StadtLandKind. | Ausgabe 1/2019

Familienleben 6 kein Knabberzeug mehr zu kaufen und stattdessen Kekse und Chips nur noch selbst zu machen, waren meine Mädels nicht sehr begeistert“, nennt Sabine ein Beispiel. Ihr Fazit nach anderthalb Mo- naten Müllvermeidung: „Es ist anstren- gend. Vom Einkauf bis zum Kochen muss alles viel besser geplant sein als vorher.“ Für Spontan-Einkäufe gilt es, immer Beutel oder Dosen dabei zu ha- ben. „Mein Mann ist da schon besser als ich“, hat Sabine festgestellt. Beson- ders gut vorbereitet muss der Gang in den Unverpackt-Laden sein. Immer mehr dieser Lebensmittelgeschäfte, die komplett auf Verpackungen verzichten, eröffnen in der Region: Vom Müsli über die Schokolade bis zum Spülmittel fül- len die Kunden hier alle Waren in mitge- brachte Behälter ab – das ist nicht nur völlig ungewohnt, sondern auch deut- lich zeitaufwändiger. „Die Strukturen, in denen wir leben, sind nicht auf Nachhaltigkeit ausge- legt. Wer sich nachhaltig verhalten will, muss ausscheren aus dem Strom“, bestätigt Viola Muster. Beim ConPo- licy-Institut für Verbraucherpolitik be- fasst sich die Sozialwissenschaftlerin mit Verbraucherverhalten und nachhal- tigem Konsum. Eine Schwierigkeit sind in ihren Augen die fehlenden Anreize. Viola Muster: „Wer sich nachhaltig ver- hält, bekommt keine unmittelbare Be- lohnung dafür.“ Außer vielleicht den Stolz auf das schon Erreichte. „Als wir angefangen haben, von Plastik- auf Glasflaschen umzustellen, dachten wir erst, das geht nicht. Aber es funktioniert – schon seit über einem Jahr“, berich- tet Laura Engel-Rieger. Sie hat festge- stellt: Ist man erst einmal sensibilisiert, kommt man von einem Thema zum nächsten. Den Weg hin zu einem nach- haltigeren Konsumverhalten betrachtet sie ebenso wie Sabine Rath als Heraus- forderung. Einen Zwang jedoch will kei- ne der beiden Mütter daraus machen. So liegt bei den Raths nach wie vor eine Sicherheits-Fertig-Pizza im Gefrierfach. Und Laura und Ruben wissen zwar, dass sie sich beim Thema Autofahren noch weiter einschränken könnten, aber, so Laura, „so weit hat Leni uns noch nicht.“ „Wenn man die Sache zu dogmatisch angeht, schlägt die familiäre Zustim- mung schnell in Ablehnung um“, be- fürchtet Sabine. Stück für Stück will sie den Weg weitergehen und jeden Schritt im Familienrat besprechen. Als nächs- tes steht das plastikfreie Bad auf ihrer Liste. Auch Leni bleibt ihrem Vorsatz treu und verbessert die Welt in kleinen Schritten – mit Stoff- statt Papierservi- etten, selbst getrocknetem Heu für die Kaninchen und mit vielen Denkanstö- ßen für ihre Freunde und Familie. Und von Ruben Engel, der als Medienanwalt tätig ist, kam zur Überraschung der gan- zen Familie der Vorschlag, in Zukunft möglichst auf Fleisch zu verzichten. Ob diese kleinen Veränderungen im Konsumverhalten tatsächlich etwas be- wirken? Viola Muster zögert. Entschei- dend für die Ökobilanz von Familien sind der Forscherin zufolge die Themen Mobilität und Wohnen – doch gerade in diesen Bereichen konsumieren insbe- sondere die gut ausgebildeten Gutver- diener viel zu viel. Wer etwas bewegen wolle, müsse daher an diesen Punkten ansetzen. „Auch wenn’s weh tut“, so Viola Muster. npo // Fotos: sho Sabine Rath, Heidelberg „Das Familienleben umzustellen ist anstrengend, aber wir bleiben dran“ Welt-Retten für Einsteiger Glas statt Plastik, Putzmittel selber herstellen, Bienenwachstücher statt Alufolie… Na klar, wir könnten alle noch viel mehr tun. Aber irgendwo muss man schließlich anfangen. Tipps für den Einstieg in einen nachhaltigeren Familien-Alltag – erprobt und garantiert durchhaltbar jetzt auf www.stadtlandkind.info/weltretten-fuer-einsteiger/ Probiert – funktioniert

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