Abenteuer Auszug

Erster Auszug – erste Wohnung

Wie ist das eigentlich, wenn man auszieht? Für mich war das ein unglaubliches Gefühl – die Freiheit auf einmal der eigene Herr zu sein. Weg von „Füße unter meinem Tisch“ Sprüchen und festen Zeiten. Endlich den eigenen Rhythmus leben. Da bekommt man schon mal das Gefühl, jetzt so langsam richtig erwachsen zu sein. Natürlich zieht nicht jedes Kind so gerne aus wie ich – eine enge Bindung an die Familie und an die Eltern erschweren den Auszug aus dem heimatlichen Zuhause für manche Jugendliche sicher enorm. Natürlich funktioniert das auch umgekehrt: Gerade bei Einzelkindern oder dem ältesten Geschwisterkind fällt es Eltern oft schwer loszulassen. Ein ganzes Zimmer wirkt auf einmal so unglaublich leer, ein Platz am Tisch bleibt unbesetzt. Da hat man 19 Jahre seines Lebens damit verbracht, ein Kind großzuziehen und auf einmal ist es einfach weg. Ein kleiner Tipp an alle Eltern, deren Kinder gerade ausgezogen sind: Die entstandene Lücke lässt sich mit regelmäßigen Anrufen und unangekündigten Besuchen nicht schließen. Ein Zimmer neu einzurichten dagegen schon – habe ich mir zumindest sagen lassen.

Abenteuer Auszug

Das auf sich gestellt sein, die Eigenverantwortung. Da gibt es ziemlich viel zu lernen und natürlich auch falsch zu machen. Die ersten Monate nach dem Auszug waren eine Zeit, in der ich wirklich sehr viele neue Erfahrungen gesammelt habe. Über Geld, über Haushalt, über Zeitmanagement und darüber, wie viel Arbeit so eine Wohnung eigentlich verursacht. Das war auch wirklich gut so. Natürlich kann man sich in gewissem Maß auf das Leben allein vorbereiten – manche Dinge muss man aber einfach am eigenen Leib erfahren. Das Gefühl, sonntags wieder Nudeln mit Pesto zu essen, weil man am Samstag vergessen hat einzukaufen. Oder an einem Feiertag zu realisieren, dass der Supermarkt um die Ecke leider zu hat.

Hier ein paar Tipps für alle Eltern wie Ihr Euer Kind beim Auszug unterstützen könnt:

  • Ihr seid selbst bestimmt schon mehrmals umgezogen oder habt dabei geholfen:
Auch wenn Euer Kind neunmalkluge Ratschläge vielleicht leid ist: Nach dem Umzug werden Praxistipps und helfende Hände doch zumeist geschätzt. Wie voll man einen Karton laden kann zum Beispiel. Oder wie viele Helfer man braucht, wo man einen Sprinter organisiert, …
  • Bringt Eurem Kind ein paar Basic Life Skills bei:
Lasst es in den zwei Monaten vor dem Umzug seine Wäsche selbst waschen und bügeln (auch, wenn das für Euch vielleicht Mehraufwand und ein deutliches Mehr an Waschladungen bedeutet). Mein Bügel Intensivkurs über zwei Nachmittage im elterlichen Schlafzimmer hat mir auf keinen Fall geschadet.
  • Kann euer Kind kochen?

Wenn nein, dann bringt ihm zumindest ein paar Grundrezepte bei, die man leicht abwandeln und dann gekonnt abwechseln kann. Ein Kochbuch ist übrigens auch gar kein so blödes Geschenk zum Auszug – auch wenn es das Internet gibt.

  • Sorgt dafür, dass Euer Kind im Umgang mit Geld mehr weiß als: Es liegt auf dem Bankkonto.

