Der Corona-Schock für Familien

Wie können sich Familien gegen finanzielle Krisen wappnen und Resilienz entwickeln? Wir haben bei Prof. Dr. Carmela Aprea von der Universität Mannheim nachgefragt. Sie ist Inhaberin des Lehrstuhls für Wirtschaftspädagogik – Design und Evaluation instruktionaler Systeme Gemeinsam mit Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen vom Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und dem Leibniz-Institut für Resilienzforschung (LIR) hat sie eine Studie zu „Finanzielle Verluste und sozialpolitische Unterstützung von Haushalten in der Corona-Krise“ durchgeführt. Für diese Studie wurden Personen der deutsche Erwerbsbevölkerung ab 30 Jahren während des zweiten Lockdowns im Dezember 2020 bis Januar 2021 befragt.

Frau Professor Aprea, Corona, das Virus und seine Auswirkungen waren für uns alle ein großer Schock. Sie haben aber nun explizit die Auswirkungen auf Familien untersucht und beschreiben diese als „finanziellen Schock“. Warum traf es diese Gruppe so hart?

Hier müssen wir zwischen den Familien unterscheiden, die die Einbußen aufgrund von Ersparnissen oder Besitz abfedern konnten, und vulnerablen
Gruppen wie Alleinerziehenden, geringfügig Beschäftigten und nicht oder nur gelegentlich erwerbstätigen Personen. Diese Gruppen haben in der Regel kein finanzielles Polster und haben zu einem hohen Prozentsatz keine staatliche Unterstützung in Anspruch genommen, obwohl sie den Bedarf gespürt haben.

Haben Sie die Gründe erfragt?

Viele dieser Familien waren sich gar nicht bewusst, Anspruch zu haben. Aus anderen Studien wissen wir, dass manche Familien keinen wirklichen Überblick über ihre Finanzen haben und auch nicht wissen, wo sie sich Hilfe holen können.

Woher kommt diese Unwissenheit?

In Deutschland gilt leider immer noch der Grundsatz „Über Geld spricht man nicht“. Dabei wäre es wichtig, innerhalb der Familie von Anfang an über Geld zu sprechen. Auch schon mit kleinen Kindern. Über Wünsche, die man sich mit Geld erfüllen möchte, und auch über die Grenzen von Geld.

Über einen Mangelzustand spricht aber niemand gern …

Das stimmt. Hinzu kommt, dass Menschen, die egal mit welcher Knappheit betroffen sind, oft einen Tunnelblick bekommen, aus dem sie ohne Hilfe nicht mehr herausfinden. Da die Sorgen und Ängste den Aufmerksamkeitsfokus stark auf den Mangel und das „Hier und Jetzt“ bündeln. Und wenn man sich jetzt vorstellt, dass Kinder in armen Haushalten mit dieser Knappheit und diesem Tunnelblick eine ganze Kindheit lang aufwachsen … Wir nennen das „erlernte Hilflosigkeit“.

Welche Schritte können diese Familien jetzt gehen?

Auch ohne Pandemie sollten sich Menschen rechtzeitig Hilfe holen. Nicht erst warten, bis sich die Rechnungen stapeln, bis die Panik zu groß wird oder die Scham, stigmatisiert zu werden. Sich dabei immer bewusst machen: Es ist keine Schwäche, sich Hilfe zu holen, sondern ein Kennzeichen von Stärke!

Der erste Schritt könnte natürlich sein, innerhalb der Familie um Hilfe zu bitten. Und das nicht nur finanziell. Denn Familien sind der beste Rückhalt, um Resilienz gegen Krisen zu entwickeln. Und: Geld ist nicht alles, auch wenn es viele Möglichkeiten eröffnen kann.

Interview: bw // Foto: Adobe Stock // Foto Prof. Aprea:  Anne Günther/FSU

Zum Weiterlesen: zew.de/publikationen/finanzielle-verluste-und-sozialpolitische-unterstuetzung-von-haushalten-in-der-corona-krise

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