StadtLandKind. | Ausgabe 3/2019

16 Familienleben Was also tun? Wie geht es hier weiter? Eine Ergotherapie bei einer verständnisvollen Therapeutin (auch das ein Kennzei- chen für hochsensible Kinder: die Beziehung zu den Menschen muss passen), brachte etwas Besserung. Dennoch schränkt sie dieser „Zustand“ bis heute stark in der Leistungsfähigkeit ein. Und Leistung wird nun einmal von Kindern gefordert, spätestens in der Schule. Das Kürzel ‚HSP‘ (‚Highly Sensitive Person‘) wurde in den 90er-Jahren von der US-amerikanischen Psychologin Dr. Elaine Aron geprägt und fand inzwischen Eingang in die deut- sche Sprache (als Kürzel für ‚Hochsensible Person‘). Dr. Elaine Aron (hsperson.com ) beschrieb das Phänomen als erste wissenschaftlich, bis heute ist sie maßgeblich an der Forschung beteiligt. „Sensory processing sensibility“ wird nur unzureichend mit dem deutschen Begriff der Hochsensibilität übersetzt, die eine besondere Form der neuronalen Reizver- arbeitung beschreibt. Jedes 5. Kind gilt heute als hochsensibel. „Burn-Out war gestern, jetzt ist Hochsensibilität als Diagnose im Kommen“, titelte die FAZ vor einiger Zeit. Und kommt zu dem Schluss: Probleme hochsensibler Menschen seinen „First World Problems“. Googelt man hochsensibel, fällt schnell auf, wie gering die Auswahl der wissenschaftlichen Forschungsarbeiten weltweit ausfällt. Und dass, obwohl angeblich ein Sechstel aller Menschen hochsensibel ist. Umso zahlreicher die Ratgeber von Betroffenen und von Bestellerau- toren; Therapeuten haben sich auf diesen Bereich spezialisiert und Coaches bieten Training an. Die wenigen Studien, die es gibt, wagen den Hinweis: die Gene sind mitverantwort- lich. Hochsensible Kinder haben also auch mindestens ein hochsensibles Elternteil. Schuld sei, so die Forschung, der Thalamus, der Hauptteil des Zwischenhirns, der Reize leichter als störend bewertet als bei normalsensiblen Menschen. Das Gehirn schlägt also Alarm, auch wenn gar keine Gefahr droht. Drei Merkmale zeichnen hochsensible Kinder laut aktueller Forschung aus: Sie haben eine geschärfte Sinneswahrneh- mung, neigen zu emotionaler Überlastung und verfügen über große ästhetische Sensibilität. Es muss also nicht nur negativ sein, zu empfindlich zu sein. Voraussetzung für ein gesundes und selbstbewusstes Leben ist, dass hochsensible Kinder lernen, ihre Grenzen zu erspüren und zu verteidigen. bw // Foto: Istock Is mei Kin hochsensibe ? Noch ist es schwer, speziell ausgebildete Therapeuten, Ärzte und Psychologen zu finden, die sich mit hochsensiblen Kindern auskennen. Wir haben einige Anlaufstellen in der Region gefunden, die Eltern erste Hilfe und Orientierung geben können: Hier finden Eltern Unterstützung Die kleinen Tanzbären Die Kurse der richtet sich an Kinder, die Spaß an Musik haben. Durch immer wiederkehrende Abläufe, aber auch wechselnde Komponenten, bleibt der Kurs immer interessant Auch hochsensible und gefühls- starke Kinder sind hier gut aufgehoben. www.kleine-tanzbaeren.de Ergotherapie Elke Kumar Für hochsensible Kinder, die oft sehr introvertiert sind, kann eine Ergo- therapie zur Stärkung des Selbstbewusstseins und als Hilfe der Bewäl- tigung des Schulalltags sinnvoll sein. Mehr in der ergotherapeutischen Praxis in Hirschberg-Leutershausen oder unter: w wwergotherapiepraxis-kumar.de ZeitRaum Die Weinheimer Coaching-Praxis „Zeit- Raum“ unterstützt Kinder und Jugendliche bei der Reflexintegration. Im schulfähigen Alter sollten die fühkindlichen Reflexe bewäl- tigt sein, sonst kann es zu Symptomen wie Lernstörungen, extreme Schüchternheit, Aggressivität und vielen weiteren Auffällig- keiten kommen. Mehr unter: www.zeitraum-weinheim.de Trinergy Deutschland In hochsensiblen Verhaltensweisen von Kindern sind oft „Notrufe“ zu erkennen. Trin- gery Deutschland bezieht die ganze Familie in die „Therapie“ von hochsensiblen Kindern ein. Mehr unter: www,trinergy-deutschland. Anzeige Alles nur „first world problems“?

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