Meine beste Freundin, ihr Baby und ich

Und auf einmal ging alles ganz schnell – kurz nach Erscheinen der letzten Folge dieser Serie wurde Paulina – „eeeendlich“, wie selbst sagt – eine große Schwester. Das lange Warten hatte ein Ende und zwar ziemlich genau am 19. Juni um 1.12 Uhr.

Früher als gedacht ging es los, dabei wäre es eigentlich noch genug Zeit gewesen. Aber trotzdem waren Paulina und ihre Eltern schon auf Luisa vorbereitet. Alles war fertig, das Kinderzimmer eingeräumt, die Wandfarbe getrocknet und die Tasche gepackt. „Beim zweiten  Kind ist man einfach routinierter. Das habe ich schon alleine daran gesehen, was ich in die Krankenhaustasche gepackt hatte. Alles Notwendige war drin und nicht wie beim ersten Kind gefühlte 28 T-Shirts und 35 Hosen“, sagt Tina und lächelt sie erst mich und dann ihre Tochter Luisa an, die auf Mamas Arm selig schlummert.

Da liegt es also. Das Kind worüber man die vergangenen Monate so viel gesprochen hat.  55 Zentimeter geballte Liebe. Und es ist – genau wie bei Paulina damals – kaum zu glauben, was da passiert ist, was da die letzten Monate in Tinas Bauch so los war. Und plötzlich – „für dich war es ,plötzlich‘, für mich war dann irgendwann die Zeit reif“, wirft Tina ein –  ist da ein kleiner Mensch. Und auf einmal wird aus der kleinen Paulina eine große Schwester, was sie jedem stolz erzählt.  „Es weiß momentan jeder Mensch auf dieser Welt“, sagt Tina.

Ich: „Wie war das erste Treffen zwischen Paulina und Luisa?“

Tina: „Uns war schon in der Schwangerschaft klar, dass Paulina die erste in unserer Familie sein soll, die das Baby sieht, noch vor unseren Eltern. Das wusste sie auch und wir hatten es ihr versprochen. Diesen Moment wollten wir zu viert genießen.“

Versprochen ist versprochen. So packte Markus seine Tochter gleich morgens ins Auto und zusammen fuhren sie zu Mama und Luisa.

Tina: „Pauli war erst zögerlich und traute sich nicht, in das Zimmer reinzukommen. Luisa lag im Beistellbett mit einem kleinen Geschenk von ihr für ihre große Schwester. Das Geschenk hat Paulina aber gar nicht gesehen, dafür hatte sie keine Augen. Sie kam zu mir ins Bett gekrabbelt und ich habe ihr erklärt, dass Luisa aus dem Bauch gekommen und nun da ist – und dass sie sich freut, sie kennenzulernen.“

Das anfängliche Zögern hielt nicht lange an. So nimmt Paulina wenig später ihre kleine Schwester sofort in den Arm – und möchte sie seitdem am liebsten auch gar nicht mehr loslassen.

Tina: „Es ist wirklich unglaublich rührend zu sehen, wie sehr sich Paulina um ihre kleine Schwester kümmern möchte. Morgens und abends darf man die zwei kaum stören, denn das ist ihre Kuschelzeit. Es kostet dann schon ein bisschen Überredungskunst, die beiden in ihre getrennten Betten zu legen. Und auch wenn Luisa schreit, sagt sie: ,Es wird alles gut.‘ Sie ist wahnsinnig stolz und überhäuft sie mit Küsschen. Aber eine Regel gilt: Nach dem Kindergarten Hände waschen.“

Tina und Markus achten sehr darauf, Paulina das Gefühl zu geben, dass Baby Nr. 2 momentan nicht die absolute Nr. 1 ist. So teilen sie ihre Liebe zwischen ihren Mädchen – das ist immer noch komisch, dass es auf einmal zwei sind – auf. Sie versuchen, Paulina miteinzubeziehen. So darf Paulina ihrer Mama beim Wickeln oder auch beim Kinderwagen richten helfen. Apropos Kinderwagen: Den möchte Paulina seitdem Luisa drin liegt, gar nicht mehr aus den Händen geben. Und wenn doch einmal Mama wieder das Ruder übernehmen darf, dann steht sie wie ein kleiner Kapitän in der ersten Reihe mit bester Sicht auf ihre Schwester auf ihrem Buggyboard. „Darauf ist sie wahnsinnig stolz“, sagt Tina.

