Meine beste Freundin, ihr Baby und ich

PaulinaPaulina ist inzwischen sechs Monate alt und wächst und wächst und mit ihr auch ihr Radius, in dem sie sich bewegt. So gleicht das Wohnzimmer einer Spielelandschaft. Dort, wo früher ein Couchtisch stand, liegen jetzt bunte Decken, stehen Spielzeugkisten und wurde für Paulina jede Menge Platz zum Herumtoben geschaffen. Den braucht sie auch, denn inzwischen kann sie sich selbstständig in alle Richtungen drehen, weshalb sich die Spielwiese seit meinem letzten Besuch um einiges vergrößert hat –  ein großes Mädchen braucht eben viel Platz.

Tina: „Sie nimmt schon fast das ganze Wohnzimmer in Beschlag. Es ist unglaublich interessant, ihr dabei zuzusehen, wie sie fast jeden Tag etwas Neues lernt.“

So ist Paulina schon fleißig am Robben, stützt sich ab und wackelt mit ihrem Pampers-Po hin und her, um an ihr Spielzeug zu kommen. Merkt sie, dass man sie dabei beobachtet, dann quietscht sie vergnügt, wie ich selbst bezeugen kann.  „Wenn sie merkt, dass sie nicht vorankommt, dann regt sie sich kurz auf und schüttelt mit dem Kopf. Aber sie hat schon festgestellt, dass wenn sie selbst schon nicht an das Spielzeug kommt, sie an der Decke ziehen muss, damit das Spielzeug wenigstens zu ihr kommt“, sagt Tina, während wir die kleine Paulina bei ihrer Mission „Wie-komme-ich-nur-an-meine-Puppe“ beobachten.

So viel Herumtoben und Neues lernen macht müde – könnte man meinen. Aber nicht bei der kleinen Entdeckerin Paulina, die am liebsten gar nicht schlafen würde. „Da könnt ihr euch ja auf was gefasst machen, wenn sie jetzt schon die Nacht zum Tag macht. Wie wird das wohl, wenn sie mal 18 Jahre alt ist “, sage ich zu Tina, die irgendwie nicht darüber lachen kann und mich mit ihren müden Augen anschaut.

Ich: „Paulina hält euch ja ganz schön auf Trab. Wie sehen eure Nächte inzwischen aus?“

Tina: „Die Nächte werden besser, aber Durchschlafen ist noch weit entfernt. Wir haben jetzt feste Schlafenszeiten eingeführt. Nachdem sie immer noch so schlecht schläft, habe ich eine Buchempfehlung bekommen, wie man Kinder zum Schlafen bringt (Titel: „Jedes Kind kann schlafen lernen“). Seit einigen Tagen halte ich mich an die Tipps und so haben wir einen geregelteren Tagesablauf bekommen. Ein Tipp ist zum Beispiel vor dem Abendschlaf vier Stunden Zeit vergehen lassen.“

Ich: „Und klappt es gut?“

Tina: „Die Mittagsschläfchen klappen super, nur in der Nacht noch nicht. Aber wir arbeiten daran, dass sie die Regelmäßigkeit reinbekommt. Die festen Zeiten schränken mich zwar ein, aber ich merke, dass Paulina viel ausgeglichener ist. Viele Kinder brauchen solch feste Zeiten und ich glaube auch, dass sie sie gebraucht hat.“

Während Tina mir das erzählt, schaut Paulina uns gebannt zu. Man merkt, dass sie sehr daran interessiert ist, was um sie herum passiert und am liebsten würde sie sich am Gespräch beteiligen. Sie erzählt viel, lacht vergnügt, lacht so sehr, dass sie sich die Augen zuhält und bewegt ihren Mund, als wolle sie unbedingt etwas sagen, aber es leider noch nicht kann. „Du solltest sie mal morgens um halb Sieben erleben. Da babbelt sie uns fast das Ohr ab“, sagt Tina über ihre kleine Tochter, die inzwischen unsere Teller mit Risotto entdeckt hat, sie unglaublich interessant findet, sich aber dann doch wieder auf die Decke plumpsen lässt und an ihrem Zwieback lutscht, der inzwischen mehr Brei als ein harter Keks geworden ist.

Von Paulinas Wachstum werde ich auch beim Wickeln Zeuge. So strampelt sie wie verrückt und nur zu gut kann ich mir vorstellen, wie sich ihre Tritte in Tinas Bauch angefühlt haben müssen. Während ihrer Schwangerschaft  erzählte mir Tina oft von den Tritten, die die kleine Paulina losließ und ich habe auch damals schon selbst ihre Kraft gespürt. Jetzt kann man ihre Tritte nicht nur spüren, sondern auch sehen.

Ein großes Mädchen möchte auch was von der Welt sehen, so hat Tina schon den Folgeaufsatz auf den Kinderwagen montiert, in dem man Sitzen kann. So kann Paulina genau beobachten, was um sie herum passiert. Wie zum Beispiel auch bei ihrem ersten großen, abendlichen Ausflug mit Mama auf dem Laternenzug. „Sie liebt es auch, wenn unser Kamin an ist. Deshalb glaube ich, dass es ihr gefällt, wenn sie bunte Lichter sieht. Das ist eine traumhafte Situation für sie und auch für mich, weil sie nämlich einschlafen wird“, sagt Tina und zwinkert mir dabei zu. Paulins Laterne ist übrigens eine Elfe in den Farben Pink und Rosa – klar. Auf dem Laternenzug war Paulina gemeinsam mit einem ersten kleinen Freund, der ein paar Monate älter ist als sie. „Man merkt immer mehr, dass sie sich mit anderen Kindern beschäftigt, dann gucken sie sich gegenseitig zu und gucken sich auch viel voneinander ab. Das ist schön zu sehen“, erzählt mir Tina stolz, während sie Paulina für das Spektakel die Jacke anzieht, was ihr gar nicht zu gefallen scheint, und sie das Gesicht verzieht. So werden vielleicht schon jetzt manche Freundschaften fürs Leben zwischen Krabbeldecke und Babybrei geschlossen, denke ich mir. Ich wünsche es ihr.

Von Ann-Kathrin Weber

Zur Autorin: Volontärin Ann-Kathrin Weber hat zwar selbst noch keine Kinder, schreibt aber besonders gern über Kinderthemen. Für StadtLandKind hat sie ihre Freundin Tina durch die Schwangerschaft begleitet und besucht ab sofort Baby Paulina und ihre Eltern einmal im Monat für uns.

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