Weinheim: Mehrsprachige Erziehung

Elternkurs an der Albert-Schweizer-Grundschule – Auch die Herkunftskultur kennen

Schon bevor in der aktuellen politischen Diskussion die Rolle der Sprache für die Integration ins Blickfeld geriet, hat sich das Bildungsbüro Weinheim mit seinen Stärke-Kursen diesem Thema gewidmet. Rektorin Jutta Wirth von der Albert-Schweizer- Grundschule in Weinheim begrüßte jetzt als Gastgeberin Eltern aus unterschiedlichen Herkunftsländern zum Kurs „Mehrsprachige Erziehung“. Von Frankreich über Kamerun bis hin zur Türkei reichte das Spektrum.

„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich Eltern, deren Kinder mehrsprachig aufwachsen, häufig die Frage stellen, wie gehe ich sprachlich mit meinem Kind um und wie kann ich ihm beim Deutschlernen helfen? Mit unserem Kurs wollen wir zum einen ganz praktische Tipps geben, zum anderen aber auch vermitteln, dass eine gelungene Integration sich nicht nur darauf beschränken kann, die deutsche Sprache mechanisch zu erlernen“, erklärte Literatur- und Sprachwissenschaftlerin Nilgün Ilden vom Bildungsbüro.
Die Sprache, sie sei auch Träger und Schlüssel zur Kultur eines Landes. Für den Mehrspracherwerb sei es besonders wichtig, im Umfeld integriert zu sein, aber auch die Herkunftskultur zu kennen und zu leben. Nilgün Ilden: „Nur so entwickelt das Kind seine eigene Kultur und Identität, die ihm einen positiven Spracherwerb ermöglicht.“

Ilden hielt den Kurs gemeinsam mit Ebru Altinkumlar, der Psychologin des türkischen Konsulats in Karlsruhe. Beide ermöglichten auch einen emotionalen Umgang mit dem Thema. Eine Mutter beschrieb es so: „Ich habe Bilder im Kopf behalten und Zugriff auf Gefühle bekommen. Ich bin mir jetzt viel bewusster, welche Sprache ich wann und warum einsetze“. Eine andere Mutter ergänzte: „Ich fand die praktischen Tipps sehr gut, jetzt weiß ich, wie andere Eltern das zu Hause machen, der Austausch war wichtig für mich“.

Ceylan Firat, Leiterin der Fachstelle „Eltern und Schule“ im Bildungsbüro Weinheim und verantwortlich für das Kursangebot, hob besonders hervor: „Eltern praktische, machbare Möglichkeiten aufzuzeigen, ist eines unserer Ziele.“ Mütter oder Väter, die selbst die deutsche Sprache nicht sehr gut beherrschen, sollten mit ihren Kindern nicht Deutsch. Das raten Experten. Dennoch, so Ceylan Firat, haben sie viele Möglichkeiten zur Förderung, zum Beispiel indem sie die Kinder schon früh und regelmäßig in den Kindergarten bringen, Freundschaften mit deutschen Kindern unterstützen und erwachsene deutsche Bekannte einladen oder besuchen. Es ist auch im Sinne des Landesprogramms Stärke, mit dessen Mitteln das Bildungsbüro den sechsteiligen Kurs verwirklichen konnte, dass durch die Stärkung der Elternkompetenzen Kinder gestärkt und ihre Entwicklungsmöglichkeiten verbessert werden. Ilden: „Die positive Resonanz der Eltern hat uns gezeigt, dass das gelungen ist.“

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