Und ganz plötzlich ist die Sorge weg

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Liebe StadtLandKind-Redaktion,

der Grund für meinen Mutter-Gastblog Teil zwei? Ein Sieben-Sekunden-Uluru-Video meiner Tochter. Uluru ist die Aborigine-Bezeichnung für den Ayers Rock, den Heiligen Berg in der zentralaustralischen Wüste. Also am Arsch der Welt. Dieses Video, das ich mir ungefähr gleich zehn Mal hintereinander angeschaut habe, obwohl es sieben Sekunden lang nur roten Sand und ebenso rote Erhebungen unter sengender Sonne zeigt, hat mich zuerst sehr durstig aber letztlich seeeehr stolz gemacht.

 

Gut, die Auswirkung des Begleitsatzes: „Mama, du hörst jetzt mal ne Woche nix von mir, bin im Outback – mach’s gut!“ hat sich noch zwischen Durst und Stolz gemogelt und zwar in Form von Sorge.

 

Nachdem meine Tochter vor mehr als drei Monaten Hotel Mama verlassen hat und nach Australien aufbrach, ich mich zwischenzeitlich (exakt nach zwei Tagen!) wieder beruhigt und tatsächlich auch die Vorteile einer „Auszeit-Mutter“ in vollsten Zügen genießen kann, überkam mich jetzt doch gleich wieder so ein gemeiner Anflug von mütterlicher Sorge.

 

Als „Distanz-Mama“ bin ich mittlerweile recht entspannt, was dieses exotische Land und meine Tochter zusammen erleben.

Vom fiesen Sandfloh bis zum gigantischen Jumping Crocodile, den hässlichen, braunen Schlangen in öffentlichen Parks … – pfffft! Ob solcher Messages zuckt höchstens noch ab und an meine linke Augenbraue. Selbst Giftfrösche, die dort im hauseigenen Garten aufgesammelt, um dann in einem Einmachglas im Gefrierfach in die ewigen Jagdgründe befördert zu werden, lassen mich inzwischen kalt. Nicht ganz so wie diese Amphibie am Ende, aber ich bleib‘ cool. Das Herz geht mir auf bei den vielen Fotos von Kängurus, zahmen Wombats oder anderen possierlichen Knäueln aus Fell. Mir ist also an australischer Fauna, von der ich anfänglich dachte sie will meiner Tochter ans Leder, fast nichts mehr fremd oder unheimlich.

Aber diese Wüste … ich weiß ja nicht. Unkalkulierbare Wildnis. Nur sengende Sonne, Sand und Geröll. Naja, und eben dieser Heilige Berg der Eingeborenen inmitten. Das mystische Zentrum. Das Ziel dieser Wanderung in der Ödnis. Und das Ziel meiner Tochter, das pochende Herz Australiens in sich aufzunehmen. Ihr junges Leben zu spüren und das einmalige Gefühl der grenzenlosen Freiheit. Die Ursprünglichkeit zu erahnen. Ein Stück davon in ihren großen Rucksack zu packen und als Erfahrung mit nach Hause zu nehmen – in spätestens weniger als einem dreiviertel Jahr.

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Tja, ganz plötzlich ist sie weg, die Sorge.

War sowieso völlig unbegründet – wie viele Sorgen vorher.

Als Herzblut-Mama hätte ich das wissen können. Je tiefer ich in diese Uluru-Vorstellung eintauche, umso stolzer werde ich auf meine Tochter.

Auf das, was sie sich alles zutraut so weit weg, so ganz allein.

 

Und Hand auf’s Herz: Wer von uns hätte nicht schon gern einmal den Nachwuchs an einen öden Ort gewünscht? Ihr seht, das kann passieren, wenn auch die Ausgangssituation auf einmal eine ganz andere ist. Plötzlich freue ich mich diebisch, denn meine Tochter hat sich ausnahmsweise einmal selbst in die Wüste geschickt.

 

 

Alles Liebe,

eure S.

 

 

 

 

 

 

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