Meine beste Freundin, ihre Tochter und ich

„Luisa, du kannst den hier nehmen“, sagt Paulina und drückt ihrer kleinen Schwester einen kleinen Einkaufswagen in die Hand. Sie selbst nimmt den nächsten und steuert zielstrebig auf die Faschingsschminke zu. Sie winkt mir eifrig zu. „Wo ist denn Glitzer?“, fragt sie mich zwischen Haarspraydosen und falschen Wimpern. Fasching wird nämlich schon bei den Kleinen groß gefeiert – und mittendrin im Kindergarten darf Pauli natürlich nicht fehlen.

Ich: „Als was verkleidest du dich denn?“

Paulina: „Als Meerungsfrau.“

Ich: „Achso, na dann verstehe ich das mit dem Glitzer.“

Als Meerjungfrau also, das ist ein wirklich passendes Kostüm für Paulina. Babyschwimmen fand sie damals schon super, das Planschbecken im Sommer im Garten sowieso und am liebsten ist sie eh am Meer und sammelt Muscheln. In Sachen Kostüm ist die kleine Badenixe also einfach nur konsequent.

Tina: „Kommt ihr zurecht?“

Sie steht mit Luisa, die brav Mamas Zahnbürsten und Müllbeutel im Wagen vor sich herschiebt, plötzlich hinter uns. „Alles super“, sage ich. „Es ist das erste Jahr, dass sich Paulina richtig gerne verkleidet. Im letzten Jahr fand sie das noch nicht so super. Aber dieses Mal verkleidet sie sich an einem Tag als Meerjungfrau und am anderen sogar als Pippi Langstrumpf“, erklärt Tina und geht Wort für Wort die Einkaufsliste durch und streicht durch.

Während Pauli noch das Glitzerangebot durchstöbert, teste ich einen Lippenstift auf dem Handrücken – was man im Drogeriemarkt eben so macht. Pauli kommt neugierig dazu.

Paulina: „Hm, also ich würde den hier nehmen.“

Sie greift nach einem knallpinken Exemplar.

Paulina: „Der ist super – oder den hier. Den will ich haben.“

Ein kräftiges Rot steht bei kleinen Meerjungfrauen wohl auch sehr hoch im Kurs. „Ich glaube, beide sind eher was für ältere Badenixen“, erkläre ich ihr, stecke die Stifte wieder zurück. „Na gut“, Pauli zuckt kurz mit den Schultern und erklärt mir dann, welche ihrer ausgesuchten Glitzerfarben wo genau im Gesicht hinkommen soll. „Das macht die Mama“, sagt sie stolz. Luisa geht derweil auf Entdeckungstour, aber noch bevor Tina Luisa hinterherlaufen kann, ist Pauli ihrer kleinen Schwester schon auf den Fersen.

Tina: „Paulis Liebe zu Luisa ist unfassbar. Sie will sich immer um sie kümmern. Manchmal sagt sie sogar zu mir: ,Mama, lass mal. Ich kümmere mich.‘“

Ebenso rührend kümmert sich Pauli auch um ihre Puppe Nonno. Sie kommt überall hin mit, also zeigt sie sie mir auch an diesem Tag. „Schau“, sagt sie und hebt sie mit ausgestreckten Armen nach oben.  „Ohne Nonno geht einfach nichts mehr“, sagt Tina, als wir nach dem Einkauf mittlerweile auf dem Spielplatz angekommen sind. „Sie schläft sogar in der Höhle unter ihrem Hochbett.“

Paulina: „Mama, Anki, schaut mal, wo ich biiiihiiin.“

Wo sie ist? Ganz oben auf dem Klettergerüst. Sie hangelt, sie klettert, sie schaukelt, sie rutscht und sie springt. Und das alles hintereinander und dann nochmal und nochmal. Ein laufender Meter voller Energie. Aber dann:

Paulina: „Anki, ich trau mich nicht mehr alleine runter.“

Ich: „Doch, das schaffst du. Wir machen es gemeinsam.“

Nachdem sie einen Fuß nach dem anderen langsam herunterklettert und ich sie dabei stütze, landet sie schließlich mit beiden Füßen auf dem Sand und rennt gleich zu ihrer Schwester.

Paulina: „Luisa, hast du das gesehen? Von ganz oben nach unten.“

Luisa klatscht vergnügt in die Hände und freut sich. Und dann sehe ich auch Tina lächeln, die ihre Mädels stolz beobachtet. Für die kleine Nixe und ihre kleine Schwester geht es wenig später nach Hause in die Kojen. Und ich bin mir sicher, dass sie in dieser Nacht von einem Abenteuer träumen mit viel Glitzer und – wer weiß – vielleicht sogar unter dem Meer.

Von Ann-Kathrin Weber

Über die Autorin:

Redakteurin Ann-Kathrin Weber hat zwar selbst noch keine Kinder, schreibt aber besonders gern über Kinderthemen. Für StadtLandKind hat sie ihre Freundin Tina durch die Schwangerschaft begleitet und besucht Paulina und ihre Eltern einmal im Monat für uns.

 

 

 

15. März 2019

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