Spielt alle Kosten durch und überlegt gemeinsam, wie viel Geld für was ausgegeben wird. Gerade die ein oder andere Versicherung haben Kinder beim Ausziehen nicht auf dem Schirm. Ja, ich meine Dich Haftpflicht und Hausratsversicherung … Auch Kosten für Internet und Strom sind Ausgaben, mit denen man als Jugendlicher nicht unbedingt Berührungspunkte hatte. Mehr Tipps und Inhalte zum Thema Geld findet Ihr auch auf unserem Instagram Account.

  • Versucht zu akzeptieren, dass euer Kind jetzt erwachsen ist und seine eigenen Entscheidungen trifft.
Wenn ein Kinderzimmer aussieht, als ob eine Bombe darin eingeschlagen hat, fällt das in euren Zuständigkeitsbereich. Wie die neue Wohnung eures Kindes aussieht nicht mehr. Zumindest mich haben spitzfindige (aber natürlich nur gut gemeinte) Anmerkungen immer sehr genervt. Ja, es sieht hier aus, wie es aussieht und ich muss darin leben – du nicht. Der Lernprozess, dass eine saubere, aufgeräumte Wohnung echt angenehmer ist als ein Grundchaos, tritt deutlich schneller ein, wenn einem das Chaos von alleine zu viel wird. Je mehr an der fehlenden Ordnung gemäkelt wurde, desto länger lässt es sich darin aushalten. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich in meiner ersten eigenen Wohnung in den ersten Monaten wirklich sehr penibel auf Sauberkeit geachtet habe. Da schlägt dann die Erziehung der vergangenen Jahre zu Buche. Mein Tipp an der Stelle: Versucht eurem Kind klar zu machen, dass es zur Mieten wohnt – die Wohnung also nicht ihm gehört oder Euch, sondern dem Vermieter/der Vermieterin. Ein guter Draht zum Vermieter lohnt sich in jedem Fall.
  • Versucht den neu gewonnene Raum/die Zeit zu füllen.

Kinder brauchen Zeit, Geld, Platz und Aufmerksamkeit – davon bekommt Ihr auf einmal welche zurück. Vielleicht schafft Ihr es ja jetzt wieder ein bisschen mehr auf Euch selbst zu achten. Wenn Euer Kind Eure Hilfe braucht, wird es von alleine zu Euch kommen und dann könnt Ihr immer noch Eltern sein.

Aus dem eigenen Zuhause auszuziehen gehört zum Erwachsenwerden dazu und kann trotzdem für das Elternkind Verhältnis schwierig werden. Manche Beziehungen gehen etwas auseinander und nähern sich erst nach ein paar Monaten oder Jahren wieder an. Vielleicht ist Euer Kind ja weit weggezogen und man sieht sich erst mal nur noch zu Familienfesten oder vielleicht auch da nicht mehr. Ich frage mich, ob das erste Weihnachten ohne mich für meine Eltern schwer war.

Auf der anderen Seite kann etwas Abstand einer Eltern Kind Beziehung aber auch guttun. Das halbe Jahr vor meinem Auszug war ein emotional sehr aufgeladenes: Da waren natürlich viele Entscheidungen zu treffen und nicht immer war ich mit meinen Eltern einer Meinung. Ich wollte endlich meine eigenen Entscheidungen treffen, meine Eltern mich vor schlechten bewahren. Ich kann nur sagen, dass sich nach dem Auszug meine Verhältnis zu meinen Eltern wieder gebessert hat. Der Freiraum tat einfach gut, auch bei allen Entscheidungen im Leben nicht mehr noch den Faktor Eltern und zu Hause einrechnen zu müssen war einfach eine Erleichterung.

Lasst Euer Kind einfach seinen Weg gehen und unterstützt, wo es notwendig ist. Erzieht Euer Kind zur Selbstständigkeit, soweit Ihr könnt und den Rest wird es selbst lernen. Gebt ihm die Nähe, wenn es Sie braucht und den Platz, wenn es in den heimischen vier Wänden zu eng wird.

25. März 2022
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