Buchtipp: WOW MUM

Unter dem Motto: „Der Mama-Mutmacher fürs erste Jahr mit Kind“ zeigen die Autorinnen Lisa Harmann und Katharina Nachtsheim: jede Mama ist die beste für ihr Kind. Und: Jede neu gebackene Mama braucht andere Mütter, sie sie versteht, tröstet, entlastet. Die Autorinnen nehmen mit ihrem ersten gemeinsamen Buch die frischgebackene Mama an die Hand, bringen sie mit authentischen Anekdoten zum Lachen, lassen sie auf den Mitmachseiten chaotische Babynächte auf der Erschöpfungsskala festhalten und bestärken sie mit mutmachenden Geschichten. Ganz nach dem Motto: Wow, was du da leistest Mom!

Wir haben uns mit den beiden unterhalten und gefragt: Warum ein Buch NUR für Mamas und nicht für Eltern?

Liebe Lisa, liebe Katharina! Mit WOW MOM habt ihr euer erstes gemeinsames Buchprojekt zur Welt gebracht. Erst einmal: herzlichen Glückwunsch! Der Untertitel sagt: „Der Mama-Mutmacher fürs erste Jahr mit Kind“. Habt ihr euch ganz bewusst entschieden, ein Buch NUR für Mütter zu schreiben, nicht für Eltern?

Ja, absolut! Denn Männer spucken (meist) nicht in der Schwangerschaft, Väter pressen keine „Honigmelone durch eine Körperöffnung mit dem Umfang einer Konservendose“, wie Autor Christian Hanne es so schön beschreibt – oder leben später mit einer Kaiserschnittnarbe im Intimbereich. Und sie stillen auch nicht nächtelang und machen sich dabei Gedanken, ob das wohl okay ist, dabei ins Smartphone zu schauen…

Das erste Jahr mit Kind ist für Frauen einfach etwas ganz anderes als für Männer. Und da wir mit WOW MOM sehr auf die emotionale Seite dieser Zeit setzen, kommt es uns zugute, dass wir selbst Mütter sind. Wir können uns mit Sicherheit nicht halb so empathisch in junge Väter hineinversetzen wie in frischgebackene Mamas. Unser Blog Stadt Land Mama richtet sich ja auch zum größten Teil an Mütter. Nicht, weil wir etwas gegen Väter haben, sondern weil die biologischen (und gesellschaftlichen!) Herausforderungen einfach andere sind.

„WOW MOM“ liest sich wie ein (übrigens: wunderschön gestalteter) Ratgeber, es ist ein Begleiter für die Wickeltasche, der auch noch über ein abwaschbares Cover verfügt …Es kann also einiges aushalten. Hättet ihr euch ein ähnliches Mutmacherbuch für die erste Zeit mit euren ersten Kindern gewünscht?

Jaaa, unser „kotzfestes Cover“ (so beschrieb es Schlagfertigkeitsqueen Nicole Staudinger, die auch als Gastautorin im Buch vorkommt) macht uns sehr happy 😉 Denn wir wollen das pure, wahre Leben zeigen. Und das ist nunmal mit Baby nicht immer clean und instagramtauglich. Als ich (Lisa) mein erstes Kind bekam, hatte ich noch kein Smartphone, ich war auf Bücher während des Stillens angewiesen. Insofern: ja. Ich war mit 24 Jahren die Erste mit Nachwuchs im Freundeskreis und hätte mich gefreut, zu lesen, dass ich als Mutter mit Freude und Wut und Zweifeln und Liebesglück nicht ganz allein dastehe. Das erste Jahr mit Kind ist einfach eine Achterbahnfahrt der Gefühle! Hoch und runter, mit vielen Kurven, mit Sorgen, Spaß und Adrenalin.

Und wenn wir Leserreaktionen wie diese kriegen, könnten wir vor Rührung in die Knie gehen: „Der Anfang allein, dass jede Mama ihr Buch mit ihren Tränen, ihrer Schokolade und ihrem Kaffee oder was auch immer zu ihrem machen soll ist herzerwärmend anders! Ich danke euch dafür!“

Die Titel der Kapitel spüren sehr schön dem „Auf und Ab“ des ersten Jahres nach. Auf glücklich über das gesunde Baby, folgt eine Phase, in der frisch gebackene Mütter an sich zweifeln. Müde sind sie sowieso, aber auch einsam, über- und unterfordert, dankbar, verzweifelt. Das letzte Kapitel im Buch heißt „Wow, bin ich motiviert“. Warum dieser Slogan zum Schluss?

