Momo versetzt Kinder in Angst und Schrecken

Grusel-Kettenbriefe auf WhatsApp sind nichts Neues. Immer wieder werden Nachrichten verschickt, in denen die Empfänger aufgefordert werden, den Text mit dem Inhalt XY an soundsoviele Kontakt weiter zu verbreiten. Täte man das nicht, würde etwas Schlimmes passieren. Aktuell macht wieder so ein Schauermärchen die Runde. Es hat sogar einen Namen: Momo. Der Text geht so:

„Hallo ich bin Momo und bin vor 3 Jahren verstorben ich wurde von einem Auto angefahren und wenn du nicht möchtest das ich heute Abend um 00:00 Uhr in deinem Zimmer stehe und dir beim schlafen zuschaue dann sende diese Nachricht an 15 Kontakte weiter. Du glaubst mir nicht? Angelina 11 hilt die Nachricht für fake und schickte sie an niemanden weiter in der Nacht hört sie Geräusche aus einer Ecke ihres zimmers sie wollte nach gucken doch auf einmal rante etwas auf sie zu am nächsten Morgen wurde sie Tot in ihrem Bett gefunden Tim 15 schickte die Nachricht nur an 6 Leute weiter am nächsten Morgen wachte er mit einem abgefressenen Bein und einem abgeschnittenen Arm auf Linda 13 schickte die Nachricht an alle weiter heute hat die ihre wahre liebe gefunden und wohnt mit ihrem freund in einer modernen Villa. Falls du diese Nachricht nicht weiter schickst weisst du was passiert also pass auf und schicke sie weiter.“

Die meisten Erwachsenen werden nun müde abwinken und die Nachricht löschen, sollte sie denn tatsächlich auf dem Handy landen. Viele Kinder versetzt so etwas aber in Angst und Schrecken, zumal diese Story eine ganz neue Horrorqualität hat.

Angeblich nimmt Momo nämlich selber Kontakt zu den Nutzern auf und Momo sieht verdammt gruselig aus. Tatsache ist, es existiert mindestens ein WhatsApp-Account unter dem Namen Momo. Samt Grusel-Profilbild und japanischer Telefonnummer. Vermutlich gibt es aber viele davon.

Das allein ist zwar für Kinder furchteinflößend, wäre aber noch nicht tragisch. Wenn dann aber Youtuber auf eine solche Geschichte aufspringen und sie ihrerseits nutzen, um Kinder weiter in Angst und Schrecken zu versetzen, dann ist das nicht mehr lustig.

Screenshot google.

Bestes Beispiel dafür ist Rebekah Wing.
Über eine Million Menschen haben den Youtube-Kanal der Blondine abonniert und schauen ihr dabei zu, wie sie Shuffle tanzt, sich die Haare färbt, Slime kauft oder andere lebenswichtige Dinge tut, die präpubertierende Kinder gerade mega-schick finden und Eltern eher ein müdes Lächeln entlocken.

Seit gut einer Woche dreht sich auf Rebekahs Account aber nun alles nur noch um Momo. Minutenlang filmt sie sich dabei, wie sie nachts angeblich panisch überlegt, ob sie nun Momo kontaktieren soll oder nicht. Die Videos tragen Titel von „Öffne niemals nachts um drei die Tür für Momo“ bis „Öffne niemals nachts um drei einen Brief von Momo“. Das schauspielerische Talent der jungen Dame mag bescheiden sein, es ist völlig ausreichend, um Kinder in Angst zu versetzen. Selbst die angebliche Telefonnummer von Momo veröffentlicht das junge Mädchen ungeniert. Und da hört der Spaß dann einfach auf. Schließlich weiß niemand, wer sich tatsächlich hinter dem WhatsApp-Account der Grusel-Figur verbirgt und selbst die Polizei gibt die Empfehlung, keinen Kontakt damit aufzunehmen. Nicht, weil da tatsächlich ein Geist dahinter steckt, sondern weil es sich auch um Hacker handeln könnte.

Einige Kommentare unter ihren Videos zeigen, manche Kinder glauben tatsächlich dass Momo inzwischen Jagt auf ihre Youtube-Heldin macht. C. schreibt zum Beispiel: „Beki wenn ich du wäre, dann würde ich die Polizei rufen und alles zeigen. Du Arme.“

Und übrigens. Wer nun denkt, dass nur Mädchen Gefahr laufen, derartige Schocker-Meldungen für bare Münze zu nehmen, der irrt.  Youtube-Pendant für Jungs sind zum Beispiel die PrankBros. Zwei Millionen Nutzer haben das Video gesehen, in dem die beiden Jungs mitten in der Nacht angeblich Momo anrufen und schaurige Antworten bekommen.

Das Beruhigende: Zahlreiche junge junge Youtube-Nutzer haben inzwischen durchschaut, dass das alles ein riesiger Fake ist. Nicht umsonst heißen die Jungs schließlich Prankbros. Und Sandra bringt es in einem Kommentar unter dem Video auf den Punkt: „Momo ist eine Statue, ihr Opfer.“ Auch wenn wir uns normalerweise nicht der Jugendsprache bedienen, würden wir diesen Satz ausnahmsweise mal voll unterschreiben.
Denn eins ist sicher. Momo existiert tatsächlich. Allerdings nicht aus Fleisch und Blut und erst recht nicht als Geist. Die Seite Mimikama berichtet, dass es sich bei Momo um eine Staue handelt. Sehen kann man die in der Vanilla Gallery in Tokyo, Japan. Auch andere Medien bestätigen das.

Fazit: Momo ist ein Fake und ziemlich perfekt platziert im Sommerloch. Wer sich das alles letztendlich ausgedacht hat, wird man wohl nicht mehr herausfinden können, dazu gibt es inzwischen zu viele Trittbrettfahrer. Momo zeigt aber auch, dass es maximal wichtig ist, dass Eltern sich mit der Internet-Welt ihrer Kinder auseinandersetzen, auch wenn sie das zehnte Fortnite-Tanz-Video möglicherweise nicht so spannend finden und wieder das Backpulver alle ist, weil es dringend für den neusten Lifehack benötigt wurde.  So albern all das für Erwachsene manchmal wirken mag, es ist die Welt unserer Kinder und manchmal brauchen unsere Kinder einen Erwachsene, der ihnen die Angst vor einer Grusel-Puppe nimmt. Digital natives hin oder her  –  es sind Kinder.  shy

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