Syrische Braunbären im Zoo Heidelberg lernen sich kennen

Neugierig erkundet die Syrische Braunbärin Ronja ihr neues Zuhause im Zoo Heidelberg. Die 9-jährige Bären-Dame, die Anfang September aus dem Tierpark Köthen nach Heidelberg kam, ist inzwischen regelmäßig auf der Außenanlage zu sehen. Gemeinsam mit Bär Martin soll Ronja in Heidelberg für Nachwuchs sorgen, um zum Erhalt der bedrohten Syrischen Braunbären beizutragen.

Nach und nach lernt Braunbärin Ronja ihre Umgebung im Zoo Heidelberg kennen, denn für sie ist alles noch ganz neu: Die Gerüche, die Geräusche, die Tierpfleger und vor allem ihr neuer Gefährte, Bär Martin. Durch ein Kontaktgitter können sich die beiden Braunbären im Innenbereich der Bärenanlage beschnuppern – was sie auch ausgiebig tun. „Die zwei suchen oft den Kontakt. Meist liegen sie ganz in der Nähe des Gitters, damit sie sich riechen, hören und sehen können“, berichtet Sandra Reichler, Kuratorin im Zoo Heidelberg.

Um ein Verletzungsrisiko beim ersten Treffen möglichst auszuschließen, müssen die Bären sehr behutsam aneinander gewöhnt werden. Dazu gehört neben dem Kontakt am sogenannten Schmusegitter auch, dass Ronja ihr neues Zuhause ganz in Ruhe, ohne Martins Anwesenheit, erkunden kann. Erst wenn sie das neue Areal gut kennt und beide Bären positiv aufeinander reagieren, kann ein gemeinsames Zusammentreffen auf einer Anlage stattfinden. Bis es soweit ist, sind die zwei jeweils abwechselnd auf der Außenanlage unterwegs. Bärin Ronja sorgte dort vergangenes Wochenende für eine kleine Sensation: Nach nur wenigen Tagen wagte sie den Gang über die Holzbrücke, die den älteren Gehegebereich mit der großen Anlage verbindet. Bär Martin war nach seiner Ankunft in Heidelberg im Dezember 2017 nicht so mutig. Er hatte sich für diesen Schritt fast drei Monate Zeit gelassen und benötigte viele Leckereien und gutes Zureden seiner Tierpfleger.

Die neue Bärin kam im Rahmen einer Tiermanagementmaßnahme der AG Syrischer Braunbär nach Heidelberg. Diese Arbeitsgruppe, die vom Zoo Heidelberg und vom Tierpark Köthen 2017 initiiert wurde, hat sich innerhalb des Europäischen Zuchtprogrammes für Braunbären (EEP Braunbär) auf die bedrohte Unterart Syrische Braunbären spezialisiert. Gemeinsam koordinieren der Tierpark Köthen und der Zoo Heidelberg die Aufgaben der AG: Ziel ist es, die wenigen Syrischen Braunbären, die es in Zoos noch gibt, bestmöglich zu managen. Dazu werden die genetisch am besten zueinander passenden Paare ausfindig gemacht, um sie für eine Erhaltungszucht zueinander zu bringen. Zusätzlich wird in dieser AG wichtiges Wissen über die Bären selbst und deren Haltung gesammelt. „Martin und Ronja passen genetisch gut zusammen. Nach dem Tod von Ronjas Partner Balou im August 2018 und Martins Partnerin Uschi im Mai 2018 haben wir mit den Koordinatoren der Arbeitsgruppe entschieden, mit den beiden ein neues Paar aufzubauen“, berichtet Sandra Reichler. Sie ergänzt: „Wir sind alle gespannt, wie sich die Beziehung der beiden Bären entwickelt. Bisher können wir guter Dinge sein, dass Martin und Ronja weiterhin auf Schnupperkurs bleiben – und hoffen natürlich darauf, dass sie in Zukunft für gesunden Nachwuchs bei den Syrischen Braunbären sorgen.“

Hintergrundinformationen Syrische Braunbären

Syrische Braunbären gelten bisher als Unterart des Europäischen Braunbären, obwohl die systematische Einteilung aufgrund neuer genetischer Untersuchungen noch wissenschaftlich diskutiert wird. Mit einer Körperlänge von 150 bis 260 cm und bis zu 500 kg gehören sie zu den kleineren Vertretern ihrer Art. Aufgrund ihres hellbraunen Fells werden diese Braunbären bei flüchtigem Hinsehen irrtümlicherweise auch mal mit Eisbären verwechselt. In vielen Verbreitungsgebieten sind Syrische Braunbären von der Ausrottung bedroht oder bereits ausgerottet worden.

 

Fotos: Susi Fischer/Petra Medan

 

 

11. Oktober 2018

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