Wenn Tentakel Trost spenden

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Häkeln für Frühchen oder wie aus einem kleinen Zufall ein bemerkenswertes Projekt wurde.

In Deutschland werden fast zehn von 100 Kindern zu früh geboren. Pro Jahr sind das rund 63.000 Kinder, die vor der 37. Schwangerschaftswoche auf die Welt kommen. Nicht alle, aber manche von ihnen müssen die ersten Tage oder Wochen ihres Lebens in einem Brutkasten im Krankenhaus verbringen. Sie werden künstlich ernährt und beim Atmen unterstützt. Für diese kleinen Wesen bedeutet ein solcher Start ins Leben Stress pur. Statt im Mutterleib gut geschützt, geborgen und mit der Nabelschnur verbunden zu sein, überwachen und versorgen Schläuche und eine künstliche Umgebung das winzige Leben. Die Kinder sind so zart, dass es nicht einmal Anziehsachen für sie gibt. Es gibt zahlreiche Initiativen, die für Frühchen stricken oder häkeln, damit sie etwas zum Und dann gibt es auch noch die Initiative, die kleine Tintenfische für die Kinder häkelt. Zur Beruhigung. Und es funktioniert.
Die Geschichte: Im Februar 2013 hat eine Frau in Dänemark einen kleinen Tintenfisch für ein viel zu früh geborenes Baby gehäkelt. Dieser kleine Tintenfisch wurde zu dem Baby in den Brutkasten gelegt und war der Auftakt zu einem beeindruckenden Projekt. Der Tintenfisch hatte nämlich einen ganz faszinierenden Effekt: Er wirkte sich beruhigend auf das Kind aus und nicht nur auf dieses, sondern auch auf andere Frühgeborene. In Dänemark war schnell ein schönes Projekt entstanden, das in kürzester Zeit seinen Weg in andere
Länder fand. Mittlerweile werden in Schweden, in Norwegen, Island, auf den Färöer Inseln, in Belgien, in den Niederlanden, Italien, Kroatien, Australien, in den amerikanischen Staaten Kalifornien und Miami sowie in Israel und Palästina kleine Tintenfische nach dem dänischen Vorbild gehäkelt.

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Tentakel erinnern an die Nabelschnur

Nicole Wortmann aus Havixbeck bei Münster hat das Projekt nach Deutschland geholt. „Es funktioniert wirklich“, ist die 34-Jährige überzeugt. Atmung und der Herzschlag der Kinder werden regelmäßiger und der Sauerstoffgehalt in ihrem Blut steigt an. Außerdem ziehen die Kinder nicht mehr so oft an den vielen Schläuchen. „Vermutlich ähneln die Tentakel der kleinen Tintenfische der Nabelschnur, an denen die Kinder sich im Mutterleib festgehalten haben“. Eigentlich hat Wortmann keine Langeweile in ihrem Leben. Sie ist voll berufstätig, hat eine kleine Tochter, einen Mann, einen Hund und einen Haushalt. Sie wollte aber gerne noch etwas Gutes tun. „Das klingt jetzt so hochgestochen“, wiegelt sie gleich lachend ab und sagt, dass „sie lieber im Hintergrund bleiben möchte“.

Die Idee stammt ursprünglich aus Dänemark

Die junge Mutter ist durch Zufall auf das Projekt gestoßen. Wortmanns Mutter stammt aus den Niederlanden und auf einer Niederländischen Facebook- Seite hat sie die Tintenfische entdeckt. „Meine Cousine unterstützt mich beim Häkeln und bei der Organisation. Mein Bruder hat unsere Homepage gestaltet, meine Mutter hat die Anleitung für unsere Internetseite aus dem Holländischen übersetzt. Meine Tante kann super häkeln, die hat uns die ersten Tintenfische gehäkelt und uns das wieder beigebracht.“
Wortmann war keineswegs eine begeisterte Handarbeiterin, „Ich hatte zuletzt in der Grundschule gehäkelt. Einen Topflappen. Und ich habe es gehasst.Den ersten Tintenfisch habe ich frustriert in die Ecke geworfen, aber inzwischen kann ich es richtig gut“, lacht sie.

