Meine beste, Freundin, ihre Tochter und ich

Es ist ein kleines Jubiläum: Das hier ist bereits die 50. Folge von „Paulinas Tagebuch“, seitdem Paulina geboren wurde. 50 Folgen – das bedeutet 50 Erlebnisse mit Paulina, vom strampelnden Baby, über die ersten Schritte bis zu diesem großen, kleinen Mädchen, das sie heute ist. Schon 50. Mal ging es um Fragen rund um die Themen Elternsein und Verantwortung, das Aufwachsen von Paulina und das Mitwachsen an den Herausforderungen und Aufgaben – auch für ihre Eltern. Und immer öfter kommt Paulina selbst zu Wort, klinkt sich in unsere Gespräche ein und erzählt selbst aus ihrem Leben. Oder sie führt die Gespräche an, wie vor ein paar Tagen in meinem Badezimmer. Es ist das erste „Frauengespräch“, das nur wir zwei führen … und es ist sehr wahrscheinlich ein kleiner Vorgeschmack auf noch viele weitere Gespräche dieser Art in ihrem Leben.

Es geht um die Wohnungseinrichtung (Paulina: „So groß hier“), die liebsten Freizeitbeschäftigungen (Paulina: „Was ist dein Lieblingsspiel?“), natürlich auch um die Liebe (Paulina: „Hast du einen Mann? So wie Mama den Papa hat?“), um Familie (Paulina: „Hast du Kinder?“) und – der Ort unserer Unterhaltung möchte es so – es geht um Toilettenpapier (Paulina: „Hast du welches? Sonst kann ich nicht ins Badezimmer.“).

Da stehen wir also nun, am Waschbecken gelehnt und erzählen ausgiebig über die wirklich wichtigen Themen, die uns so bewegen. Und mir wird schlagartig bewusst, dass sie mit ihren vier Jahren zwar noch klein ist, aber auf der anderen Seite schon so groß. Sie weiß, was sie möchte. Sie stellt die Fragen, die ihr im Kopf umherschwirren, und sie ist interessiert am Wieso-Weshalb-Warum der alltäglichen Dinge. Erklärt man ihr die Zusammenhänge und gibt Antworten auf einige ihrer Fragen, dann kommt ein langgezogenes „Ahhhh“ als Antwort. Und dann geht es mit den nächsten Fragen weiter.

Ein paar Tage später sind wir zusammen mit ihrer Mama und ihrer kleinen Schwester im Wald unterwegs.

Tina: „Wir sammeln Blätter. Paulina möchte nämlich ein Herbstbild basteln.“

Alles klar, so stapfen wir mit Unterstützung vom stolzen Onkel der zwei Mädels also tapfer im Laub herum und Paulina sammelt die kunterbunten Herbstblätter in ihrem kleinen Rucksack, der schon sehr bald gut gefüllt ist. Und was gibt es nach einer Anstrengung? Richtig, eine Belohnung. Diesen Dreh hat Pauli schon lange heraus. Und was schmeckt bitte besser als eine heiße Schokolade, wenn man in der Herbstsonne sitzt? Na also. Die Stadt ist voll, diesen schönen Herbsttag haben einige Wanderer für einen Ausflug genutzt – und alle haben Rucksäcke auf, was Paulina wundert. Sie nimmt einen großen Schluck und dreht sich dann zu mir um.

Paulina: „Warum haben alle Rucksäcke auf? Was ist da drin?“

Ich: „Hm, ich weiß es nicht. Aber vielleicht haben sie genauso wie du ganz viele Blätter gesammelt, weil sie damit etwas basteln möchten.“

Ihre Augen werden größer, ihr Mund formt sich zu einem verschmitzten Lächeln. Und ich glaube, genau in diesem Augenblick ist es passiert. In Paulis Kopf sprudeln ihre phantasievollen Gedanken durcheinander und nur allzu gern würde ich in diesem Moment gerne in diesen hineinschauen können.

Wenig später sitzen Pauli, ihre Schwester und ihre Mama und ich um meinen Esstisch herum. Luisa hält nicht lange still und erkundet die Umgebung. Sie findet großen Gefallen am Telefon und hat schon verstanden, dass man sich dieses Gerät an das Ohr halten muss – nur eigentlich eben anders herum. Zwischen dem Essen von Apfelschnitzen ist auch wieder Kreativität gefragt. Pauli lehnt sich auf ihre Ellenbogen.

Paulina: „Hast du Spielzeug? Bücher? Stifte zum Malen?“

Hab‘ ich. Bücher sind reichlich vorhanden, Stifte und Papier ebenso. Aber mit Spielzeug kann ich nicht dienen. Das macht aber nichts, denn wir vier brauchen in diesem Moment nicht viel mehr als Paulis mitgebrachtes Spielzeugpony und eine Prise ihrer Phantasie. So sitzen wir vier auf dem Wohnzimmerboden und bauen kurzerhand aus Kissen einen Pferdestall. Danach wird ein kunterbuntes Bild gemalt. Aber nicht für Mama Tina oder mich, sondern „für meinen Freund Maxi“, wie Paulina stolz sagt. Konzentriert zieht sie Linien von oben nach unten und kreuz und quer über das Papier.

Paulina: „Hast du auch einen Freund?“

Ich: „Ja klar, deine Mama ist auch eine Freundin von mir – schon ewig. Als wir uns kennengelernt haben, waren wir so alt wie du.“

Paulina: „…“

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob sie das glauben kann. Sie malt konzentriert weiter bis Tina ihre zwei Mädels zum Gehen ruft.

Zu Hause angekommen muss aber natürlich noch das Herbstbild gebastelt werden. Das ist so wichtig, dass Paulina – schon im Schlafanzug – noch einmal Kleber und Schere herausholt. Voilà, fertig ist die Herbstdekoration.

Was bleibt von diesem phantasievollen Nachmittag? Eine kleine Sandburg, die Pauli und ihre kleine Schwester in ihren Schuhen mitgebracht haben. Ein Bild, das nicht für mich bestimmt ist, aber das ich sicher aufbewahre, bis ich Pauli das nächste Mal wiedersehe – versprochen! Und die Erkenntnis, dass man dem Tag mit ein bisschen Phantasie eine ganz neue Richtung geben kann.

Von Ann-Kathrin Weber

Über die Autorin:

Redakteurin Ann-Kathrin Weber hat zwar selbst noch keine Kinder, schreibt aber besonders gern über Kinderthemen. Für StadtLandKind hat sie ihre Freundin Tina durch die Schwangerschaft begleitet und besucht Paulina und ihre Eltern einmal im Monat für uns.

15. Oktober 2018

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