Start des Projektes „Lesen macht stark“

skalUlli Bild Held mit Kindern„Helden gibt es überall!“ – Männlicher Vorleser als Identifikationsfigur

Weinheim. Der Held aus dem richtigen Leben war natürlich am spannendsten! Dagegen hatten die Superhelden aus den Büchern, die die Bibliothekarin Ulrike Jäger den Schülern der Klasse 6 der Johann-Sebastian-Bach-Schule vorstellte, keine Chance. Als der Überraschungsgast Mike Flösser, ein in der Jugendszene engagierter Skateboarder mit modernem Piercing und Tatoos und mit seinem Skateboard unter dem Arm die Bibliothek betrat, in dem die 12 Jungs und 1 Mädchen auf ihn warteten, hatten alle nur noch Augen und Ohren für ihn. Und seiner „heldenhaften“ Lebensgeschichte verfolgten sie mit weit größerer Aufmerksamkeit als jeder noch so interessanten Bücherstory.

Am Freitagnachmittag war Start des Projektes „Lesen macht stark“: Lesen und digitale Medien“, das vom Bildungsministerium gefördert wird und vom Deutschen Bibliotheksverbund und der Stiftung Digitale Chancen umgesetzt wird. Ein Bündnis aus Bildungsbüro, JSB-Schule und Stadtbibliothek hat sich um das Projekt beworben und ist mit der Aktion „Helden gibt es überall!“ ausgewählt worden . Bis Ende 2015 soll das Angebot in der Bibliothek noch mehrfach mit wechselnden Schülern durchgeführt werden und so auch die Akteure nachhaltig vernetzen.

Neben der Leseförderung mit Hilfe von digitalen Medien hat das Projekt zum Ziel, das zivilgesellschaftliche Engagement zu stärken. Eine gute Möglichkeit, die Ehrenamtlichen des Bildungsbüros, die als Lesepatinnen an der Bachschule eingesetzt sind, hier einzubinden. Nach einer intensiven Fortbildung in der Handhabung von Tablet-Rechnern, waren Ulla Diaco und Gila Haase gut gerüstet für die Schüler, die aus einer Geschichte mithilfe der Tablets eine Fotostory weiterspinnen und schöpferisch eigene Inhalte gestalten sollten.

Nach der Begrüßung durch die Bibliothekarsleiterin Elke Huber und Elke König vom Bildungsbüro, erfuhren die Kinder, was sie in den nächsten Wochen erwarteten. Die 12jährigen, die in Begleitung ihrer Konrektorin Cornelia Münch-Schröder und der Lehrerin Patricia André gekommen waren, konnten die Kameras der Tablet-Rechner ausprobieren und wurden über die Arbeitsschritte vom Ideensammeln über die Erstellung des Storyboards, also des Drehbuchs, und das Fotografieren informiert. Hier zeigte sich schon im Vorfeld, dass die Kinder oftmals die eigentlichen Experten mit den modernen Techniken sind und sich besser auskennen als mancher Erwachsene.

Alle zusammenskal

Danach war das Vorlesen an der Reihe: Die Lesepatinnen des Bildungsbüros hatten ein spannendes Abenteuerbuch herausgesucht, das im Skatermilieu spielt und so einen Bezug zum eingeladenen lokalen Helden herstellt.

Aber was ist an einem leidenschaftlichen Skateboardfahrer eigentlich so heldenhaft ? Der 25-jährige Maschinenbau-Ingenieur Mike Flösser erzählt den aufmerksam lauschenden Kindern, wie er vor 4 Jahren mit anderen zusammen den Verein Boardsport gegründet hat, um für die Skaterszene in Weinheim einen Platz zu schaffen. Immer wieder hatte er in der Vergangenheit erfolglos versucht, Geld für einen Skaterpark zu sammeln. Erst als er sich mit anderen zusammenschloß, konnte er über den Verein im Gemeinderat einen Antrag für die Errichtung eines Skateparks stellen und in einer Benefizaktion weitere Spenden sammeln. Jetzt gibt es unter der Barbarabrücke eine kleine Skateboard-Anlage, die gut genutzt wird. In den Ferien werden dort Workshops im Skateboardfahren angeboten. Der Plan ist, so Mike Flösser, noch mehr Workshops anzubieten und weitere Gelder zu sammeln, um die Anlage zu vergrößern und Kindern und Jugendlichen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung zu ermöglichen.

Die Kinder hörten aufmerksam zu – man spürte, dass sie sich mit so einem „Held“ viel besser identifizieren können als mit einem Superhelden – mit einem, der auch so seine Probleme hat, es aber schafft, sie irgendwie zu lösen.

Als dann Mike Flösser nach dem Vorlesen von „Skating–Agents“ den Kindern auf dem Parkplatz noch einige Skatertricks zeigte, kannte die Begeisterung keine Grenzen. „Ich wollt‘, er wär‘ mein Bruder..“ seufzte ein Junge mit Inbrunst.

Beim nächsten Mal ist ein Besuch auf dem Skaterpark geplant – mit den neuen blauen Taschen und den Tablets, die aus Fördermitteln des Programms finanziert wurden im Gepäck – und natürlich im Beisein des Helden.

Fotos: Stadt Weinheim

 

 

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