Pubertätserschöpfung

Ich glaube, ich kann ganz gut mit dieser Pubertät. Wirklich. Ich versteh das, dass man zu erschöpft ist, um schmutzige Socken ganze zwei Meter zur Wäschetruhe zu tragen, und sie deshalb mit letzter Kraft hinter Sofakissen schiebt.

Ich verstehe die Erschöpfung insgesamt, die Pubertierende permanent in die Waagerechte zwingt. Weil das so anstrengend ist, wenn man ununterbrochen Hunger hat, dass alles noch viel schlimmer ist, wenn diese schreckliche Rabenmutter nur einmal am Tag warmes Essen kocht und man deshalb ständig irgendwo hochkalorische Nahrung suchen muss. Ich verstehe, dass man nach dieser unglaublichen Anstrengung nicht mehr in der Lage ist, Cornflakes-Schüsseln vollständig leer zu löffeln, und der Mechanismus, der die Spülmaschine öffnet, ist ja auch kompliziert. Ich verstehe, dass man all sein Geld wahlweise in Energydrinks investieren muss oder in Schönheitsmasken.

Und den restlichen Rest in Bahntickets, weil Eltern all das doof finden, man noch zu jung für Schnaps ist und insgesamt zu cool und sowieso zu müde, um 1,5 Kilometer zum Drogeriemarkt zu laufen. Ich verstehe auch, dass man in diesem speziellen Alter unmöglich Jacken oder vernünftige Winterschuhe tragen kann, allein der Gedanke, dass man sein Zimmer saugen müsste, so krass ist, dass man sich erst mal hinlegen muss.

Ich hab auch Verständnis für stundenlanges Haareglätten trotz Verbrennung an der Stirn, und wenn der Deonebel im Bad das Atmen unmöglich macht, dann putze ich mir auch gern im Flur die Zähne. Ich verstehe, dass man zu erschöpft ist, um die superrutschige Haarspülung auf dem Boden der Dusche wegzuspülen – mir ist ja fast nix passiert, es sind nur blaue Flecken. Ich verstehe das wirklich alles. Aber wenn noch ein einziges Mal diese Klotür offen steht – dann garantiere ich FÜR NICHTS!

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