Meine beste Freundin, ihre Tochter und ich

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Der Sommer, die Kerwe und das Meer

Es ist ein Foto, das es mit Sicherheit in unsere Alben schaffen wird: Als vor wenigen Tagen eine gemeinsame Freundin von Tina und mir, die wir schon seit Kindertagen kennen, geheiratet hatte, halten wir diesen Moment fest, diesen besonderen Sommertag im August. Wir streichen unsere Kleider glatt, nehmen die Braut in unsere Mitte und stellen uns in Position. Aber wir sind nicht nur zu dritt auf dem Foto, sondern zu viert. Paulina schmuggelt sich mit drauf. Sie gehört ja irgendwie dazu. Recht hat sie. Also schnell rauf auf Mamas Arm und in die Kamera lachen.

Es ist ein heißer Tag, die Sonne scheint, keine Wolke ist am Himmel. Ein Bilderbuch-Sommer eben. Auch für Paulina, die mit großen Augen und ganz gespannt beobachtet, was an diesem Tag alles passiert. Es liegt ein toller Sommer hinter der kleinen Familie mit buchstäblich viel Rummel.

Denn einfach mal gemütlich über die Kerwe laufen und Paulina im Kinderwagen schieben, ist bei der kleinen Familie seit diesem Sommer nicht mehr möglich. Tina und Markus verbrachten die Wochenenden auf so mancher Kerwe und in so manchem Karussell oder Riesenrad – „wir haben alles gemacht, was Kindern nun mal eben so Spaß macht“, sagt Tina.

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Paulina scheint in Sachen Feiern nach ihrer Mama zu kommen. So kann sie ihr den Wunsch nach Karussell und Co. einfach nicht abschlagen. Paulina ist eben die kleine „Prinzessin“ ihrer Eltern. Das steht auch gut leserlich aus Zuckerschrift auf ihrem Lebkuchenherz, das mittlerweile an einem Haken in ihrem Zimmer hängt. Aber das ist nicht die einzige süße Erinnerung an die Kerwen der Region: Paulina hat so manches Bonbon auf den Kerweumzügen gesammelt, die Mama in der Küchenschublade aufbewahrt.

Wir nehmen uns einen Moment zum Quatschen, stellen uns unter einen Baum in den Schatten und freuen uns über das glückliche Brautpaar, das wir beobachten und das die Glückwünsche entgegennimmt. Paulina läuft zwischen den Hochzeitsgästen hin und her. Wenn man genau hinhört, kann man sie erzählen hören.

Tina: „Paulina hat in den vergangenen zwei Monaten einen Riesenschub gemacht, was das Sprechen angeht. Sie plappert und plappert – und hört nicht mehr auf. Das, was andere in ihrem Alter vor einem halben Jahr schon gemacht haben, macht sie jetzt … Sie quatscht wie verrückt und plappert alles nach.“

Das stimmt. Paulina legt sich richtig ins Zeug und zeigt mir ihre kleinen Schätze, als ich mich zu ihr herunterbeuge. „Ia“, der Esel. Sie streckt ihn mir ins Gesicht. Und natürlich „Teddy“, der in „Mama Tasche“ sitzt, auf die sie zeigt. Na, dann lassen wir ihn da sitzen.

Ziemlich nass war der Sommer für Tina und Paulina und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn wer kann schon behaupten, ein Planschbecken zu haben, in das eine eigene kleine Rutsche führt? So wurde also pausenlos gerutscht und in der eigenen Mini-Küche einiges Leckeres – ebenfalls mit Wasser – gezaubert.

Tina: „Seitdem ist sie auch die meiste Zeit sogar schon windelfrei. Sie wollte sie irgendwann selbst nicht mehr. Ich finde, es zwar noch ein bisschen früh, aber wir probieren es einfach mal aus. Und im Moment klappt es ganz gut.“

Ich: „Nur zu Hause beim Planschen und Spielen oder auch schon unterwegs?“

Tina: „Unterwegs fangen wir auch langsam damit an, sie wegzulassen. Außer nachts – das möchte ich ihr noch nicht zumuten und mir auch nicht unbedingt.“

Sie zwinkert dabei. Von ihrer Müdigkeit, die in den vergangen zwei Jahren irgendwie immer dabei war, ist im Moment nichts zu spüren. Sie wirkt entspannt an diesem Samstagmorgen vor dem Standesamt.

Den Sommer verbrachte Paulina aber nicht nur im heimischen Garten, Planschbecken und so manchem Kerwe-Karussell. Die kleine Dame zog es wieder ans Meer in Deutschlands Norden. An ihre Reise dorthin im vergangenen Jahr kann sie sich nicht mehr erinnern. Damals war sie noch viel zu klein. Doch dieses Mal ist das anders. Sieht sie jetzt Fotos vom Meer, dann erzählt sie davon. Sie scheint dort richtig Spaß gehabt zu haben. Das bezeugen so etliche Urlaubsfotos, die mir Tina von ihrer kleinen Badenixe geschickt hatte, sodass man zeitweise wirklich neidisch werden konnte. Da, wo Wasser ist, fühlt sie sich pudelwohl.

Paulina: „Da“.

Die Badenixe höchstpersönlich holt mich aus meinem Tagtraum und streckt mir ein Glas Orangensaft entgegen, von dem die Hälfte erst auf mein, dann auf ihr Kleid tropft. Macht aber nichts.

Ich: „Wie waren denn eure Tage am Meer?“

Tina: „Paulina hat es geliebt, zwischen Meer und Strand hin und her zu springen. Es war so schön für uns alle, dass wir in diesem Jahr sogar noch einmal ans Meer fahren. Ich habe auch das Gefühl, dass sie über den Sommer viel entspannter geworden ist. Sie ist gut drauf, was vielleicht auch daran liegt, dass wir als Familie viel Zeit zusammen verbracht haben.“

Paulina tänzelt derweil zwischen den Beinen der Hochzeitsgäste herum und knuddelt ihre kleine Freundin Rosalie, die ein paar Monate jünger ist als sie.

Bei all der Entspannung und guten Laune, die ein Sommer so mit sich bringt: Schlafengehen findet Paulina immer noch blöd.

Tina: „Ich bin nicht böse drum, dass es bald wieder früher dunkel und damit für Paulina schneller Nacht wird, also Schlafenszeit. Langsam zieht nämlich unser Spruch ,Alle gehen jetzt in die Heia, auch die kleine Paulina‘ nicht mehr. Sie durchschaut uns allmählich.“

Doch an diesem Tag sehe ich Paulina nicht nur einmal gähnen, sich die Augen reiben und ihren Esel hinter sich herziehen. Ganz schön anstrengend, so eine Hochzeit. Die vielen Menschen und das ganze Erzählen. Ich gespannt, welche Geschichten sie mir beim nächsten Mal erzählt.

Von Ann-Kathrin Weber 

Zur Autorin:

Redakteurin Ann-Kathrin Weber hat zwar selbst noch keine Kinder, schreibt aber besonders gern über Kinderthemen. Für StadtLandKind hat sie ihre Freundin Tina durch die Schwangerschaft begleitet und besucht Paulina und ihre Eltern einmal im Monat für uns.

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