Weil viele von uns nach der ersten Babyphase erst allmählich wieder auftauchen und wieder beginnen, sich umzuschauen und nach außen zu orientieren. Am Anfang ist alles neu zu Hause, wir lernen unser Baby kennen, auf das wir so lange gewartet haben. Lauschen seiner Stimme, genießen seinen Duft. Irgendwann Richtung ersten Geburtstag denken dann viele: Moment, da war ja noch was! Ich bin ja nicht nur Mutter, sondern sooo viel mehr. Wie sieht es eigentlich mit der Jobsituation aus? Will ich weiter arbeiten, wo ich vorher war? Möchte ich für das, was ich da tue, mein Kind in die Betreuung geben? Oder mache ich mich vielleicht selbstständig? Vielleicht will ich auch lieber beim Kind bleiben? Es ist eine Phase der Neujustierung, wenn wir durch die Elternzeit mal einen Außenblick auf alles gewinnen konnten. Das kann auch eine große Chance sein! Wir haben einen Jobcoach dazu interviewt und machen Frauen hier Mut, hier vielleicht auch nochmal neue Wege zu betreten.  Denn unsere Prioritäten verschieben sich mit Kind nunmal. Das Kapitel steht zum Schluss, weil wir uns im Wochenbett solche Gedanken einfach noch nicht machen.

Auch die Idee mit den Seiten zum Selbergestalten ist wirklich toll. So wird das Buch zu einem Erinnerungs- oder Tagebuch. Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Jede Frau, die ein Kind geboren hat, weiß, dass sie erstmal zu kaum noch etwas anderem kommt als zur Fürsorge fürs Baby. Wie schade ist es dann aber, wenn keine Zeit für ein Tagebuch ist oder um sich witzige Situationen zu merken. Darum dachten wir, könnte es schön sein, sich ein paar wenige Notizen im Buch zu machen. Wir möchten damit ja auch immer wieder die Leserin zum Lächeln bringen. Dann, wenn wir zum Beispiel fragen, wie das Kind geheißen hätte, wenn es nach den Schwangerschaftsgelüsten oder nach dem Willen der Schwiegermutter benannt worden wäre… So wird jedes WOW MOM-Buch zu einem Unikum. So wie auch jedes Kind und jede Mama anders sind…

Jede Mutter möchte die beste Mutter für ihr Kind sein. In WOW MOM lesen wir: die eine perfekte Mutter gibt es nicht, jede Mutter ist gut genug. Warum sind gerade Mütter anderen Müttern gegenüber so kritisch?

Tja, wenn wir das wüssten. Vermutlich, weil jeder Weg möglich ist. Wir gleichen uns ab, fühlen uns vielleicht auch mal in die Enge gedrückt, wenn jemand anders etwas ganz anders angeht. Dafür haben wir extra ein Coach-Interview geführt, um uns vor doofen Vergleichen schützen zu können. Und wir haben einen wundervollen Gastbeitrag von Rike Drust (Autorin des Bestsellers „Muttergefühle.Gesamtausgabe“) mit im Buch, der uns Mut macht, tolle Mama-Freundinnen zu finden – und auch selbst zu sein. Denn wir brauchen Mütterbünde statt Konkurrenz. Wir brauchen gegenseitige Unterstützung. Dieses Buch soll genau das sein! Ein Mutmacher an deiner Seite, der auf die Schulter klopft und umarmt wie eine Freundin und dich in dem, was du tust bestärkt – weil er Vertrauen in dich und deine Stärken hat.

Das Buch richtet sich explizit nur an Mütter, die in Ehen oder Beziehungen leben. Warum?  Haben Mamas, die allein Kinder bekommen, die vielleicht ihren Partner verlieren oder ein krankes Kind erwarten nicht ganz besonders ein Mutmacher-Buch nötig?

Oh nein, das Buch richtet sich nicht nur an Mütter in Ehen oder Beziehungen und ganz besonders nicht nur an Mütter, die ein gesundes Kind bekommen. Das wäre uns mehr als fremd.

Und trotzdem gibt es mit „Wow, bin ich verliebt“ ein Kapitel, in dem es um die Beziehung nach der Geburt geht, weil es einfach einschneidend ist, wenn zu einer Zweierbeziehung noch ein dritter Mensch hinzukommt. Es gibt aber eine Extrabox in dem Kapitel, in der es heißt: „Wir sprechen in diesem Kapitel häufig von Müttern, die in einer Partnerschaft leben. All jenen, die ihr Kind allein großziehen, wünschen wir das sprichwörtliche afrikanische Dorf, das ihnen unter die Arme greift. Nachbarn, die mal für sie einkaufen, Freunde, die immer ein Ohr für sie haben, und Verwandte, auf die sie sich verlassen können. Es ist eine Meisterleistung, die ihr da vollbringt – und die unserer aller Respekt verdient!“

Schaut euch außerdem unbedingt auch nochmal den Brief von Conny Wenk an junge Mütter aus S. 182 an. Darin erzählt sie auf rührendste Art und Weise von ihrer Tochter, die mit dem Downsyndrom zur Welt kam und macht Müttern Mut, ihren eigenen Weg zu gehen – auch wenn der manchmal anders aussieht als in der ersten Vorstellung.

Interview: bw // Foto: Charles Yunck

Das Buch: WOW MUM ist 2019  S. Fischer Verlaghaus erschienen und kostet EUR 16,99

 

 

 

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