Neue Bilderbücher für Kinder

Zuviel Schokolade ist ungesund… warum soll der Osterhase nicht mal ein Buch bringen? Vielleicht eines dieser vier wunderbaren Neuerscheinungen?

71So4P3OjBL._SL1181_
Rosie und Herman wissen es noch nicht, aber bald werden sie die besten Freunde sein …

Für ganz kleine Kinder (ab 2): 

wolf_ds_1

„Da kommt der Wolf!“

O je der Wolf ist da!
Er kommt näher und näher.
Wie kriegt kind ihn bloß los?

Dieses Bilderbuch hat es in sich! Es spielt mit dem Grusel vor dem Wolf, der unaufhaltsam auf den Betrachter zueilt, auf dem Cover winzig klein, bis er raumfüllend auf der letzten Seite steht. Nicht das Schräghalten des Buches kann ihn aufhalten und auch nicht heftiges Schütteln oder auf den Kopf stellen. Aber eins hilft doch: Das Buch schnell zuklappen! Und dann? Geht natürlich alles wieder von vorne los.

Mit einfachen, aber pfiffigen Ideen schaffen es die beiden französischen Büchermacher ein Buch in ein interaktives Erlebnis zu verwandeln. Wer braucht da noch eine App für Kleinkinder, das Buch des französischen  Illustratoren- und Autorenteam Cédric Ramadier & Vincent Bourgeau ist viel spannender.

Cédric Ramadier & Vincent Bourgeau: Da kommt der Wolf!
Aus dem Französischen von Markus Weber
Pappbilderbuch, Format 18,5 x 24 cm
Moritz-Verlag, Frankfurt/Main
11,95 Euro

Für kleine Kinder (ab 3):

hannas_nacht_illu_ausschnitt_homepage

„Hannas Nacht“

„Eines Nachts, als Hanna aufwachte, war es draußen noch ganz dunkel und still.“

Mehr braucht es nicht, um die kleinen Betrachter in die magische Welt des Bilderbuchs von Komako Sakai zu ziehen. Wir sind ganz dicht dabei, wenn Hanna mit ihrem Kätzchen durch das Haus geht. Erst zur Toilette, dann die Treppe hinunter in die Küche. Hier bekommt Chiro etwas Milch und Hanna nascht von den Kirschen. Weil sie nicht wieder einschlafen kann, borgt sie sich Sachen ihrer großen Schwester aus, mit denen sie leise spielt. Erst als der Morgen graut, wird sie müde und ihre Augen werden schwer.

Ein wunderbares, zartes und ausdrucksstarkes Buch für kleine Kinder .

Komako Sakai: Hannas Nacht.
Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe.
Moritz-Verlag, Frankfurt/Main;
12,95 Euro.

Für Schulkinder (ab 6):

„Herman und Rosie. Geschichte einer Freundschaft“

herman-and-rosie

Spätestens, wenn Kinder in die Schule kommen, wird Freundschaft ein wichtiges Thema. Viele Kinderbücher beschäftigen sich damit, doch selten eines, das so außergewöhnlich illustriert ist, wie diese Neuerscheinung von Gus Gordon.

Herman und Rosie leben in einem ausschließlich von Tieren bevölkerten New York. Herman ist ein Krokodil und Rosie ein Reh Er ist Telefonverkäufer, sie Küchenhilfe. Beide machen Jazz-Musik, beide sind einsam – und am Schluss glücklich. Weil sie sich kennen gelernt haben. Es ist eine einfache, stille Geschichte, die Gus Gordon erzählt, von möglicher Freundschaft oder auch Liebe. So still die Gesichte, so unglaublich die Illustrationen!  Zeichnung und Aquarell, Collage und Fotografie, Zeitungsausschnitten und alten Postkarten, Wimmelbildern und Comics wechseln sich an. Mal still, mal knallig bunt, mal liebevoll, mal lustig öffnen sich die Seiten dem Betrachter. Wohlkomponiert wie ein Jazz-Song.

Gus Gordon: „Herman und Rosie. Geschichte einer Freundschaft“

Aus dem Englischen von Gundula Müller-Wallraf
München, Knesebeck Verlag 2013
14,95 Euro, ab 6 Jahren

Für ältere Kinder (ab 8):

 „Akim rennt“ 

Akimrennt

Akim rennt um sein Leben.

Sein Dorf wurde von Soldaten überfallen.

Eigentlich schien in Akims Dorf der Krieg weit weg … Als der Krieg über das Dorf hereinbricht ist Akim am Fluss und lässt sein gebasteltes Boot schwimmen.

Noch während der Bombenangriffe rennt Akim zurück zu seinem Elternhaus in der Hoffnung, seine Familie zu finden. Niemand ist dort. Verloren läuft der Junge in den Trümmern des Dorfes umher, Verletzte und Tote liegen auf dem Boden. Akim und die anderen Kinder werden von den Soldaten zu ihren Gefangenen gemacht. Irgendwann kann Akim fliehen: er rennt und rennt. Im Gebirge stößt er auf andere Flüchtlinge. Gemeinsam gelingt es ihnen schließlich, den Grenzfluss zu überqueren und ein Flüchtlingslager auf der anderen Seite zu erreichen. Und dort passiert ein großes Wunder: Er findet seine Mutter.

Akims Geschichte ist eine sehr persönliche Geschichte. Aber sie ist zugleich die Geschichte von Tausenden anderer Kinder, Männer und Frauen, die auf der Flucht vor Gewalt sind. Das Bilderbuch erzählt von diesen Erfahrungen mit wenig Text, aber in umso eindrücklicheren, leicht und skizzenhaft hingeworfenen Bildern. Die Autorin bleibt mit ihren Bleistiftzeichnungen zu jeder Zeit in der kindlichen Perspektive und zeigt schonungslos die Schutzlosigkeit, das Herumirren, das Rennen. Am Ende: das Wiederfinden der Mutter.

Claude K. Dubois: Akim rennt
Aus dem Französischen von Tobias Scheffel
Moritz-Verlag, Frankfurt/Main
€ 12,95, ab 6 Jahren

 

Kommentar schreiben