Kunsthalle Mannheim: MUTTER!

Jeder Mensch hat eine. Eine Mutter. Das verbindet uns alle „auch in Zeiten, die von Distanz und Gräben in der Gesellschaft gekennzeichnet ist“, so Johan Holten, Direktor der Kunsthalle Mannheim anlässlich der Eröffnung.

Das  Ausstellungsprojekt „Mutter!“ zeigt in Kooperation mit dem Louisiana Museum of Modern Art das Motiv Mutter, von Alten Meistern, über Werke der frühen Avantgarde bis hin zur Gegenwart. Es versammelt 150 internationale Werke, die sich den Wahrnehmungen von Mutterschaft in der Kunst widmen. Mit Werken von Egon Schiele, Pablo Picasso und Paula Modersohn-Becker bis hin zu Louise Bourgeois, Yoko Ono und Rineke Dijkstra. Ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf dem 20. Jahrhundert, das mit der Erfindung der Antibabypille und der legalisierten Abtreibung bis hin zu heutigen Rollenkonzepten zwischen biotechnologischen Möglichkeiten und queeren Familienstrukturen, deutliche Variationen in der Betrachtung von Mutterschaft provozierte.

Die Ausstellung ist vielfältig, spannend, realistisch und überaus klug inszeniert. Mütter sind hier Heilige, Monster oder auch Kindsmörderin (Jeanne Mammen).  Die Betrachter werden mit einer Installation aus Beinen (Kaari Upson), Brüsten aus Porzellan (Irmak Dönmez) oder einem merkwürdigen Tier, das einen eigenen Raum ausfüllt und verstörende Geräusche macht – ein überlebensgroßer Oktopusses mit Brüsten aus Glas, die  aufleuchten und eine schwarze Flüssigkeit absondern – konfrontiert (Laure Prouvost). Die amerikanische Pop-Diva Beyoncé inszenierte sich als perfekte Übermutter mit Zwillingen auf dem Arm und blumenumkränzt (Mason Poole).

Die Video-Installation, in der die Mutter ihren Sohn in unterschiedlichen Lebensabschnitten bespuckt (Ragnar Kjartansson) bildet einen der vielen Höhepunkte.

Yoko Ono steuerte ebenfalls ein Kunstwerk bei. Weiße Tafeln für Notizen, auf der Kinder und Mütter Nachrichten hinterlassen können.

Berührend, schrecklich, wunderschön. Die Ausstellung ist ein echtes Muss für Kunst-Fans. Übrigens: Kinder unter 14 Jahren lieber zuhause lassen!

Kunsthalle Mannheim, bis 6. Februar. Geöffnet dienstags, donnerstags bis sonntags und feiertags 10 bis 18 Uhr, mittwochs 10 bis 20 Uhr.

Einen Überblick über das Begleitprogramm (auch mit Kindern) im eigens geschaffenen „Familienzimmer“ gibt es unter: kuma.art/de/mutter

Foto: Jean Paul Goude: Die Grace Jones Show: Konstruktivistisches Umstandskleid, New York, 1979
In Zusammenarbeit mit Antonio Lopez © Jean-Paul Goude

8. Oktober 2021

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