Wenn Kinderstars erwachsen werden

Jana und Sophia Münster waren Kinderstars. Jetzt sind sie erwachsen. Gar nicht so einfach, wenn man den größten Erfolg des bisherigen Lebens mit 11 Jahren hatte. Die Zwillinge aus Ilvesheim waren die Stars der Universal-Verfilmungen von Enid Blytons Erfolgsroman „Hanni&Nanni“und erhielten für ihre Darstellung im ersten Teil einen Bambi in der Kategorie Talent.
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StadtLandKind hat sich mit Jana und Sophia Münster im elterlichen Haus zum Interview getroffen. Zwei Energiebündel wirbeln durch den Garten, während Fotograf Alexander Scheuber die beiden porträtiert. Aber wer ist denn nun wer? Während Jana im Gespräch zurückhaltender und etwas schüchterner antwortet, ist Sophia die offensichtlich extrovertierte der beiden. Von ihr ging damals auch der Wunsch aus, beim Casting für den ersten „Hanni&Nanni“-Film mitzumachen.

Wie war das denn, als ihr damals als 10-Jährige für die Hauptrolle in einem so prominent besetzten Film vorgesprochen habt?
Sophia
: Wir waren sehr aufgeregt. Wir können uns kaum noch erinnern, nur dass der ganze Raum voller Zwillinge und Drillinge war. Wir haben von Anfang an gesagt: Schön wenn es klappt, auch nicht schlimm, wenn es nicht klappt. Damit die Enttäuschung nicht zu groß ist.
Jana: Als wir zwei Wochen vor Drehbeginn die Zusage bekommen haben, haben wir uns wie verrückt gefreut.
Sophia: Ich habe so geheult.

War es schwierig, von der Schule freigestellt zu werden? Oder wurde nur in den Ferien gedreht?
Jana: Insgesamt haben wir zehn Wochen gedreht. Wir mussten als allererstes aufs Jugendamt gehen und erklären, dass wir das wirklich wollen und nicht nur unsere Eltern. Dann musste die Schule auch noch ihr Okay geben und da wir in dem Jahr sowieso von der Grundschule aufs Gymnasium gewechselt haben, war es kein Problem.

Und wie war es nach den Dreharbeiten, als ihr in eure neue Schule kamt? Das Schuljahr hatte ja schon vor Wochen begonnen …Sophia: Es war schlimm. Alle anderen Mädchen auf der Schule kannten uns nur als „Hanni und Nanni“. Und viele wollten nur deshalb mit uns befreundet sein, so kam es uns jedenfalls vor. Wir hatten überhaupt keine Privatsphäre mehr. In der Pause haben wir ständig Autogramme gegeben. Dazu kam, dass wir zum ersten Mal in unserem Leben in unterschiedlichen Klassen waren. Das war auch nicht leicht.

War das mit den getrennten Klassen nicht eure Entscheidung?
Beide: Doch. Aber es war trotzdem ungewohnt ohne Schwesterherz.
Sophia: Vor allem für Jana. Sie hatte in ihrer Klasse nur wenige Freunde.
Jana: Ja stimmt. Zum Glück sind wir jetzt wieder in einer Klasse.
Sophia: Wir haben dann nochmal die Schule gewechselt. Jetzt sind wir auf einem Kunst-Gymnasium und es ist richtig toll.

Werdet ihr immer noch erkannt?
Sophia: Jedes Jahr wieder, wenn die neuen Fünftklässler kommen, geht es wieder los!
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Wie war das denn so beim Dreh für den ersten „Hanni & Nanni“-Film?
Sophia: Es war pure Magie! Es war, als wären wir nach Hogwarts gekommen. Es war traumhaft. Wir wurden wie echte Stars behandelt.
Jana: Wir mussten nur einmal denken: „Huch, es ist etwas kalt“, sofort kamen zehn Leute mit einer Jacke  angelaufen. Auch das Spielen vor der Kamera, der Kontakt mit den anderen Kinderschauspielern und natürlich mit unseren berühmten Film-Eltern (Heino Ferch, Anja Kling, Anm. der Redaktion) war einfach toll.

