Wie mein Kind einmal (mehr) so richtig krank war und ich trotzdem arbeiten musste/wollte

skalBlogkrank1Liebe S. ,

hach, worüber hätten wir in letzter Zeit alles bloggen können: #Impfen! #Familienbett! #regrettingmotherhood! #regrettingeinfachalles usw …  Wie schade, dass wir noch andere Jobs haben, die uns die Zeit zum Bloggen stehlen.

Einer dieser Jobs ist natürlich das Muttersein.  Du weißt, ich liebe es. Ich bin verrückt danach, Mutter zu sein. Wirklich. Was ich nicht liebe, ist nachts (#Familienbett) vollgekotzt zu werden. Oder angepinkelt – (die Phase  ist ja zum Glück vorbei).

Was ich aber noch weniger liebe als durchwachte Nächte, für die kein krankes Kind etwas kann, sind die Kommentare am nächsten Tag, wenn ich zur Arbeit gehen muss („will“).

Er: Aber dem Kind geht es doch richtig schlecht!
Ich: Ja, stimmt. Ich war die ganze Nacht mit ihr wach. Jetzt muss ich los, das Heft muss fertig werden.

Er: Wieso heute? Dem Kind geht es schlecht. Wieso muss das Heft ausgerechnet heute fertig werden? („Subtile“ Unterstellung, die Druckerei, der Vertrieb, die Geschäftsleitung könnte sich ja völlig frei nach mir und den Kindern richten). Immer muss ich mir frei nehmen, wenn die Kinder krank sind.

(Das ist natürlich gelogen)

Ich: (will in Rufnähe des kranken Kindes nicht brüllen und muss deshalb versuchen ruhig zu antworten): Das stimmt so nicht. Und ich würde heute auch lieber mein krankes Kind pflegen. Es geht aber nicht anders.

Fahre zur Arbeit.

Komme an, schaue aufs Handy. Zwei verpasste Anrufe.

Rufe schnell zurück, noch bevor ich den PC hochfahren konnte. Während ich am Handy die Nummer wähle, schrillt mein Redaktionstelefon.

Ich: Was ist denn los?? Alles okay?

Er:  Dem Kind ging es eben seeeeeehr sachlecht und ich konnte dich nicht erreichen. Hättest Du vielleicht die Güte, das Handy anzulassen. Oder wo soll ich dich erreichen, wenn es dem Kind wieder so schlecht  geht wie eben?

Ich: Wie Du weißt, fahre ich 30 Minuten zur Arbeit und habe wohl den Anruf im Auto verpasst. Jetzt hast Du mich ja erreicht.

Er: Ach so, ich dachte du musstest so schnell hier los, weil du so vieeeeel arbeiten musst. Und dann fängst Du jetzt erst an?

Ich: Ist das da deine Mutter im Hintergrund?

Er:Ja, ich habe sie angerufen. Zum Glück ist sie gleich gekommen,  um zu helfen und den Hund zu holen. Aber jetzt finden wir die Leine nicht. Wo hast Du sie hingelegt?

Ich: Such doch  da oder da oder da

Er: Immer räumst Du alles weg! Nie finde ich etwas!

(Gekruschtel, Gesuche , Getuschel im Hintergrund. Dann wird einfach aufgelegt)

Wohltuende Stille. Zwei Stunden kann ich ungestört  arbeiten.

Dann muss ich kurz in ein anderes Stockwerk. Zur Technik. Etwas besprechen. Zwei verpasste Anrufe (Redaktionsanschluss) bei meiner Rückkehr. Eine sms: Warum rufst Du nicht mal an. Das Kind will mit dir sprechen.

Ich:  Versuche zurückzurufen. Keiner geht ran. Sind alle im Krankenhaus? Muss zeitgleich der Notarzt reanimieren?

Ich versuche weiterzuarbeiten und nicht vor Wut in die Tastatur zu beißen. Fühle mich wie eine Rabenmutter und ärgere mich, dass ich Deutsche bin und deshalb diesen Ausdruck kenne.

Niemand ruft mich mehr an. Ein schönes Gefühl.

Arbeite in Ruhe.

Oh je, schon so spät?! Schnell nach Hause!

Du kannst dir das Chaos bei meiner Rückkehr vorstellen. Das immer noch kranke Kind schaut gerade den dritten „Barbie-Film“, der Hund hatte offensichtlich die Möglichkeit, einen meiner neuen Pumps zu zerfetzen und ER ist hochzufrieden. Natürlich mit sich. „Was Du immer hast, ist doch alles kein Problem. Wir hatten einen soooo entspannten Tag!“

 

Bis bald,

Deine …  

 

 

 

4 Kommentare

Bei so Frauen wie dir, frage ich mich immer. Warum habt ihr Kinder bekommen? Geht doch einfach Arbeiten ohne Kinder. Ein Kind ist kein Statussymbol. Sondern eine Lebensaufgabe. Ein Kind benötigt volle 100%ige Aufmerksamkeit. Wenn dir die Arbeit wichtiger ist als dein Kind. Dann bekomme keine Kinder. Es ist so einfach. Dein Kind tut mir unendlich leid.

Ihr bleibt also zu zweit zu Hause wenn einer eurer Sprößlinge krank ist?

Schlimmer ist es, wenn man alleinerziehend ist und keine andere Wahl hat, weil es dem Chef an Verständnis mangelt (schon wieder Scharlach? Das bekommt man doch nur 1x..)

Liebe Kat, da hast Du vollkommen recht! Unsee Hochachtung gilt allen Alleinerziehenden, die Beruf und Kinder ohne Unterstützung bewältigen. Liebe Grüße aus der Redaktion!

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