Unterwegs mit den Gruselclowns

Im Norden Deutschlands hält das schrille Fest Halloween nur zögerlich Einzug. Ich finde das sehr angenehm. Auch das wilde Gebimmel und Grenne an St. Martin kennt man hier übrigens noch nicht. Die Kinder laufen durch die Straßen, klingeln und singen „Matten Matten Mären“. Wenn sie dann auch noch „Äpfel oder Beeren“ bekommen, sind sie glücklich und sagen Dankeschön. Anders sieht es in anderen Landesteilen Deutschlands aus. Hier deckt man sich bereits Anfang Oktober mit Horrorclown-Masken und Rasierschaum ein. Später vervollständigen Zitronen und Knallfrösche das Equipement.

Ich fürchte mich seit Wochen vor dem 31. Oktober.

Für die richtige Portion Horror, muss ich übrigens keinem Clown im Dunkeln begegnen. Er reicht, mit einer Horde überzuckerter Kinder durch die Dämmerung ziehen zu müssen. Überall dort wird Sturm geklingelt, wo man auch nur im entferntesten einen schwachen Lichtschein erspäht. Kommt man zu spät und trifft Nachbarskinder mit Beute an der Haustür, wird umso panischer geklingelt, könnte ja sein, dass das letzte billige Bonbon schon verschenkt ist. Stellt sich ein Nachbar aber tot oder macht einfach nicht auf obwohl er dreisterweise zu Hause ist („DA IST DAS LICHT AN“), drehen alle durch. Wollen Zitronen schmeißen („Saures geben“) Rasierschaum an die Häuser sprühen oder einfach weiter Sturm klingeln.

Zwischendurch weint der 4-Jährige verzweifelt, weil er solche Angst vor den Masken der Großen hat oder wir einem Rudel schrill kreischender Hexen begegnet sind, und der 7-Jährige, der sich in einen Polyester-Ganzkörperanzug gequetscht hat, muss plötzlich dringend auf Toilette. Irgendwo klingeln und fragen, ob das Kind mal auf die Toilette darf, kann man sich jetzt auch sparen.

Und wenn wir am Ende durchgeschwitzt und verheult zurück nach Hause kommen, die Taschen voller Süßigkeiten, ist natürlich alles voller Raiserschaum. Jedes Jahr schwöre ich mir: nie wieder.

Aber das Jahr, in dem wir zuhause blieben, war auch nicht viel besser. Ich wollte nicht im Dunkeln sitzen. Natürlich wurde entsprechend ununterbrochen an der Tür Sturm geklingelt. Wir hatten eine liebevolle Sammlung gesunder Leckereien zusammengestellt (die Kinder waren noch kleiner und wussten nicht, wie „megapeinlich“ so etwas ist). Das Angebot kam natürlich nicht so gut an. Wir wurden an der Tür in Diskussionen verwickelt („Habt ihr wirklich nichts Anderes? … „Ich darf keine Schokolade mit Nüssen essen“ … „Wir nehmen auch Geld!“), es flogen Zitronen, es gab so richtig Saures.

Bis die Kinder endlich einsehen, dass dieses ganze Halloweenzeugs Quatsch ist, hilft nur: Augen zu und durch. Oder umziehen. Aber bis der neue Job, das neue Haus, die neue Schule im Norden gefunden sind, hat sich Halloween ganz sicher auch dort etabliert. bw // Foto: Fotolia

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