Rendezvous der Tiger im Zoo Heidelberg

Der Zoo Heidelberg ist guter Hoffnung, dass Karis ihr Herz in Heidelberg an den Sumatra-Tiger Tebo verlieren wird. Im Mai kam die zweijährige Tigerin nach Heidelberg, wo sie ihren zukünftigen Partner Tebo bereits durch ein Schmusegitter kennenlernen konnte. Seit Ende August dürfen die beiden Tiger unter den aufmerksamen Augen der Tierpfleger zeitweise gemeinsam auf die Anlage. Die ersten Treffen verliefen sehr positiv: Karis und Tebo sind deutlich aneinander interessiert und wurden bereits beim Schmusen und Spielen beobachtet.
Das erste Rendezvous zwischen Tebo und Karis fand auf der kleinen Außenanlage statt. In den ersten Tagen trafen sie sich dort nur minutenweise, dann immer etwas länger, bis sie vergangene Woche sogar mehrere Stunden zusammen waren. Inzwischen nutzen sie dafür auch die angrenzende große Anlage. „Bei der ersten Begegnung waren beide zwar ganz schön nervös, haben sich aber gleich mit einem Pruschteln begrüßt. Das ist ein freundliches Schnauben und heißt auf Tigerisch so viel wie Hallo – wie geht’s dir?“, berichtet Revierleiter Andreas Fackel. Zeitweise hält Karis ihren Tebo noch liebevoll mit einem kurzen Fauchen auf Abstand. Darauf reagiert der Kater jedoch ausgeglichen und lässt sie in Ruhe. „Wir merken, dass beide mit der Zeit immer entspannter im Umgang miteinander werden. Letzte Woche konnten wir sogar schon beobachten, wie sie gemeinsam gespielt und geschmust haben – das sieht sehr vielversprechend aus“, freut sich Fackel.
Bei jedem Treffen beobachten die Tierpfleger die zwei Tiger besonders aufmerksam: Falls Tebo und Karis aggressiv aufeinander reagieren, könnten die Pfleger rechtzeitig mit ihrer Stimme oder durch Klatschen ablenken, um die Situation zu entschärfen. „Das mussten wir aber zum Glück bisher nicht, die zwei sind sichtlich aneinander interessiert“, erzählt Fackel.
Tiger sind von Natur aus Einzelgänger und treffen sich häufig nur zur Paarungszeit. Ein Aufeinandertreffen der majestätischen Tiere ohne ausreichend Eingewöhnungszeit kann böse Kämpfe und Verletzungen nach sich ziehen.

Damit die Zusammenführung der beiden Sumatra-Tiger im Zoo erfolgreich verlaufen kann, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein: „Ganz grundlegend ist, dass die Tiere positiv aufeinander reagieren“, erklärt der Revierleiter. „Am sogenannten Schmusegitter konnten wir das bereits beobachten: Die beiden haben sich dort oft mit einem Pruschteln begrüßt.“ Auch ihr Gehege kennt Karis inzwischen gut: Sie konnte jeden Winkel der Innen- und Außenanlagen genau erkunden und kennt Laufwege und Rückzugsorte. „Ein gutes Verhältnis zu uns Tierpflegern ist ebenfalls wichtig“, so Fackel. „In den letzten Monaten haben wir intensiv mit ihr trainiert, sodass sie nun auf Zuruf zu uns Tierpflegern kommt.“

Bis die beiden dauerhaft zusammenwohnen, wir es noch eine Weile dauern. So lange dürfen sich Tebo und Karis immer wieder unter Aufsicht treffen. Bleibt zu hoffen, dass auch die kommenden Rendezvous gut verlaufen und sich zwischen Tebo und Karis eine große Tiger-Liebe entwickelt.

Hintergrundinfo: Der Sumatra-Tiger – eine stark bedrohte Tigerunterart
Der Sumatra-Tiger ist die kleinste Unterart des Tigers und kommt ausschließlich auf der indonesischen Insel Sumatra vor. Bereits seit 1996 steht er auf der roten Liste der IUCN und gilt als „vom Aussterben bedroht“. Durch Lebensraumzerstörung und Wilderei nimmt der Bestand der Sumatra-Tiger in freier Wildbahn immer weiter ab. Obwohl die Jagd auf den Sumatra-Tiger nach indonesischem Recht verboten ist, wird der illegale Handel mit Tigerprodukten, vor allem für die traditionelle chinesische Medizin, weiterhin durchgeführt. Aktuell wird das natürliche Vorkommen der Tiere nur noch auf gerade mal 370 Exemplare geschätzt, Tendenz weiter abnehmend. Der Zoo Heidelberg beteiligt sich seit 1998 am Europäischen Zuchtprogramm für Sumatra-Tiger und trägt so zum Erhalt der Tigerunterart bei.

Fotos: Zoo Heidelberg

28. September 2018

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