Jahr lag sie noch unterm Weihnachtsbaum und konnte gerade krabbeln. Dieses Jahr wird sie wahrscheinlich uns durch Weihnachten führen … Außerdem beziehen wir sie dieses Jahr damit ein, den Weihnachtsbaum zu schmücken. Ein schönes Ritual, das ich selbst seit Kindertagen mag. Darauf freue ich mich.“

Ob sich dann auch jemand als Weihnachtsmann verkleiden wird und Geschenke verteilt? Wohl eher nicht. Tina erzählt mir von dem ersten Aufeinandertreffen von Paulina und einem „Nikolaus“. „Ehrlich gesagt, war es ziemlich schlimm. Paulina hat auf meinem Arm nur gestrampelt und hatte Angst vor dem Mann mit roter Mütze und langem Bart“, sagt Tina, während Paulina ihr Äffchen aus das Schaukelpferd setzt. „Oh oh“. Es fällt herunter.

Auch wenn sie und der Nikolaus wahrscheinlich nicht die besten Freunde werden, freut sich Paulina über kleine Geschenke – und klitzekleine davon erhält sie jeden Abend aus ihrem Adventskalender, der aus 24 kleinen Säckchen besteht, die nebeneinander aufgereiht an einer Schnur hängen. „Es ist zu einem kleinen Ritual geworden. Am Abend gehen Paulina, Markus und ich zum Adventskalender und dann weiß sie schon, was zu tun ist“, erklärt Tina. Paulina holt sich dann ihren Tritt aus dem Badezimmer, stellt ihn vor die Schnur und greift voller Vorfreude in ein Säckchen. Heute darf Paulina das 15. Kleine Päckchen öffnen. Neben kleinen Naschereien findet sie auch kleine Büchlein, die sie stundenlang anschaut.

Schon beim letzten Mal hat mir Tina von Paulinas neuem Hobby erzählt, dem Tanzen. Leider habe ich es noch nie live gesehen – bis jetzt. „Zeigt mir es einmal, bitte“, sage ich zu Tina, die erst kurz die Augen kurz verdreht und dann die Musik einschaltet. Was dann folgt, ist so herzallerliebst, dass man es kaum beschreiben kann. Mama und Tochter drehen sich im Kreis, strecken die Arme in die Luft und schütteln im Takt die Beine aus. Kaum zu glauben, da kann Paulina noch nicht mal richtig sprechen, sich dafür aber ganze Choreografien merken. Faszinierend. Als die Musik aufhört, ist für Paulina aber noch lange nicht Schluss. Und auf einmal – ich weiß nicht wie – bekommt sie ihre Mama soweit, dass sie auf allen Vieren durch das Wohnzimmer kriecht – und Paulina sitzt auf ihr. Mir drückt sie ihren Affen in die Hand und so kann ich inmitten von Buntstiften das kleine Spektakel beobachten.

Nach diesem kleinen Ausritt wird es etwas ruhiger im Wohnzimmer. Das Spielen ist aber auch anstrengend, also schnell ein bisschen in den Büchern blättern, die der Nikolas gebracht hat.

Während Tina die Zeit nutzt, um ein paar Bauklötzchen einzusammeln, schaue ich für einen Moment aus dem Fenster. Auf der Terrasse sind der Sandkasten und das Planschbecken, in denen wir in diesem heißen Sommer etliche Stunden verbracht haben, mit einer Plane abgedeckt. Ich lasse das Jahr für einen Moment Revue passieren und die vielen Momente, von denen mir Tina als glückliche und stolze Mama erzählt hat – oder bei denen ich sogar dabei war. „Bis wir wieder im Sandkasten sitzen werden, wird wohl noch ein bisschen Zeit vergehen“, sage ich,  drehe mich zu Tina und Paulina um und setze mich zurück zu ihnen auf den Teppich.  Paulina dreht derweil eine kleine Runde mit ihrem Wutsch durch das Wohnzimmer.

Ich: „Was sagt Du zum Jahr 2015?“

Tina: „Das Jahr war sehr schön für uns, vor allem, weil wir jetzt ein Jahr in unserem neuen Zuhause wohnen. Wir und vor allem auch Paulina haben uns hier gut eingelebt. Sie hat direkt Anschluss gefunden und das freut mich natürlich sehr für sie. So kann ich sagen, dass das hier wirklich unser Zuhause geworden ist.“

Ich: „Und was wünscht Du dir fürs kommende Jahr? Das ist schließlich bald da und Wünsche sind erlaubt.“

Tina: „Dass alles so bleibt, wie es ist.“

„Ein bescheidener, aber sehr schöner Wunsch“, sage ich. „Nun ja, das ist ja auch keine einfache Frage“, sagt Tina. Nach Weihnachten gönnt sich die kleine Familie eine kleine Auszeit im Schnee. „Ich freue mich jetzt schon aufs Schlittenfahren und schicke dir dann ein Foto von Paulina als kleinen Schneehasen“, sagt Tina. Paulina füttert ihr Äffchen mit einer Karotte aus Holz. „Oh oh“, schnell  aufheben und noch einmal versuchen.

Am Weihnachtsabend warten auf Paulina viele kleine Geschenke unter dem Weihnachtsbaum. Und was ist mit uns Großen? Zugegeben, die Zeit, dass neues Spielzeug das Größte für uns war, ist schon lange vorbei und auch Tina gibt gerne ihr Äffchen an ihre Tochter weiter. Ich persönlich sehe es als eines der größten Geschenke an, dass ich die kleine Familie begleiten und dabei sein darf, wenn Paulina in kleinen Schritten immer größer wird. Was das nächste Jahr wohl so bringt? Lassen wir uns überraschen. Aber eines ist sicher, langweilig wird es nicht. Ich freue mich auf viele weitere schöne Momente, in denen die Kleinen uns Großen daran erinnern, dass man nicht alles so ernst nehmen sollte … da darf man dann auch ruhig mal auf allen Vieren durch das Wohnzimmer reiten.

Plumps, das Äffchen fällt auf den Boden. „Oh oh“. Zum Abschied gibt’s einen Drücker und ein Küsschen von Mama und Tochter. „Bis zum nächsten Jahr.“

Von Ann-Kathrin Weber 

Zur Autorin:

Redakteurin Ann-Kathrin Weber hat zwar selbst noch keine Kinder, schreibt aber besonders gern über Kinderthemen. Für StadtLandKind hat sie ihre Freundin Tina durch die Schwangerschaft begleitet und besucht ab sofort Baby Paulina und ihre Eltern einmal im Monat für uns.

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