Schulsozialarbeit: Sie sind die Anwälte der Kinder

Weinheimer Schulsozialarbeit stellte Beispiele ihrer Arbeit im Rathaus vor – Zustimmung und Lob im politischen Gremium

Weinheim. „Tarik ist in seiner Klasse anerkannt, er ist immerhin ein durchschnittlicher Schüler, manchmal ein bisschen chaotisch, aber aufmerksam und aufgeschlossen, er hat sich insgesamt erfreulich gut entwickelt.“ Das ist die Einschätzung einer Weinheimer Lehrerin über einen Schüler aus ihrer Klasse. Nur wenige Monate vorher sah es mit Tarik und seinem problembelasteten Leben noch ganz anders aus. Der Vater war gestorben, die Familie – sie stammt aus Albanien – arm und überfordert, der Junge oft auf sich alleine gestellt und verzweifelt. Im Winter kam er ohne Jacke in die Schule, meistens ohne Frühstück. Manchmal konnte er gar nicht am Unterricht teilnehmen.
Ohne die Schulsozialarbeit am Schulstandort Weinheim hätte Tarik wohl keine Chance gehabt.

Jetzt hat er sich aber gefangen; er hat sein Leben vor sich und er packt es an.
Tariks Geschichte ist seine persönliche – es ist aber auch eine Erfolgsgeschichte der kommunalen Schulsozialarbeit an den Weinheimer Schulen. Und die Schulsozialarbeit ist ein wichtiges Glied der „Weinheimer Bildungskette“. Das wurde am Mittwoch im Großen Sitzungsaal des Rathauses wieder einmal deutlich.
Denn an Weinheims Schulen hören Betreuung und Begleitung der Kinder und Jugendlichen nicht mit dem Unterricht auf. Die Schulsozialarbeiterinnen Marie-Antoinette Mayer, Nalini Menke, Susanne Kern und Judith Iwanowitsch – sie besetzen drei Vollzeitstellen an sechs Weinheimer Schulen gaben jetzt einen eindrucksvollen Bericht ihrer Arbeit im Weinheimer Kinder- und Jugendbeirat ab. Sie sind ausgebildete Pädagoginnen, Erziehungswissenschaftlerinnen und Psychologinnen.

Tarik war nur ein geschildertes Beispiel aus dem Wirken der Fachkräfte, die eng vernetzt mit den Schulleitungen und Lehrern, den Jugend- und Sozialämtern und anderen Partnern der Bildungsregion am Abbau von Bildungsbenachteiligung im Schulsystem arbeiten. Sie gehen in die Familien, unterbreiten Angebote in Gruppen, beraten und begleiten in Krisensituationen. Überall dort, wo schulische Probleme aus sozialen Problemen entstehen, dort setzen sie an. Der chancengleiche Zugang zur Bildung, das ist ihr Anliegen.

„Sie sind Anwälte der Kinder- und Jugendlichen“, so wurde den Sozialarbeiterinnen im Gremium bescheinigt. Die sozialen und bildungspolitischen Verdienste der kommunalen Schulsozialarbeit wird im Rathaus und in der kommunalen Politik in hohem Maße geschätzt – das wurde aus den Bewertungen der Fraktionen im Ausschuss deutlich. „Ohne Sie wäre diese Netzwerkarbeit nicht möglich“, bescheinigte Oberbürgermeister Heiner Bernhard und verwies auf den Vorzug der Kommunalen Koordinierung an einem Bildungsstandort.

Aus dem Gremium kam sogar die Forderung nach weiteren Stellen – von bis zu drei weiteren Plätzen war sogar die Rede. OB Bernhard sagte zu, diese Anregung in den nächsten Haushaltsberatungen aufzunehmen. Tenor am Ratstisch: „Was hier investiert wird, bekommt die Kommune wieder zurück.“

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