Erste Online-Produktion am Jungen Nationaltheater Mannheim

Die erste Online-Produktion am Jungen Nationaltheater feiert B-Premiere

Aufgrund der hohen Nachfrage, freut sich das Junge Nationaltheater Mannheim zur B-Premiere der ersten, reinen Onlineproduktion »Qingdao – a messy archive « einladen zu dürfen. Die deutsche Kolonialvergangenheit in China ist ein Teil deutscher Geschichte, der kaum besprochen und reflektiert ist. Von 1898 bis 1914 gehörte ein Teil der heutigen Provinz Shandong im Nord-Osten Chinas als Kolonie zum Deutschen Reich.

Ein internationales Team, bestehend aus verschiedenen Künstler*innen aus Taiwan, Deutschland und China, beleuchtet für dieses Rechercheprojekt die deutsche Kolonialvergangenheit im heutigen Qingdao. Durch die Zusammensetzung des Teams, entsteht ein multiperspektivisches Bild, das eine kritische Sicht sowohl auf Deutschland als auch auf China erlaubt. Auch die Zuschauer*innen sind dazu eingeladen, eine eigene Perspektive zu finden. »Qingdao – a messy archive « ist ein kollektives Projekt, welches gemeinsam das Konzept entwickelt- und ganz bewusst auf konventionelle Strukturen verzichtet hat.

Qingdao ist heute eine Stadt mit rund 9 Millionen Einwohner*innen in dem damals besetzen Gebiet und seit 2016, nach über zwanzigjähriger Städtefreundschaft, die Partnerstadt von Mannheim. Noch heute finden sich viele architektonische und auch kulturelle Spuren der deutschen Besatzung im Stadtbild Qingdaos. Die Bühnenproben zu „Qingdao – a messy archive“, wurden zwar durch die Coronakrise unterbrochen, das Team blieb allerdings weiterhin im Kontakt und nutzte die Krise als Chance im theatralen Prozess neue, digitale Wege zu beschreiten. Anhand aktueller Technologien wurde so ein neuartiges Theatererlebnis generiert, das verschiedene Perspektiven auf die deutsche Kolonialvergangenheit in China ermöglicht.

Mit digitalen Live-Performances, Live-Gesprächsrunden über zoom und einer „messy Website“ mit Videos, Texten und Objekttheater, zu der das Publikum im Rahmen der Aufführung exklusiven Zugang erhält, wird ein Teil der kolonialen Geschichte Deutschlands und Chinas erlebbar gemacht. Das internationale Künstler*innen-Team lädt zu einer Begegnung mit Recherche-Material und den veränderten Probenbedingungen in Zeiten einer Pandemie ein. Notwendig für die Teilnahme ist lediglich ein PC oder Laptop mit Internetzugang.

»Qingdao – a messy archive « Deutsche Kolonialvergangenheit in China Von Becker / Chen / Cheng / Zehetner | ab 15 Jahren

20. Mai 2020

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