„Wir Menschen sind Traglinge“

1479651398Warum Babys tragen? Die Muskulatur von Träger und Kind wird trainiert, die motorische Entwicklung und die Hüftreifung der Babys wird gefördert,  die Bindung zwischen beiden verstärkt sich automatisch, das Kind hat den Körperkontakt, den es, besonders am Anfang, so dringend braucht. Und das tragende Familienmitglied hat trotzdem die Hände frei.

Tief im Odenwald liegt der kleine Ort Rimbach-Mitlechtern. Hier versteckt sich seit einigen Monaten in einem ganz normalen Einfamilienhaus die Trageberatung Herzwärme. Eigentlich ist Mona Maxeiner ja Steuerfachangestellte. Und eigentlich wäre sie gerne Hebamme. Doch mit der Geburt des ersten Sohnes wurde ihr klar: „Ich will etwas mit Kindern machen.“ Um in der Nähe der Großeltern zu sein, zog die Familie aus Hamburg in den Odenwald.  Dieser räumliche Neuanfang war auch der Startschuss für eine berufliche Orientierung der zweifachen Mutter. Und wieso Trageberaterin? Brauchen Eltern überhaupt eine Beratung, eigentlich ist das Tragen des Babys doch etwas ganz Natürliches, Normales, dachten wir.

Liebe Frau Maxeiner, warum brauchen Eltern eine Trageberatung?

Nicht alle Eltern brauchen sie, bei manchen Kindern klappt das Tragen ganz automatisch. Und einige, ganz wenige Kinder, möchten auch gar nicht getragen werden, sondern liegen lieber im Kinderwagen. Aber das sind echte Ausnahmen und meist liegen hier Blockaden in der Wirbelsäule vor, die sich behandeln lassen. Denn eigentlich ist jedes Kind gerne bei seinen Bezugspersonen. Manchmal ist es so, dass die Eltern mit den Tüchern oder Tragehilfen nicht zurechtkommen. Oder, dass sie sich im Laden etwas kaufen, die Trage aber nicht wirklich ausprobieren können. Die Tragehilfe muss zu dem Baby passen. Manche Kinder mögen manche Bindetechniken überhaupt nicht und weinen. Eine Trageberatung kann hier Abhilfe schaffen und vor Fehlkäufen schützen.

Wie genau können wir uns so eine Trageberatung vorstellen?

Ich habe in meinem Beratungsraum ca 14 verschiedene Tragehilfen und verschiedene Tragetücher, die die Eltern hier  ganz in Ruhe ausprobieren können. In einem kurzen Theorieteil erzähle ich ein paar wissenswerte Dinge über die kindliche Anatomie und über unseren natürlichen Bedürfnisse und in der Praxis zeige ich wie sich eine Tragetuch binden lässt und übe es gemeinsam mit den Eltern. Bei Tragehilfen testen sich die Familien durch mein Sortiment und wir sehen welche Tragehilfe am ehesten passt. Wenn ich einen Hausbesuch mache bringe ich sämtliches Material mit. Nach jeder Beratung erhalten die Familien ein Infopaket mit Broschüren, Flyern und eine Email mit einem geeigneten Video zum üben.

Man sieht immer mehr Papas, die mit ihren Babys in Tragehilfen unterwegs sind …

Das stimmt glücklicherweise. Deshalb ist es auch so wichtig, das richtige Modell zu finden, das zum Beispiel auch zu den unterschiedlichen Körpergrößen der Familienmitglieder passt. Meine Söhne werden übrigens sogar vom Opa im Tragetuch getragen.

Was muss man in jedem Fall beachten? Sollte das Baby eine Mindestgröße haben?

Nein, ein Baby kann immer getragen werden. Im Tragetuch sowieso. Bei Tragehilfen gibt es einige Modelle, die ab Geburt wunderbar geeignet sind. Diese lassen sich dann dementsprechend auf die Größe des Kindes anpassen. Es sollte darauf geachtet werden, dass die natürlich Rundung der Wirbelsäule möglich ist und sie dennoch gut gestützt wird. Wenn die Beinchen schön angewinkelt sind unterstützt man zusätzlich die Reifung der Hüfte. 

Es gibt Hebammen und Kinderärzte, die davor warnen, das Kind mit dem Gesicht nach vorne zu tragen.

Wenn das Baby so getragen wird ist es sämtlichen Reizen ausgesetzt und hat keinen Rückzugsort. Solange es aber für Kind und Träger bequem ist und die Eltern dein Eindruck haben, dass das Kind zufrieden ist, ist es in Ordnung. Die wenigsten Eltern tragen in dieser Position über Stunden hinweg, da es oft schnell unbequem wird.
Manche Eltern haben Angst, dass sie das Kind durch den engen Körperkontakt zu eng an sich binden … es dadurch nicht mehr alleine einschlafen kann ect. 

Ein Kind darf und soll doch auch eng an seine Eltern gebunden sein. Es ist darauf angewiesen, die Wärme und Geräusche und Bewegungen der Eltern zu spüren und zu hören. Außerdem ist es nicht nur für die Kinder schön, auch für die Eltern ist das Tragen eine praktische Erleichterung. Sie haben nämlich die Hände frei um auch mal etwas für sich zu machen oder aufzuräumen ect. Das Baby die erste Zeit am Körper zu tragen ist eigentlich die natürlichste Sache der Welt. Wir haben sie nur im Laufe der Zeit verlernt und auch deshalb gibt es Trageberatungen.

bw // Fotos: Herzwärme

Eine bundesweite Übersicht sämtlicher Tageberatungsstellen gibt es hier: tragenetzwerk.de

 

Übrigens:

1. April gibt Mona Maxeiner  im „Freiraum“ in Fürth einen Workshop zum Thema Tragehilfen. Bei diesem Workshop können ca 15 verschiedene Tragehilfen der unterschiedlichsten Firmen ausprobiert werden –  natürlich mit Baby. Dann kann gemeinsam entschieden werden, in welchem Modell das  Baby am liebsten getragen wird. Dieser Workshop eignet sich für alle Familien. Schwangere sollten mit dem Testen von Tragehilfen warten bis das Baby geboren wurde.

Am 29. April findet einWorkshop zum „Tragen im Tuch vor dem Bauch“ statt.  Ebenfalls im „Freiraum“ in Fürth.

Alle weiteren Workshop-Termine und  Infos rund ums Tragen unter: herzwaerme-Odenwald.de

Mona Maxeiner, Im Eichwäldchen 12, 64668 Rimbach-Mitlechtern, 0176 24545386,  06253 9475925, Info@herzwaerme-odenwald.d

 

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