Waren eure Eltern immer dabei?
Sophia: Beim ersten Teil ja. Da haben sie abwechselnd Urlaub genommen und uns keine Minute aus den Augen gelassen. Beim zweiten Teil nur noch sporadisch und beim dritten Teil kam der Papa nur am Wochenende, um uns zu holen.
Jana: Wir hatten auch einen eigenen Coach. Sie war super. Sie hat uns echt viel beigebracht.

Wenn es dort so spannend war, war die Umstellung in der Zeit danach bestimmt nicht so leicht, oder?
Sophia: Absolut! Wir haben uns erst mal überhaupt nicht zurechtgefunden. Dazu kam, dass wir ja in der neuen Schule waren und niemanden richtig kannten. Es war schon eine richtige Umstellung.

Thomas Münster (Vater): Die Zeit war auch für uns Eltern anstrengend.

Sophia: Ja, das stimmt. Ihr musstest uns auffangen. Wenn ich mir vorstelle, dass andere Kinder, die in Filmen mitspielen, keine besorgen Eltern haben, die sie wieder auf den Boden zurückholen, ist das schon hart.

Wusstet ihr beim dritten Teil, dass es der letzte „Hanni & Nanni“-Film mit euch werden würde?
Sophia
: Wir haben es geahnt. Trotzdem war es ganz furchtbar. Nach dem dritten Teil bin ich in ein ganz tiefes Loch gefallen. Ich habe mich so sehr dahin zurückgesehnt. Hier war plötzlich alles langweilig und blöd. Mir ging es lange
Zeit richtig schlecht.

Jana: Ja, wir hätten sehr gerne noch weitergemacht.

Wart ihr enttäuscht, als ihr gehört habt, dass Hanni und Nanni jetzt nochmal neu verfilmt wird, mit anderen Mädchen in den Hauptrollen?Beide: Ja! Sehr!

Jana: Unsere Fans bleiben uns ja trotzdem treu. Und die neuen „Hanni und Nannis“ werden eine andere Generation Fans haben.

Sophia: Das einzig Gute, was sich vielleicht daraus ergeben wird, ist, dass die Agenturen endlich vergessen, dass wir „Hanni und Nanni“ gespielt haben. Es war danach nämlich wirklich schwierig, andere Rollen zu bekommen. Wir mussten sogar die Agentur wechseln. Es kamen einfach keine Angebote mehr.

Vater: Man hat richtig gemerkt, die Filmszene dachte: die beiden sind die Gesichter von Hanni und Nanni, die kann man nie wieder anders besetzen. Jetzt sind die Mädchen bei einer neuen Agentur und seit dem Wechsel kommen auch wieder richtig viele Casting-Anfragen. Allerdings musste ich auch Anfragen absagen, die einfach nicht zu Jana und Sophia gepasst haben. Sophia hatte ja bereits in der ZDF-Produktion „Die Holzbaronin“ mitgespielt und das war für sie ein erster Eindruck, wie hart das Film-Business wirklich sein kann. Das war nämlich kein „rosa-hellblauer“-Kinderfilm und entsprechend stressig ging es am Set zu.

Sophia: Es war trotzdem eine wunderbare Erfahrung.

Ist die Schauspielerei euer Berufswunsch?
Sophia: Definitiv! Wir wollen beide Schauspiel und Regie studieren. Es ist unser Traum!

Vater: Wir unterstützen die beiden da auch total. Wir sind eine Künstler-Familie, wir spielen alle Instrumente und meine Frau malt. Unser einzige Bedingung ist: ein gutes Abitur! Danach unterstützen wir sie bei allem, was sie sich
wünschen. Auch wenn es nicht klappt. Dann fangen wir sie auf. Etwas „Ordentliches“ können sie später immer noch machen (lacht).

