Meine beste Freundin, ihre Tochter und ich

Es knackt kurz, dann höre ich Tina mit Paulina erzählen. Sie sind im Auto. Über die Freisprechanlage kann ich beide hören. Und Paulina scheint ganz aufgeregt zu sein. Sie plappert und plappert und plappert …

Paulina: „Hallo, hallo Aaaanki.“

Ich: „Hi, ihr zwei.“

Tina: „Sag’ mal der Anki, wo wir hinfahren.“
Paulina: „Zum Baaaaaby-Arzt.“ Sie schreit es förmlich. Dann kichert sie laut.

Paulina hat also einen aufregenden Tag vor sich: Sie darf bei Mamas Ultraschall-Untersuchung dabei sein. Ist ja klar, schließlich wird sie bald eine große Schwester. Also sollte man sich das Geschwisterchen schon mal jetzt ganz genau anschauen.

Tina: „Ich melde mich danach bei dir, ok?“

Paulina: „Tschüss, Anki, Anki, Aaaanki. Tschüüüühüss.“

Es dauert ein kleines bisschen bis wir uns verabschiedet haben. Paulina plappert nämlich fröhlich weiter. „Das ist übrigens eine neue Lieblingsbeschäftigung von ihr. Sie möchte unbedingt telefonieren. Wenn es klingelt, dann nimmt sie ab. Und wenn ich telefoniere, dann möchte sie unbedingt Hallo und Tschüss sagen – und das macht sie dann meistens auch. Also, bis später“, verabschiedet sich Tina. „Die Anki muss jetzt weiterarbeiten“, höre ich Tina sagen. „Na gut“, lautet die Antwort der Dame auf dem Rücksitz.

Später am Tag bekomme ich alle Einzelheiten erzählt. Und ich warte schon ungeduldig darauf.

Ich: „Erzähl’, wie war’s? Wie hat Paulina reagiert?“

Tina: „Sie hat ganz gespannt auf den Bildschirm geschaut. Wir haben ihr das Baby dann auf dem Ultraschall-Bild gezeigt und haben ihr gesagt, dass das ihr Geschwisterchen ist. Kopf, Füße, Hände – wir haben ihr alles gezeigt und sie hat sich riesig gefreut.“

Das war also schon mal eine riesige Neuigkeit für Paulina. Eine andere wichtige gab es noch oben drauf: Paulina wird die große Schwester eines kleinen Mädchens. „Endlich haben wir es schwarz auf weiß gesehen“, sagt Tina.

Innerhalb weniger Sekunden schießen mir die wildesten Gedanken in den Kopf. Mädchenhafte Kinderzimmer, Puppen, Glitzer, Krönchen, Tüll und Ballettröckchen überall. Später dann Schminktische, Pyjama-Partys, Gespräche über Jungs, erste Liebeskummer und das alles in Rosa – und mittendrin Markus. Der Hahn im Korb unter drei Frauen. Wie herrlich.

Was sagt Markus dazu, dass er bald drei Frauen um sich herum hat? „Ich freue mich auf meine zweite Prinzessin“, sagt der stolze Papa. Zwei Prinzessinnen also … da kommt ja einiges auf ihn zu. Da lag ich mit Tüll und Krönchen also gar nicht mal so falsch. Wusste ich’s doch.

Paulina freundet sich schon mit ihrer baldigen Rolle an. Sie spielt und übt fleißig mit ihrer Puppe „Nonno“. „Letztens habe ich meinen Augen nicht getraut. Ich kam in die Küche und Paulina hat ihre Puppe ,gestillt’, sie gefüttert und sie in den Schlaf gewackelt. Danach durfte ich eine gefühlte Stunde lang nur noch flüstern.“ „Pssst, Mama. Nonno schläft“, sagte Paulina dann. Okay, okay. „Und wenn sie nicht ihre Puppe füttert, dann eben ihren Teddy“, sagt Tina und schickt mir Fotos, bei deren Anschauen mein Herz fröhlich auf und ab hüpft – so süß sind sie.

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Tina geht es soweit gut, bis auf ein paar kleine Wehwehchen, die sie bei ihrer ersten Schwangerschaft nicht hatte. Trotz allem wirkt sie viel entspannter als noch vor drei Jahren. Was wahrscheinlich daran liegt, dass sie weiß, was auf sie zukommt. Alles ist nicht mehr neu, passiert nicht mehr zum ersten Mal. Sie weiß halt schon, wie es geht. „Trotzdem ist es wunderschön, wieder schwanger zu sein. Ich genieße jeden Augenblick. Und jede Schwangerschaft für sich ist anders“, sagt Tina. Ein großer Unterschied zur ersten Schwangerschaft: Dieses Mal warten sie nicht zu zweit, sondern zu dritt sehnsüchtig auf das neue Familienmitglied.  Das kann dann auch schon mal stressig werden, wenn Paulina die 100-prozentige Aufmerksamkeit ihrer Eltern und eben ihrer schwangeren Mama fordert. Stimmungsschwankungen sind auch ein Thema – aber nicht bei Tina, sondern bei Paulina.

Tina: „Momentan wechselt die Stimmung bei ihr sehr schnell. Von jetzt auf gleich. Das geht von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt. Und das bei den kleinsten Situationen, wie zum Beispiel, dass ich ihr beim Anziehen helfen möchte. Das wird dann nicht akzeptiert.“

Ich: „Sie möchte also immer noch alles allein machen?“

Tina: „Ja, auf jeden Fall. Wehe, man möchte ihr helfen. Oder man ist zu schnell im Anziehen, Aufräumen, Spielen, Gute-Nacht-sagen … such‘ dir etwas davon aus, es trifft auf jeden Fall zu.“

Hm, solche Stimmungsschwankungen kenne ich nur zu gut, und nicht zuletzt von mir selbst. Ein oft genannter Auslöser dieser Hochs- und Tiefs: das miese Wetter. Es scheint, dass auch die kleine Paulina damit zu kämpfen hat. Hallo kleine Leidensgenossin – willkommen im Club.

Tina: „Letztens stand sie am Fenster, schaute raus in den Regen und meinte zu mir: ,Mama, ich will ans Meer.‘  Das kam einfach so aus dem nichts. Also auch Kindern geht das triste Wetter auf die Nerven.“

Und wie. Irgendwann macht es eben auch keinen Spaß mehr mit Gummistiefeln in Pfützen zu springen. Wo bleiben das Planschbecken und der Sandkasten? Das scheint sie zu denken, wenn sie sehnsüchtig auf die Terrasse schaut.  Keine Panik, kleine Paulina. Es dauert nicht mehr lange. Aber bis es wieder Planschbecken-Wetter ist, wird noch viel Spannendes passieren. Außerdem machen die Eisdielen bald wieder auf. Ich weiß schon, wer als erstes in der Schlange stehen wird.

Von Ann-Kathrin Weber

Zur Autorin
Seit drei Jahren begleitet die Redateurin und AUtorin Ann-Kathrin Weber ihre Freundin Tina für StadtLandKind – erst durch die Schwangerschaft und dann durch Paulinas Baby- und Kleinkindjahre. Wir sind gespannt, wie es weiter geht.

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