Nein, ich möchte nicht, dass ihr meinen Kindern Arnikakügelchen gebt

Warum muss ich mich als Mutter eigentlich dafür rechtfertigen, wenn ich es ablehne, meinen Kinder Globuli zu geben, nur weil sie sich den Schädel angehauen haben und eine Beule kriegen?

Ich lehne Medikamente ab, wo immer es ohne sie geht. Gerade bei Kindern. Ich bin der festen Überzeugung, dass Fieber einen Sinn hat und nicht umgehend mit Zäpfchen bekämpft werden sollte. Gerade bei Kindern. Ich glaube an die Selbstheilungskräfte des Körpers. Gerade bei Kindern. Die meisten Mütter, die ich kenne, sehen das ähnlich. Nur in Sachen Homöopathie, da scheiden sich irgendwie unsere Geister. Da fehlt mir offensichtlich ein ganz entscheidendes Gen. Jenes Gen, das eine Vielzahl von Müttern dazu bringt, umgehend Arnika aus der Wickel- oder Handtasche schütteln, sobald sich der Nachwuchs mal am Klettergerüst den Schädel gestoßen hat.
Ich lehne das ab. Aus Prinzip.

Ich bin der festen Überzeugung, dass ein Kuss, ein Taschentuch und ein Pflaster bei den alltäglichen Verletzungen die selbe tröstende Wirkung haben, wie zig Mal verschüttelte Kügelchen.

Aber ich lasse euch ja machen. Es ist eure Überzeugung, es sind eure Kinder, es ist eure Entscheidung.
Ich fände es aber  fair, wenn ihr auch meine Haltung dazu respektieren könntet.

Liebe Mütter, ich finde es übergriffig, wenn ihr  meinen Kindern und mir „Kügelchen“ gegen irgendetwas aufdrängt. Gerne schon mit dem Globuli-Gläschen vor dem verheulten Gesicht mit der roten Kindernase herum wedelt, die gerade unsanft Kontakt mit dem Asphalt hatte.
Wenn ihr mich dann erst fragt, „ob das okay“ sei, wenn das Kind die Pillen schon vor Augen hat.
Nein. Es ist nicht okay. Ihr fändet es auch nicht okay, wenn ich euren Kindern ungefragt einen Lutscher in den Mund stopfen würde, weil es hingefallen ist oder Nasentropfen in den Rotzzinken spritze, weil ich der Überzeugung bin, dass es dem Kind dann besser geht.

Warum muss ich mich überhaupt dafür rechtfertigen, dass ich das inflationäre Verteilen von Globuli in allen Lebenslagen ablehne? Mich schon fast entschuldigen, weil ihr „ ja nur helfen“ wollt. Warum bringt ihr mich Situationen, in denen ich mich auch noch meinen Kindern erklären muss, weil die gar nicht verstehen, warum sie jetzt nicht „auch so leckere Zuckerkügelchen“ kriegen, wie der Lasse, Bosse und die Enja.
„Aber, das schadet doch nicht“, hörte ich dann von euch Müttern und das macht mich dann wütend. Wie könnt ihr behaupten, dass es nicht schadet und gleichzeitig der festen Überzeugung sein, dass es hilft?

Das ist für mich ein Widerspruch in sich. Entweder ihr glaubt an die Wirkung eurer Kügelchen, dann behandelt sie bitte wie ein Medikament. Ein Medikament wird nicht wahllos eingesetzt, sondern gezielt, gut überlegt und in Maßen.

Oder ihr glaubt nicht an die Wirkung. Dann frage ich mich, warum ihr euren Kindern das gebt.  Zum Trost? Als Placebo? Um Heilung zu suggerieren? Damit es nicht mehr weint? Weil ihr gerade kein Gummibärchen zur Hand habt? Könnt ihr machen.

Aber lasst meine Kinder bitte da raus. Kinder unterscheiden nicht zwischen Homöopathie und anderen Medikamenten und ich möchte nicht, dass meine Kinder lernen, dass bei jedem Zipperlein, jeder Beule an der Stirn und jedem aufgeschlagenen Knie, irgendein Pillchen hergezaubert werden muss, damit auch alles wieder heile wird.

Ich möchte, dass sie lernen, dass ihr Körper ganz von alleine wieder heilt  – und mit dreimal Pusten.
shy

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