Nachwuchs bei den Flamingos

Flamingo_Zoo
Das gänseähnliche Schnattern ist bereits aus weiter Ferne zu hören, je näher man dem großen See im Zoo Heidelberg kommt. Gemeinsam sitzen über 50 Kuba-Flamingos auf und um die Insel im See und bilden einen rosaroten Blickfang. Auf den  kegelförmigen Schlammnestern brüten mehrere Paare dicht beieinander. Trotz des scheinbar begrenzten Platzangebots ist der Standort ist gut gewählt, denn dort sind sie ungestört und sicher vor vermeintlichen Fressfeinden.

Vor ein paar Tagen war es wieder so weit: Das erste Flamingoküken ist geschlüpft. Allerdings sieht es noch ganz und gar nicht nach einem der langbeinigen hübschen rosafarbenen Vögel aus. Es ist grauweiß, flauschig mit großen Füßen. Dass es sich hierbei dennoch nicht um ein Kuckucksei handelt, wird sich auch den Besuchern in den nächsten Monaten zeigen. Im Augenblick haben die Eltern richtig viel zu tun, denn das Kleine will unentwegt gefüttert werden. Das Küken wird mit einer speziellen Nährflüssigkeit, der sogenannten Kropfmilch, gefüttert. Ähnlich wie bei Tauben und Pinguinen wird diese von den Elterntieren in ihrer Speiseröhre gebildet. Eine Besonderheit ist, dass dabei diese Flüssigkeit zusätzlich mit Eigenblut der Elterntiere angereichert wird, wodurch der Nährwert verstärkt wird.

Bereits nach wenigen Tagen tapst es umher und fällt dabei schon mal noch unbeholfen vom kegelförmigen Nest. Es ist dann nicht immer leicht für das Kleine, auf der rutschigen Oberfläche mit den großen Füßen wieder Halt zu finden. Doch die fürsorglichen Eltern finden ihren Nachwuchs in der großen Kolonie immer wieder und füttern es auch außerhalb des Nestes.

Nach und nach bildet sich beim Nachwuchs der typische abgeknickte Seihschnabel komplett aus und die Jungvögel können gemeinsam mit den erwachsenen Flamingos das Wasser filtern. Durch dieses stetige Wasserfiltern erfolgt die ungewöhnliche Nahrungsaufnahme bei den Flamingos: Der Schnabel wird gefüllt, das Wasser läuft wieder heraus und Plankton und kleine Insekten verbleiben im Schnabel. In Ihrer Heimat nehmen Flamingos beim Filtrieren des Wassers kleine Krebse zu sich. Der Farbstoffe der Krebse (Carotinoide) wird in der Leber der Tiere umgewandelt und im Federkleid eingelagert. Dies sorgt nach einer gewissen Zeit für die charakteristische Farbe. Aus diesem Grund sind neugeborene Flamingos auch noch weiß. So sind die Küken auch im Herbst noch, wenn Sie ihren Eltern in der Größe in nichts mehr nachstehen werden, an dem grauen Gefieder, noch ohne Probleme als Jungvögel zu erkennen. Im Wasser des Sees im Zoo Heidelberg leben ebenfalls Krebse, aber in geringerer Menge. Daher werden zusätzlich noch spezielle Flamingopellets aufgelöst, die ergänzend für die typische Gefiederfarbe sorgen.

Bei den Flamingos ist die Aufzucht der Küken übrigens Sache beider Elternteile, wobei je Paar nur ein Ei pro Jahr gelegt wird. Sowohl beim Brüten als auch beim Füttern wechseln sich Mutter und Vater immer wieder ab. Als ausgeprägte Kolonienbrüter profitieren die Tiere auch bei der Aufzucht der Jungen von der Gruppe. Die Kleinen schließen sich später zu Gruppen zusammen und werden von verschiedenen Altvögeln betreut. Auf diese Weise lernen sie auch voneinander. Da in Heidelberg noch einige Flamingo-Paare auf ihren Gelegen sitzen, können die Zoobesucher vielleicht bald eine muntere Kükenschar auf der Anlage beobachten, die mehr oder weniger geschickt auf der Insel umherstaksen und sich im typischen „Ein-Bein-Stand“ üben.

Mehr unter: zoo-heidelberg.de

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