„Wir“

„Wir“ des russischen Revolutionärs und Schriftstellers Jewgenij Samjatin spielt im ´Vereinigten Staat´, einem Gebilde, das nach einem 200-jährigen Krieg und der „allerletzten Revolution“ entstand. Der Bürger D 503 lebt ein geordnetes Leben. Er wohnt wie alle anderen in der Stadt, die durch eine Mauer vom Rest des Planeten getrennt ist. Er hat, ebenfalls wie alle anderen, eine gläserne Wohnung und lässt sich sein Leben durch strenge Gesetze bestimmen. So gibt es eine Zeit zum Arbeiten – D 503 ist Konstrukteur des Raumschiffs Integral – eine Zeit zum Schlafen, zum Spazierengehen, zum Freunde treffen und zur Erholung. Dabei wird alles kontrolliert und das Kollektiv zählt mehr als der Einzelne.

Über allem steht der Wohltäter, eine fast gottgleiche Gestalt, die über das sogenannte Wohl seiner Untertanen wacht und in mehr oder weniger freien Wahlen immer wieder vom Volk bestätigt wird. Und der hat alles im Blick. D 503 trägt seinen Teil zum geordneten Leben bei: bis er I 330 kennenlernt. Sie ist ganz anders, hat Ideen und Gedanken, die fremd, unrecht und gleichzeitig doch auch irgendwie verlockend für D 503 klingen. Plötzlich regt sich etwas in ihm. Gefühle? Sehnsucht? Fantasie? Sein Leben gerät durcheinander.

Die Regisseurin und Leiterin des Jungen Theaters Heidelberg sagt über die Auswahl bzw. Bearbeitung des Romans: „Heutzutage ist manches, was sich Samjatin 1920 ausgedacht hat, fast Wirklichkeit geworden. Das Leben scheint immer berechenbarer zu sein – zumindest suggeriert das die Digitalisierung –, und wir geben Freiheiten zu Gunsten einer vermeintlichen Sicherheit ab. Die gläserne Welt, von der Samjatin spricht, ist keine Besonderheit mehr. ´Wir´ bietet eine spannende Geschichte über Liebe und Revolution in einem totalitären Staat und ermöglich damit auch eine Auseinandersetzung mit unserer ´gläsernen Welt´.“

Natascha Kalmbach hat sich für einen interdisziplinären Zugang zu dem Stoff entschieden. Die Choreografie gestaltet die Italienerin Francesca Imoda, die schon die Tanzeinlagen von „Blutrote Schuhe“ erarbeitete und als choreografische Assistenz an Nanine Linnings Erfolgsproduktion „Khôra“ beteiligt war. Annette Wolf, die zuletzt für die Inszenierung „Der Froschkönig“ Probebühne gegen Freilicht-Location tauschte, ist für das Bühnenbild sowie die Kostüme zuständig. Die Musik bzw. Komposition steuern Lukas Brehm und Jonas Pentzek bei. Es spielen: Alina Müller, Lea Wittig, Massoud Baygan, Marcel Schubbe, Stefan Wunder.

Weitere Informationen und Tickets: theaterheidelberg.de; 06221 5820000. Am Sonntag, 15. April, findet um 17 Uhr – neben zahlreichen weiteren Terminen – eine weitere Nachmittagsvorstellung statt; eine gute Gelegenheit also, einmal mit der ganzen Familie den Zwinger 3 zu besuchen!

 

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