Stichwort Musik: Ihr habt ja inzwischen auch euren ersten eigenen Song aufgenommen („I Love to Dance“) und du, Sophia hast ein Buch geschrieben und veröffentlicht*. Außerdem habt ihr gerade in Ludwigshafen in einem Musical mitgespielt. Dann noch zu den Castings fahren… wie schafft ihr das alles neben der Schule?

Jana: Wir haben einfach total Spaß daran und man muss es nur wirklich wollen.

Was würdet ihr denn Kindern raten, die unbedingt zum Film oder auf die Bühne wollen?

Sophia: Dranbleiben. Nicht erwarten, sofort ein Star zu werden. Sich erst mal um Komparsen-Rollen bewerben, sich eine kleine Vita aufbauen. Einfach immer weiter dranbleiben.

Jana: Und wenn es nicht klappt, nicht zu enttäuscht sein. Das Leben geht trotzdem weiter.

Sophia: Im Nachhinein denke ich, für uns wäre es auch leichter gewesen, wenn wir nicht schon mit elf den größten Erfolg bisher gehabt hätten. Wir waren richtige Kinder-Stars, wir haben wie in einer Zuckerwattewelt gelebt, einen Bambi gewonnen… Andere arbeiten da eine Leben lang daraufhin.

Vater: Auch die Eltern müssen sich klarmachen: Der plötzliche Erfolg ist nur eine Momentaufnahme im Leben der Kinder. Da müssen auch die Eltern aufpassen, nicht die Bodenhaftung zu verlieren. Sonst fallen anschließend alle in ein tiefes Loch und es ist niemand da, um die Kinder erst mal wieder aufzufangen. Denn, nach den Dreharbeiten wieder in die Schule zu gehen, oder den Müll rauszubringen (lacht) war für die beiden schon eine echte Umstellung. Zum Glück sind wir eine bodenständige Familie. So haben wir das – alle gemeinsam – echt gut hinbekommen.

Interview: Bettina Wolf // Fotos: Alexander Scheuber

Jana und Sophia Münster findet ihr auf Facebook: facebook.com/janasophiamuenster und auf  Instagram: www.instagram.com/janaundsophiamuenster_official

Die CD (I Love To Dance) und das Buch (Im Schattenspiel des Mörders, Casimir Verlag) gibt es unter: www.tomton-studios.de/shop

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Verlosung!
Weihnachten ist zwar schon vorbei, aber wir haben trotzdem Geschenke für euch! Jana und Sophia haben uns zwei CDs ( I Love To Dance, handsigniert) zur Verfügung gestellt, jede Menge Autogrammkarten und zwei Exemplare von Sophias erstem Buch: „Im Schattenspiel des Mörders“. Wer also eine dieser Fan-Artikel gewinnen möchte*, schreibt eine Mail an: gewinnspiel@stadtlandkind.info. Betreff: Hier muss jetzt rein, was genau gewonnen werden möchte! Also: Buch, CD oder Autogrammkarte. Bitte nur ein Item pro Mail angeben! Viel Glück! Es werden Benachrichtigungen bis zum 25. Januar 2017 berücksichtigt.

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*Teilnahmebedingungen: Teilnahme ab 18. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Mitarbeiter des Unternehmens dürfen nicht teilnehmen. Der/die Gewinner wird/werden per Los ermittelt. Der/die Gewinner wird/werden per Mail benachrichtigt. Dieses Gewinnspiel steht in keinem Zusammenhang mit Facebook oder anderen sozialen Netzwerken und wird in keiner Weise von Facebook gesponsert, unterstützt oder organisiert. Die personenbezogenen Daten der Teilnehmer werden nur für die Durchführung des Gewinnspiels und der Preisauslieferung genutzt. Die personenbezogenen Daten werden nicht veröffentlicht und nicht an Dritte weitergegeben oder verbreitet.

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