Meine beste Freundin, ihre Tochter und ich

 

„Brownie“ und „Cookie“ – und dazu noch eine heiße Tasse Kaffee, das wäre jetzt schön, denke ich mir, als ich mit Tina an einem verregneten Morgen im Mai telefoniere, aus dem Fenster schaue und vereinzelt Menschen mit Regenschirmen auf der Straße entdecke. „Nein, Brownie und Cookie sind unsere neuen Haustiere – Paulinas Meerschweinchen? Der Osterhase? Du weißt doch noch!“ Na klar, weiß ich es noch, wie eifrig Paulina mir beim letzten Mal Besuch davon erzählt und vorgerechnet hatte, dass sie fünf Meerschweinchen vom Osterhasen bekommt. Letztendlich sind es zwei geworden. Darf ich vorstellen: Brownie und eben Cookie. Tinas Familie hat also kurz bevor das zweite Baby kommt noch tierischen Zuwachs bekommen – und damit immer einen ordentlichen Vorrat an Möhren und Gurken im Haus, denn das essen sie am liebsten. Und am liebsten schaut Paulina ihnen stundenlang dabei zu.

 

Die Meerschweinchen hat also der Osterhase gebracht. Und Paulina geht ganz darin auf und kümmert sich rührend um die tierischen Hausbewohner. „Wenn sie wach wird, sagt sie direkt, dass die ,Meeris Hunger und Durst’ haben. Dann ziehen wir uns an und gehen in den Garten, wo ihr kleiner Stall steht. Sie ist also schon richtig verantwortungsbewusst, so wie ich es mir gewünscht habe“, sagt Tina und fügt stolz hinzu: „Auch beim Ausmisten hilft sie freiwillig mit.“

 

Heute ist Paulinas großer Tag: Sie wird drei Jahre alt. Und ist damit gar nicht mehr so klein. Es ist wirklich verrückt. Seit über drei Jahren begleite ich Tina mit dieser Serie erst durch ihre Schwangerschaft und dann durch die Jahre, in denen sie in die Mutterrolle reingewachsen ist. Ich erinnere mich noch genau an den 15. Mai 2014 und an die Nachricht, dass Paulina jetzt da ist. 49 Zentimeter und 2600 Gramm – und nun ist sie ein kleiner Mensch mit eigenem Kopf, den sie durchsetzen möchte, und zwei eigenen Meerschweinchen.

 

Ich habe noch viele Szenen der vergangenen drei Jahre im Kopf, an denen ich glücklicherweise teilhaben durfte. Und immer wieder muss ich dann Tina anschauen – und kann es nicht glauben. So sehe ich sie manchmal noch immer vor mir, wie sie mich im Sommer mit ihrer Vespa zum Schwimmen abgeholt hat, wie sie mit dem Rucksack gepackt in Richtung Schule läuft oder wie wir abends gemeinsam fürs Examen büffeln. Dann die Botschaft, dass Paulina unterwegs ist. Der Bauch wurde größer und die Vorfreude auch. Das Schöne daran: Sie ist immer noch die gleiche, aber eben auch seit drei Jahren Mama.

 

Ich: „Drei Jahre Mama – wie denkst du über die Zeit?“

 

Tina: „Es ist schon irgendwie verrückt, wenn ich so zurückdenke. Als sie auf die Welt kam und ich noch im Krankenhaus war – gefühlt ist das für mich alles erst ,gestern’ passiert. Andererseits ist es auch schon ewig her, wenn man sich überlegt, wie die Zeit rast und was man schon alles gemeinsam erlebt hat. Und dass sie jetzt einfach schon drei Jahre alt ist. Und dass sie schon alles nachplappert und Sprüche raushaut, mit denen man gar nicht rechnet, weil sie sie irgendwo aufgeschnappt hat und sie nun bewusst einsetzen kann … das alles ist echt unglaublich. Drei Jahre – im Leben würde ich nicht denken, dass es schon drei Jahre sind mit vielen Höhen und Tiefen. Aber letztendlich kann ich es mir ohne sie natürlich nicht mehr vorstellen.“

 

Ich: „Und was sagst du rückblickend auf das vergangene Jahr?“

 