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Insgesamt wurden durch die Initiative schon über 150 Tintenfische verteilt. Natürlich bleiben die kleinen Gesellen auch wenn die Kinder nach Hause dürfen bei ihren Besitzern. Ein Leben lang. Das Universitätsklinikum Münster hat als erstes deutsches Krankenhaus im vergangenen Sommer mit der Verteilung der kleinen Tintenfische begonnen. Inzwischen sind auch die DRK Kinderklinik Siegen und seit Januar 2015 ist das Evangelische Krankenhaus Bethanien Iserlohn mit dabei. Wortmann hofft, dass zahlreiche Kliniken folgen werden. Sie nimmt nicht selber Kontakt zu den Kliniken auf und bitte auch dringend darum, das zu vermeiden. Interessierte Krankenhäuser sollen selber Kontakt per E-Mail zu ihr
aufnehmen. Mitmachen kann aber jeder, der häkeln oder stricken kann. Außerdem werden vor Ort Ansprechpartner für die Kliniken benötigt. Aber Achtung: Keinesfalls sollte man selber Tintenfische in die Kliniken bringen. Es ist ganz wichtig, dass die kleinen Tintenfische strengen Sicherheitsvorgaben entsprechen, damit die Kinder nicht gefährdet werden. Sie werden daher genau geprüft, sie werden bei 60 Grad gewaschen, mit einer Anleitung versehen, verpackt und dann erst an die Kliniken weitergegeben.

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shy // Fotos: Nicole Wortmann

 

Kontakt:
info@kleine-tintenfische.de

Zur Anleitung geht es hier:

http://kleine-tintenfische.de/

 

 

7 Kommentare zu “Wenn Tentakel Trost spenden

  1. Guthier, Michaela

    Hallo,
    auch ich möchte euch helfen und kleine Tintenfische häkeln. Da ich in der Nähe von Heidelberg wohne könnte ich sie doch für die Frühchenstation in HD machen.
    Eine Antwort von Euch würde mich freuen.
    Mit freundlichen Grüßen,
    Michaela Guthier

    • Sonja Tretter

      Da würde ich mich anschl.
      Wohne ebenfalls in der Nähe von Heidelberg

  2. Claudia

    Unsere beiden Mädels (Frühchen und Zwillinge) haben die Tintenfische im Südklinikum Nürnberg bekommen und statt sich ständig die Magensonde zu ziehen hatten sie dann die Tentakel in der Hand und auch heute 6 Monate später spielen sie noch gerne damit. Vielen Dank an alle Fleißigen.

  3. Gabi

    Hallo,ich würde mich auch gern an diesem Projekt beteiligen.
    Ich nähere Informationen ,was zu beachten ist,bestimmte Wolle etc.
    Die Anleitung kann ich auch nicht finden.
    Über eine Antwort wäre ich sehr dankbar.
    L.G.
    Gabi

  4. Gabi

    Hallo,ich würde mich auch gerne an dieser Aktion beteiligen.
    Ich wäre sehr dankbar über mehr Information was für Wolle u.s.w. ,was noch zu beachten ist.
    Ich wohne in Bremen u. könnte für die Frühchen in HB häkeln.
    L.G. Gabi B.

  5. Katha

    Vielen Dank für das Projekt!
    Unsere Tochter hat einen Oktopus aus Siegen. Weil sie gerade UV-Therapie bekam, als er bei ihr einzog, sogar einen mit Sonnenbrille :-)
    Er war ihr erstes Geschenk und wir haben uns wirklich sehr über diesen persönlichen Touch gefreut.

    P.S.: Der Link zur Anleitung funktioniet auch für mich nicht.

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