Warum „Ladies und Kerle“-Bratwürste leider gar nicht lustig sind

Ladies stehen immer sexy in Model-Pose da, finden Einhörner toooootaaaaaal nice und Kerle trinken Bier. Leute, ist gut jetzt.

Das war wirklich extrem wichtig, dass auch dieses Produkt noch auf den Markt kommt. Eine rosa Bratwurst für „Ladies“. Sexy-schlanke Ladies wohlgemerkt in Model-Pose und mit Herzchendeko. Ihr Pendant, die „Kerle-Bratwurst“ kommt zwar ein bisschen blass daher, aber dafür  macht das Bier auf dem Etikett alles wieder wett. Echter Kerle trinke schließlich Bier. Immer. So wie echte Ladys immer in sexy-hexi-Modelpose dastehen. Und wer es etwas verspielter mag, der kriegt jetzt obendrauf noch eine Einhorn-Bratwurst in Hellrosa dazu. Ist das nicht nice?

Nein. Ist es nicht. Uns geht dieses Gender-Marketing schon seit Jahren gegen den Strich. Liebe Hersteller von Kosmetik, Tütensuppen, Joghurt, Süßigkeiten, Klopapier, Wurst und Co. hört bitte damit auf, ein und das selbe Produkt doppelt zu vermarkten und unsere Kinder in absurde Geschlechter-Schablonen zu pressen.
Ihr könnt gerne rosa Schokosterhasen produzieren, aber schreibt bitte nicht „Für Mädchen“ drauf – es gibt auch kleine Jungs, die sich über einen rosa Hasen freuen.

Es nervt maximal, wenn auf einem rosa-glitzer-Kinder-Duschgel „für coole Girls“ steht, Kulleraugen-Models im Manga-Style vom Etikett glotzen und ein Button zusätzlich „mit stylischen Frisurentipps“ lockt. Das ensprechende Jungs-Produkt kommt natürlich im Ritter  oder Fußballgewand daher und wirbt knackig mit  „Sport und Fun“.
Lerne: Mädchen machen sich bitte recht hübsch und Jungs treiben Sport und haben Spaß (Bier geht halt noch nicht).

Es ist ein unsägliches Bild, das damit transportiert wird. Und wir möchten nicht, dass sich dieses Bild tagtäglich aus dem Supermarktregal auf unsere Kinder spiegelt.
Wir möchten unsere Kinder zu gleichberechtigten, aufgeklärten, selbstbewussten Erwachsenen heranziehen. Dazu gehört auch, dass wir ihnen beibringen, dass sie all ihre Neigungen, ihre Talente und ihrer Vorlieben frei leben dürfen. Unabhängig vom Geschlecht. Und dazu gehört erst recht, dass wir unseren Kindern beibringen, dass der Sinn und Zweck des weiblichen Geschlechts nicht darin besteht, möglichst hübsch auszusehen.
Das gelingt aber nur, wenn wir uns selber bewusst machen, dass „Ladies und Kerle“-Bratwürste leider gar nicht lustig sind und auch kein Fitzelchen originell, sondern der billige Versuch, eine simple Bratwurst doppelt so oft zu verkaufen. Auf Kosten der Gleichberechtigung.

(Und die Sache mit dem Einhorn? Seufz, die ist dann auch irgendwann als Gag einfach mal durch.)
shy

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