Tina: „Paulina hat ja schon so früh angefangen zu laufen, sie war gerade mal neun Monate alt. Wenn ich mir aber überlege, dass sie mit zwei Jahren kaum gesprochen hat und wirklich ein ,Late-Talker’ war und sie mir mittlerweile das Ohr abkaut, ist das wirklich ein riesengroßer Sprung. Es ist also ziemlich verrückt, was in einem Jahr alles passieren kann. Abgesehen davon ist sie schon fast einen Meter groß – 99 Zentimeter um genau zu sein.“

 

Tina stockt kurz. Dann sagt sie: „Ja, sie ist halt nun ein großes Mädchen, dass seit rund einer Woche im Kindergarten ist und den kleinen Krippenkindern winkt und sagt: ,Oh guck mal, wie süß die Babys sind’ – obwohl sie da vor einer Woche selbst noch war“, sagt Tina dann doch mit einem Lächeln.

 

Die erste Woche im Kindergarten war für Paulina sehr aufregend. Schon in den Wochen zuvor war sie ganz stolz auf ihre neue Brotbox und den neuen Rucksack, der morgens gepackt wird. Sie freut sich wahnsinnig, jetzt zu den Großen zu gehören. „Momentan ist es morgens aber noch ein bisschen schwer, weil sie noch ein bisschen Eingewöhnungszeit braucht. Ich bin sehr froh darüber, dass wir dafür noch Zeit haben und ich da voll und ganz hinter ihr stehen kann. Und bestenfalls ist dann alles entspannt, wenn das Baby kommt“, sagt Tina.

 

Generell steckt Paulina momentan aber eher in einer „rebellischen Phase“, wie Tina sagt. 99 Zentimeter können also manchmal ziemlich trotzig sein. Hauptsache, Paulina macht das Gegenteil von dem, was ihr ihre Eltern sagen. Ins Bettgehen? Nein. Aufräumen? Nein. Nicht so rennen? Ach, i wo! „Das kann schon anstrengend sein“, sagt Tina und schnauft leise. Das Baby bewegt sich.

 

Drei Jahre wird Paulina also schon alt. Schon in den vergangenen Wochen hat sie mehrmals davon gesprochen. Sie wird „dei“, hat sie dann gesagt. „Manchmal sagt sie sogar, dass sie vier wird – das muss sie irgendwo im Kindergarten aufgeschnappt haben“, erklärt Tina. Ob „dei“ oder vier – papperlapapp. Der Geburtstag muss gefeiert werden – aber wie?

 

Ich: „Was habt ihr denn geplant?“

 

Tina: „Erstmal sind wir in der Familie zusammen. Sie mag es sehr, wenn alle um sie herum sind. Die Kindergeburtstagsfeier mit ihren Freunden verlegen wir aber in den Sommer – denn wir wollen draußen im Garten feiern. Das ist schöner als im Regen im Wohnzimmer. Du weißt doch, dass sie so gerne draußen ist.“

 

Dass Paulina ein Tierfreund ist, wissen Paulina und Markus nicht erst, seitdem „Brownie“ und „Cookie“ zur Familie gehören. So darf sich Paulina über – psst! Überraschung – über ein paar Reitstunden und einen Zoobesuch freuen. Aber Paulinas schönstes Geschenk? Dass sie ihre Familie ganz um sich herum hat. Und dass sie bald eine kleine Schwester bekommt, der sie dann auch ganz stolz ihre „Meeris“ zeigen kann, wie sie sagt.

Ich komme mir zwar vor, wie eine der guten Feen aus dem Märchen Dornröschen, wenn ich das hier schreibe, aber, liebe Paulina, pass auf: Ich wünsche dir, dass du ganz lange deine kindliche Neugierde behältst, und dass alle deine Träume und Wünsche in Erfüllung gehen. Apropos Wünsche – im Märchen gibt es häufig drei, also „dei“, davon. Also hier noch einer hinterher: Ich wünsche dir, dass du immer Menschen um dich herum hast, mit denen du lachen kannst. Denn so habe ich dich am liebsten. Simsalabim! – oder so ähnlich (wo ist der Feenstab, wenn man ihn braucht?)

 

Von Ann-Kathrin Weber 

Zur Autorin:

Redakteurin Ann-Kathrin Weber hat zwar selbst noch keine Kinder, schreibt aber besonders gern über Kinderthemen. Für StadtLandKind hat sie ihre Freundin Tina durch die Schwangerschaft begleitet und besucht ab sofort Baby Paulina und ihre Eltern einmal im Monat für uns.

 

Ähnliche Beiträge

Kommentar schreiben