sumi oder: Das kleine Haus

„Elternzeit ist eine guter Zeitpunkt, um innezuhalten, zu überlegen, wie die berufliche Zukunft aussehen könnte. Ich habe jetzt drei Kinder, das kleinste wird gerade in der Krippe eingewöhnt. Die letzten 12 Jahre habe ich in einem wirklich tollen Architekturbüro gearbeitet – habe aber in den letzten Jahren immer stärker gemerkt, dass ich so viele eigene Ideen habe, die ich gern umsetzen würde. Um diese Ideen auszuprobieren ist die Elternzeit ideal. Dadurch sind wir finanziell abgesichert, ohne dieses Backup hätte ich es nie gewagt. Ich möchte diese zwei geschenkten Jahre nutzen, um mein eigenes Projekt voranzubringen. Ich habe es sumi genannt. sumi steht für suffizient minimalistisch, was wiederum bedeutet: „Minimalistische Raumkonzepte für maßvolles bzw. suffizientes Wohnen“.

Entstanden ist sumi zum einen daraus, dass ich gemerkt habe: meine Stärken als Architektin liegen in der Konzeptionsphase. Diese, nennen wir es mal, Erkenntnis traf bei mir auf Fragen nach unseren ökologischen Fußabdruck. Wie können wir uns verhalten, dass auch unsere Kinder noch gut leben können? Diese zwei „inneren“ Entwicklungen führten dazu, dass ich begann, konkret über die Umsetzung von sumi nachzudenken. Wie können wir maßvoll bauen? Wie lässt sich Nachhaltigkeit auf Architektur übertragen? Mein Konzept könnte auch eigentlich heißen: „Das kleine Haus“. Kleine Häuser zu bauen, die aber trotzdem die Bedürfnisse erfüllen, an Orten, die leer stehen. Niemand soll sich beschränken müssen, aber brauchen zwei Menschen wirklich 200 Quadratmeter zum Wohnen? Hier müssen wir in Zukunft umdenken. Ich würde zudem gern mit dem „Low-Tech-Ansatz“ experimentieren. Statt immer größere Gebäude mit immer mehr Technik zu füllen, müssen der Materialverbrauch und Stoffkreisläufe mit betrachtet werden.

Jetzt gerade bin ich in der Phase der Verortungsideen (wo soll das kleine Haus entstehen?) und der Zielgruppendefinition (wer wohnt darin?). Zielgruppe könnten junge Familien, aber auch ältere Paare sein, die sich verkleinern wollen, vielleicht weil ihre Kinder ausgezogen sind und sie reisen wollen und einfach nur noch ein kleineres Zuhause brauchen. Weniger Raum, weniger Zeug. Das Leben entrümpeln. Ich möchte Synergien schaffen und da bauen, wo Platz ist, der nicht mehr gebraucht wird. Einen ersten Erfolg hatte meine Idee bei den „Kultur- und Kreativpiloten“ (kultur-kreativpiloten.de), sie hatten ein einjähriges Stipendium ausgeschrieben. Von knapp 800 Einsendungen wurde ich eingeladen, um mein Konzept vorzustellen. Ich bekam so viel positives Feedback, dass ich mir noch sicherer war: meine Idee hat Relevanz, andere finden sie auch gut. Ob es so konkret wird, dass ich den endgültigen Schritt in die Selbständigkeit wage, wird sich zeigen – Mitte 2020 endet meine Elternzeit und entweder ich baue dann meine kleinen Häuser oder ich suche mir wieder einen Job in einem Architekturbüro. Ich bin gespannt.“ bw// Foto: mschi

Anfragen zu sumi/das kleine Haus unter: sumi@posteo.de</strong>

4. November 2018

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