Paulinas Tagebuch: Meine beste Freundin, ihre Tochter und ich

Rosafarbene Socken, Kleider, Strampler – Tinas und Markus’ Zuhause hat sich ganz auf die nun zwei Mädchen eingestimmt. Und auch immer mehr spielt sich das Familienleben zu viert ein. „Ich kann mich wirklich nicht beschweren, es läuft gut mit den zwei Mädels. Man sagt ja immer: Ein Kind ist kein Kind. Aber ich muss zugeben, dass es mir nie so ging. Ich hatte mich mit Paulina nie so gefühlt, als ob ich gar kein Kind hätte. Vielleicht liegt es an ihrem Temperament“, sagt Tina, während Luisa auf ihrem Arm selig schlummert.  „Angeblich läuft ja das zweite Kind mit, aber auch das kann ich so nicht bestätigen. Also diese ganzen Floskeln, die man da so hört, treffen auf uns nicht zu.“

Luisa war in den ersten Wochen nach ihrer Geburt sehr entspannt. „Das ist momentan nicht mehr so. Wahrscheinlich wächst sie gerade. Sie hängt die ganze Zeit an mir.“ Tina ist momentan also ziemlich als Mama gefordert.

Ich: „Wie reagiert Paulina mittlerweile auf ihre kleine Schwester?“

Tina: „Sie macht es super. Von Eifersucht keine Spur. Ich merke allerdings, dass sie manchmal traurig ist, wenn Luisa meine Aufmerksamkeit braucht. Aber ich versuche, freie Minuten zu nutzen, die ich dann nur mit Paulina verbringe, also dann quasi Mama-Pauli-Zeit. Dann gehen wir zum Beispiel auf den Spielplatz, während meine Familie auf Luisa aufpasst. Das tut Paulina gut. Man muss halt einfach bedenken, dass es für die Großen eine Umstellung ist. Ich versuche, mir immer etwas einfallen zu lassen, dass wir genügend Zeit miteinander verbringen.“

Ich: „Ist Paulina denn schon ein bisschen in ihre Rolle als große Schwester reingewachsen?“

Tina: „Ja, jeden Tag ein bisschen mehr. Sie macht das super, sie ist eine richtig tolle große Schwester.“

Ich: „Zwei Mädels – das eine geht in den Kindergarten, das andere braucht deine volle Aufmerksamkeit. Wie sieht denn euer Start in den Tag aus?“

Tina: „Normalerweise bringt Markus Paulina morgens in den Kindergarten. In den vergangenen Tagen war ich aber mit den Mädels morgens allein, weil Markus schon sehr früh das Haus verlassen musste. Das bedeutet dann einfach eine gute Organisation.“

Und da kommt schon Paulina als kleine Helferin ins Spiel. So steht Tina in aller Herrgottsfrühe auf, die selbst einem Hahn zu früh ist. Zunächst macht sie sich fertig, dann die kleinste Tochter und schließlich dann das Kindergarten-Kind Paulina. „Luisa möchte momentan nicht so gerne abgelegt werden und beschwert sich. Paulina hatte neulich morgens dann folgenden Einfall: ,Mama, gib mir doch einfach Luisa auf den Arm, dann schreit sie nicht mehr. Und du kannst mir die Haare machen.’“ Und so haben sie es dann auch gemacht. Pauli setzte sich auf den Boden, zwischen ihren Beinen hielt sie ihre kleine Schwester und Tina konnte ihrer großen Tochter einen Zopf flechten. Voilà: Alle drei waren glücklich. Und dann ging es für Paulina in den Kindergarten zu ihren kleinen Freunden.

Es gibt aber noch weitere Szenen, die zeigen, wie sehr sich Paulina als große Schwester einsetzt. „Es haben sich auch schon Rituale eingespielt“, sagt Tina. Wenn sie Luisa wickeln muss, dann wickelt Paulina ihre Puppe „Nonno“ parallel. „Dann wickeln wir beide unsere Babys“, sagt Tina. Dann muss bei der Puppe alles genauso gemacht werden, wie Tina es auch bei Baby Luisa macht. Ist doch klar!  Saubermachen, Eincremen, Windeln wechseln – Paulina ist gewissenhaft und lässt keinen Schritt aus. „Ich weiß nicht, was ich für einen Verbrauch an Puppen-Windeln habe. Denn Paulina kann nicht einfach nur spielen, dass die Windeln voll sind. Nein, es werden dann ganz dringend frische Windeln benötigt. Jedes Mal. Ich verbrauche also gerade quasi Windeln für zwei Babys.“ Allerdings faltet Tina wie ein fleißiges Heinzelmännchen in einem unbeobachteten Moment die zusammengeknüllten Puppen-Windeln wieder fein säuberlich zusammen und legt sie in den Puppenschrank zurück – bis sie das nächste Mal benötigt werden.

Wenn Paulina nicht gerade ihre Puppe und ihre kleine Schwester umsorgt, dann genießt sie die für sie schönste Zeit des Jahres: den Sommer. Und das – solange das Wetter mitspielt – am liebsten mit ihren kleinen Freunden im Planschbecken im eigenen Garten. Und am liebsten auch mit allem drum und dran. Wie gut, dass nun von Wochenende zu Wochenende eine Kerwe nach der anderen ansteht. So macht Paulina die Karussells der Region unsicher und fährt am liebsten in den schnellen Flitzern, auf Tierfiguren und Co. Und Mama, Papa und Luisa müssen mit.

Es gibt aber auch eine Neuigkeit: So lernt Paulina gerade das Fahrradfahren. Wo sie das Gefährt herhat? „Sie hat sich schon so lange ein Fahrrad gewünscht. Und jetzt war bei Paulina die Schnullerfee. Eines morgens kam Paulina zu uns und meinte, dass sie ihn nun nicht mehr braucht – ohnehin war er nur noch eine Einschlafhilfe. Sie hat ihren Schnuller also freiwillig weggegeben und im Gegenzug ein Fahrrad von der Schnullerfee bekommen“, erzählt mir Tina und ich weiß nicht, wer stolzer darüber ist: sie oder Paulina. So zeigt mir Tina ein Foto, auf dem sich Paulina (mit Papas Unterstützung) über ihre ersten Erfolge im Fahrradfahren freut. Bald dreht sie sich also nicht mehr nur auf dem Karussell, sondern bald wird Paulina auch ihre Runden mit dem eigenen Fahrrad ziehen.

 

Der Sommer wäre aber nur halb so schön, wenn das Meer nicht wäre. So geht es für die kleine Familie bald in den ersten Urlaub zu viert. Strand, Sonne, Meer – und sich die Luft um die Nasen wehen lassen. „Einfach mal nur wir vier ganz wo anders sein – darauf freuen wir uns sehr“, sagt Tina.  Die Koffer sind schon fast gepackt, die letzten Kleinigkeiten fehlen noch. Aber das Wichtigste, das im Urlaub auf keinen Fall fehlen darf, hat Paulina bereits fest im Arm: ihre kleine Schwester.

Von Ann-Kathrin Weber

 

Zur Autorin:

Redakteurin Ann-Kathrin Weber hat zwar selbst noch keine Kinder, schreibt aber besonders gern über Kinderthemen. Für StadtLandKind hat sie ihre Freundin Tina durch die Schwangerschaft begleitet und besucht Paulina und ihre Eltern einmal im Monat für uns.

 

Ähnliche Beiträge

Kommentar schreiben