Ich: „Wie war es denn, als du mit Luisa wieder nach Hause gekommen bist?“

Tina: „Es war ein wahnsinnig schöner Moment, weil wir Paulina überrascht hatten. So saß ich mit dem Baby schon im Wohnzimmer als Markus Paulina aus dem Kindergarten abgeholt hatte. Pauli freute sich total und wollte Luisa gleich das Haus zeigen. ,Komm, ich zeig dir mein Zimmer‘, sagte sie.“ Mama und Luisa folgten ihr.

Ich: „Hast du über das Thema Eifersucht schon nachgedacht?“

Tina: „Ja, na klar. Schon vor meiner Schwangerschaft war Paulina eifersüchtig. Hatte ich zum Beispiel Kinder von Freunden auf dem Schoß, dann kam sie sofort zu mir und sagte: ,Meine Mama!‘ Mir ist bewusst, dass Eifersuchtssituationen kommen werden, weil das auch normal ist. Aber der Anfang ist gemacht und es war sehr harmonisch. Darüber freue ich mich riesig. Auch dass Markus die ersten Tage nach der Geburt zu Hause war, war für uns als Familie unglaublich wichtig. Es war für uns alle ein toller Start zu viert. Die Nächte waren gut, Luisa war gut drauf und Pauli sehr entspannt – unterm Strich: Sind die Kids glücklich, sind es die Eltern auch“, sagt Tina.

Und dann regt sich die kleine Luisa zum ersten Mal seitdem ich da bin, streckt sich kurz, macht die Augen auf und entschließt sich dann doch weiterzuschlafen. Wie recht sie hat!

„Halt mal“, sagt Tina und legt mir Luisa in den Arm. „Wenn Du schon da bist, kann ich kurz etwas erledigen. „Klar, kein Problem“, sage ich ganz lässig – innerlich schäume ich vor Freude über und schaue Luisa einfach nur an, möglichst ohne zu blinzeln, sonst könnte ich ja eine Millisekunde verpassen.

In diesen paar Minuten wirbelt Tina um mich herum. Ich sehe sie an mir vorbeiflitzen, ein Küchentuch wedelnd, die Treppe hoch und runterlaufen. Bewaffnet mit Paulinas Miniaturregenschirm rennt sie mit Möhren und Gurken unter dem Arm an den Wohnzimmerfenstern vorbei in Richtung Browny und Cookie zum Meerschweinchenstall. Dann wieder zurück, schnell noch den Anruf erledigen und die Haare föhnen („das habe ich seit drei Wochen nicht mehr gemacht“) – eigentlich hätte sie für diese rund zehn Minuten mindestens acht Arme und einen Klon haben müssen. Währenddessen befinde ich mich in einer Art zeitloser Luftblase, aus der mich nur Tinas Worte und ihre zu Luisa gestreckten Hände holen. „Ich löse dich wieder ab“, sagt sie. „O.k.“, sage ich und meine eigentlich „Och, nö.“

Es dauert nicht mehr lange, da holen Tina und das Baby Paulina an diesem Tag vom Kindergarten ab. „Ich bin gespannt, was sie dann erzählt“, sagt Tina. „ Sie ist nicht nur körperlich die Große, auch geistig hat sie einen wahnsinnigen Schub gemacht. Ich bin jedes Mal wieder aufs Neue verblüfft.“ So drückt Paulina ganz klar ihre Wünsche aus. „Mama, ich mag tanzen, ich bin eine Ballerina“, sagte sie letztens und tanzte auf Zehenspitzen durch das Wohnzimmer.  „Keine Ahnung, woher sie das hat. Wahrscheinlich aus dem Kindergarten“, versucht Tina zu erklären. „Mama, es wird jetzt Zeit: Ich möchte ein Fahrrad haben. Und ein Hochbett“ – so lauteten die nächsten Wünsche. „Am Tanzen und am Fahrrad bin ich dran, mit dem Hochbett müssen wir noch warten bis sie größer ist“, sagt Tina. Bis es soweit ist, übt sie sich im Babysitten, Kinderwagen lenken und im Kuscheln. Der Wind steht günstig, die Sicht ist klar und Paulina hält den Kurs. Also dann: Volle Fahrt voraus!

Von Ann-Kathrin Weber

 

Zur Autorin:

Redakteurin Ann-Kathrin Weber hat zwar selbst noch keine Kinder, schreibt aber besonders gern über Kinderthemen. Für StadtLandKind hat sie ihre Freundin Tina durch die Schwangerschaft begleitet und besucht Paulina und ihre Eltern einmal im Monat für uns.

Eine Antwort hinterlassen:

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.