Achtsamkeit im Alltag

Mit Babyschritten zu mehr Achtsamkeit

Familienkalender sind meist gut gefüllt: Sport, Musik, Ergo- oder Logopädie. Dazwischen Spielverabredungen, Arzttermine, Einkaufen. Und dann noch die bedrückenden Nachrichten aus aller Welt, die schon die Kleinsten in Unruhe versetzen. Umso wichtiger ist es, Ruhepunkte zu setzen. Das Außen abzuschalten und nach innen zu blicken. Mit Achtsamkeit ist genau das möglich, und zwar in jedem Alter…

Doch was genau bedeutet „Achtsamkeit“? Jon Kabat-Zinn, Experte auf dem Gebiet, definiert sie als bestimmte Art der Aufmerksamkeit, die absichtsvoll ist und sich auf den gegenwärtigen Moment bezieht. Etwas vereinfacht: Ich bin achtsam, wenn ich mich mit allen Sinnen im Hier und Jetzt befinde. Und das im Idealfall auch noch wertfrei. Es geht bei der Achtsamkeit also nicht darum, alles durch die rosarote Brille zu betrachten. Sondern darum, die Dinge wahr- und anzunehmen, wie sie eben sind. Im besten Fall stärkt das meine Fähigkeit, mit Herausforderungen umzugehen. Und von diesen haben gerade Familien genug zu meistern.

Seit einigen Jahren ist Achtsamkeit ein Trend. Dahinter steckt der Wunsch, bewusster und mit mehr Leichtigkeit zu leben. Unsere Welt ist komplex. Mit Achtsamkeit erfahren wir, dass wir Einfluss nehmen und gestalten können. Wir spüren, dass wir selbst wirksam werden und etwas verändern. Das macht erwiesenermaßen gelassener und glücklicher.

In einer Familie sorgt Achtsamkeit dafür, die eigenen Bedürfnisse und die der anderen Familienmitglieder klarer wahrzunehmen. Sie stärkt das Verbundenheitsgefühl, lenkt den Blick auf das Positive und gibt gleichzeitig allen Gefühlen Raum. Klingt toll? Ist es auch. Das Beste: Achtsamkeit lässt sich mit kleinen Gewohnheiten ganz einfach in den Alltag integrieren.

 

  • Mit den Augen der Kleinsten: Eine Ameisenstraße im Garten beobachten? Ein Apfelstück mit allen Sinnen genießen? Die Hände im Sand vergraben und einfach nur fühlen? Kleinkinder schenken Dingen ihre ganze Aufmerksamkeit. Machen wir doch einfach mit! Belohnt werden wir mit unzähligen kleinen Wundern.
  • Rituale: Sie können Trennungsschmerz erträglich machen, den Schlaf willkommen heißen oder Kraft für die Mathearbeit geben. Rituale sind magisch. Wunderbar stärkend kann es zum Beispiel sein, wenn jedes Familienmitglied morgens aus einem Säckchen mit positiven Glaubenssätzen einige davon zieht. Mit „Ich bin wertvoll“ oder „Mir passieren viele tolle Dinge“ startet es sich doch gleich viel besser in den Tag.
  • Dankbarkeitswand: Der Begriff der Dankbarkeit ist sehr abstrakt – besonders für Kinder. Greifbarer wird er, wenn wir als Familie eine Dankbarkeitswand gestalten, auf der alles festgehalten wird, für das wir dankbar sind. Das können ein Foto von der besten Freundin sein, eine Eintrittskarte vom letzten Familienausflug oder der Tannenzapfen aus dem Urlaub. Diese Wand darf immer weiter wachsen und so ein Ort zum Innehalten und Kraft-tanken werden.
  • Jomo oder Joy of missing out: Nichtstun ist ein Geschenk. Natürlich brennen wir aktuell darauf, mehr zu unternehmen und zu erleben. Aber viel zu schnell fangen wir an zu jagen und wollen neben der Ausstellung am Wochenende auch noch drei befreundete Familien besuchen. Von der Paarzeit ganz zu schweigen. Wie wäre es stattdessen, bewusst einen Tag der Woche nicht zu planen? Sondern in ihn hineinzuleben und uns auf die Abenteuer einzulassen, die er bringt. Sei es die spontane Kissenschlacht noch vor dem Frühstück oder der Heimkinonachmittag im Schlafanzug, weil es Bindfäden regnet.
  • Mediation: Unbedingt! In kindgerechter Sprache, mit Geschichten oder Atemübungen, die zum Beispiel hervorragend beim Einschlafen helfen. Oder dabei, die Anspannung für einen Moment loszulassen. Fündig werden Familien in der kostenlosen Basisversion der Meditations-App 7mind (7mind.de).
  • Podcasts: Auch ein Podcast kann Achtsamkeit fördern. Besonders dann, wenn er sich so großen Themen wie Selbstwert, Mitgefühl und Liebe widmet. Mira aus dem fliegenden Haus, kostenlos unter anderem auf Spotify, ist ein gutes Beispiel. Auch Eltern lernen hier noch eine Menge dazu.
  • Zuhören: Klingt banal? Ist es nicht. Es bedeutet, dem Gegenüber alle Aufmerksamkeit zu schenken. Die Gefühle anzuerkennen (ja, es kann ein Weltuntergang sein, wenn die Medienzeit beendet ist). Keine Ratschläge oder gutgemeinte Aufmunterungsfloskeln zu verteilen. Und nicht mit der eigenen Geschichte das Erzählte zu übertrumpfen. Wer das schafft, macht ein unvergleichliches Geschenk.

Übrigens: Bei der Achtsamkeit geht es nicht darum, etwas besonders gut zu machen. Viel wichtiger ist, dass wir am Ball bleiben und uns immer wieder achtsame Momente erlauben.

Tipps: Barbara Steffen // Foto: Adobe Stock

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