Schnell und anmutig wie Arielle

Eine Meerjungfrauengruppe im Alter von neun bis 23 Jahren hat sich im Hallenbad Mannheim-Seckenheim zum wöchentlichen 90-minütigen Mermaiding-Training versammelt. Alle haben ihr Equipment, ein buntes Meerjungfrauenkostüm in verschiedenen Farben, dabei, aber erst einmal wird sich aufgewärmt und gedehnt. „Das ist wichtig, damit ihr keine Muskelzerrungen bekommt“, erklärt die 14-jährige Leonora Lautenbach. Sie ist eine der besten Meerjungfrauenschwimmerinnen Deutschlands. 2018 belegte sie bei den nationalen Meisterschaften in Suhl den dritten Platz in ihrer Altersklasse über 100 Meter Freistil. Heute leitet sie unterstützt durch ihren Vater Dietmar Lautenbach das Training, der zusammen mit ihr die Mermaiding Gruppe gegründet hat.

„Leonora hat den Mermaidingvirus vor ein paar Jahren beim Anschauen von Meerjungfrauenvideos bekommen und wünschte sich schließlich zu Weihnachten eine Monoflosse“, erzählt er. Aber in den Schwimmbädern der  Region kann man nicht einfach mit einer raumgreifenden Flosse unterwegs sein, und so machte sich Vater Lautenbach zusammen mit seiner Tochter auf die Suche nach einem passenden Schwimmbad und Verein. „Der Tauchsportclub Shark Mannheim e.V. passt perfekt zum Mermaiding“, erzählt er, „Nixen sind nun mal meistens unter Wasser und so müssen alle Mädchen und Teenager gut tauchen können.“ Außerdem ist das Becken hier in Seckenheim tief genug, nicht unwichtig bei den akrobatischen Figuren und Tauchübungen mit den ausladenden Monoflossen“. Mit Glitzer und Glimmer hat die Trendsportart „Mermaiding“ aber wenig zu tun, „Pailletten auf den Anzügen, das geht nicht“, betont Dietmar Lautenbach, „weil die sich lösen können und die Absauganlage vom Schwimmbad in Mitleidenschaft ziehen könnten.“ Trotzdem glitzern und strahlen die elastischen bunten Flossenkostüme, wenn die Meerjungfrauengruppe durchs Wasser gleitet. Bevor es losgeht, muss das Kostüm aber erst mal angezogen werden. Das sieht gar nicht so einfach aus: Die Füße (am besten mit Socken) kommen in eine Monoflosse und dann wird der bunte, enganliegende Meerjungfrauenschwanz darübergezogen. Stück für Stück wird er nach oben „geringelt“, bis er die Hüften umschließt. Ist er fertig angezogen, können sich die Mädchen nur noch im Wasser fortbewegen. Das aber dafür umso schneller und kraftvoller wie Delfine. Im Gegensatz zu den klassischen Schwimmstilen findet Mermaiding hauptsächlich unter Wasser statt. Eine Taucherbrille oder Schwimmbrille mit Nasenklammer sind demnach für die Anfänger fester Bestandteil der Ausrüstung. Grundlage des Mermaidings ist „Finswimming“, ein kraftvolles Flossenschwimmen, bei dem beide Beine gleichzeitig auf und ab geschwungen werden. Einziger Unterschied in der Optik: Geschwommen wird in der Regel nicht nur mit Monoflosse, sondern auch im entsprechend, bis zur Körpermitte reichenden Kostüm. Doch auch hier werden beide Beine gleichzeitig auf und ab aus der Hüfte heraus bewegt. So ist hier eine höhere Geschwindigkeit möglich als an der Wasseroberfläche.

Mit der Monoflosse lässt sich im Wasser eine Geschwindigkeit von bis zu drei Metern pro Sekunde erreichen. Trotz allem ist es eine anstrengende Sportart, und so legen die jüngeren Mädchen immer mal wieder eine Pause ein. „Das ist auch völlig in Ordnung“, betont Trainer Lautenbach, während die erschöpften Meerjungfrauen sich mit einem Schluck aus der Plastikflasche stärken. „Da die körperlichen Voraussetzungen bei jedem Kind anders sind, muss auch jedes Kind sein eigenes Tempo finden.“

Auch einige „Meermänner“ trainieren ab und zu mit, meistens Taucher oder Unterwasser-Rugbyspieler vom gleichen Tauchclub Shark Mannheim. So beliebt ist die aus den USA stammende Trendsportart, dass es inzwischen sogar eigene Mermaiding-Schwimmschulen gibt. Immer mehr kommerzielle Anbieter auch in Deutschland bieten Meerjungfrauen-Kindergeburtstage und Kurse schon für ganz kleine Nixen an. Im Hallenbad Seckenheim geht es trotz aller Schwärmerei für Nixen sportlicher zu. Nach dem Einschwimmen wird „Rolle vorwärts“ und „Rolle rückwärts“ geübt, dann beginnt das Synchronschwimmen mit der Monoflosse zur Unterwassermusik. Anschließend wird am Grund des Beckens durch mit Gewichten beschwerte Ringe getaucht. Alles erinnert etwas an Wasserballett, kombiniert mit Apnoetauchen. Alter, Größe und Figur spielen beim Mermaiding übrigens keine Rolle. Auch Kinder, die sich selbst als völlig unsportlich und sogar übergewichtig empfinden, haben am Mermaiding Spaß. „Nur richtig sicher schwimmen und unter Wasser sich sicher fortbewegen, das sollten die Kinder können“, betont Dietmar Lautenbach. „Der Rest, nämlich eine gute Kondition, die richtigen Atemtechniken und kräftige Bauch-, Rücken-, Bein- und Rumpfmuskulatur bekommt man automatisch durch das regelmäßige Training.

Das Shark Mermaiding-Training findet immer sonntags von 12.30 – 14 Uhr im Hallenbad Seckenheim statt. Am Shark Mermaiding-Training Interessierte können einen Termin für ein kostenfreies Schnuppertraining inkl. einer Leihflosse unter: dietmar.lautenbach@illu-grafik.de vereinbaren.

Shark Mermaiding FINKOM Training
Verein: TSC Shark Mannheim eV
shark-mannheim.de

bw // Foto: Fotolia, Privat (Dietmar Lautenbach)

Mermaiding-Fotoshooting in Weinheim: 

 

Übrigens: Auch in Weinheim ist der Mermaiding-Trend angekommen. Das Fotoshooting im Hallenbad Weinheim – HaWei „Schwimmen wie eine Meerjungfrau“ war nach kurzer Zeit ausgebucht und wurde super angenommen. Für den Herbst 2019 plant das Schwimmbad ein zweites Shooting, diesmal übrigens „gerne auch mit Neptuns Nachwuchs“ (sprich: auch für Jungen). Infos dazu unter: 06201 82390. 

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