„Die Frage nach Welpen ist in die Höhe geschnellt“

Volle Welpenschulen – aber auch volle Tierheime. Als Folge der Pandemie samt Lockdown haben sich viele Familien für ein Haustier entschieden: www.stadtlandkind.info/haustiere/ Tina Guthier züchtet seit 2015 Golden Retriever in Bensheim. Im Interview erzählt sie uns, warum zukünftige Hundebesitzer bei der Auswahl der Zucht genau hinschauen sollten und wie die Corona-Pandemie ihren Alltag verändert hat.

Was macht eine gute Zucht aus?

Oh, das ist sehr viel (lacht). Für mein Verständnis bildet eine verantwortungsvolle Zucht die Basis für ein erfülltes Zusammenleben von Mensch und Tier. Alles fängt damit an, dass die Zuchthunde ausgezeichnete Gesundheitswerte haben müssen. Gerade im Moment wird das oft außer Acht gelassen, weil die Nachfrage nach Welpen so groß ist. Dabei wünscht sich doch jeder einen gesunden Hund! Bei uns gibt es zurzeit maximal zwei Würfe pro Jahr. Sind die Welpen da, ist es mir unglaublich wichtig, sie „alltagstauglich“ zu prägen. In den ersten neun Wochen bin ich 24 Stunden am Tag für sie da und schlafe auch bis zum Auszug bei ihnen. Die Wurfkiste steht aber nicht in einem abgeschotteten Welpenzimmer, sondern mitten in unseren Wohnräumen. So lernen die Welpen Geräusche kennen – sei es meine Kaffeemaschine oder den Staubsauger –, Katzen, aber auch Autofahren und das Draußen-sein. Die zukünftigen Besitzer lasse ich über Fotos und Videos an der Entwicklung teilhaben. Außerdem nehme ich mir viel Zeit, die Familien kennenzulernen und entscheide selbst, welcher Goldi wo einzieht. Damit habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht. Es ist jedoch auch schon passiert, dass ein Welpe zu mir zurückkam, weil die Familie überfordert war. Treten im neuen Heim Fragen auf, können sich die Besitzer jederzeit an mich wenden.

„Wenn beide Eltern in Vollzeit arbeiten, ist eine Vermittlung für mich ausgeschlossen“

Wie wählst du deine Familien aus und wie läuft die Vermittlung ab?

Meist meldet sich eine Familie bei mir per Mail oder Telefon. Im ersten Gespräch möchte ich unter anderem wissen, wer wie und in welchem Umfang arbeitet, wie alt die Kinder sind, ob es der erste Hund ist, wie die Bedingungen zu Hause sind und was die Familie mit dem Hund vorhat. Ein großer Garten beispielsweise ist toll, aber er entbindet nicht von der Pflicht, mit dem Tier spazieren zu gehen. Ein Hund möchte ausgelastet und beschäftigt werden. Passt der erste Eindruck auf beiden Seiten, nehme ich die Familie auf meine Interessentenliste. Erst wenn die Welpen auf die Welt gekommen sind, trete ich mit ihnen in Kontakt und lerne alle Familienmitglieder persönlich kennen. Corona hat das deutlich erschwert, Treffen im Garten auf Abstand im Dezember waren kein Vergnügen. Wenn es zwischen mir und den zukünftigen Welpenfamilien passt, können sie einen Welpen aus meiner Zucht reservieren. Ihren Welpen haben die Familien wegen Corona dann erst bei der Übergabe kennengelernt. Normalerweise dürfen die Welpen ab der vierten Lebenswoche besucht werden. Und auch nach dem Umzug ist meine Arbeit noch nicht beendet: Gerade Ersthundebesitzer haben viele Fragen. Wenn ich dann helfen kann und später erfahre, was aus „meinen“ Goldbärchen geworden ist, macht mich das sehr glücklich.

Wie hat sich deine Arbeit seit Beginn der Pandemie verändert?

Die Anfragen nach Welpen sind unglaublich in die Höhe geschnellt. Während Familien früher vielleicht einige Monate auf ihren Hund warten mussten, kann es jetzt ein Jahr oder noch länger dauern. Dadurch, dass auch die Grenzen zeitweise geschlossen waren, konnten nicht so viele Welpen illegal nach Deutschland gebracht werden. Das merken wir Züchter deutlich. Allerdings schaue ich mir die Familien für meine Hunde aktuell noch genauer an. Wer sich meldet mit dem Anspruch, sofort einen Welpen zu bekommen, dem sage ich direkt ab. Auch wenn die Erziehenden in Vollzeit arbeiten, ist eine Vermittlung für mich ausgeschlossen. Schließlich muss diese Arbeitsleistung auch im Homeoffice erbracht werden – für meine Tiere möchte ich aber ein anderes Umfeld. Gerade im ersten Jahr ist der Aufwand mit einem Welpen und Junghund sehr groß. Es kann mehrere Wochen dauern, bis ein Hund seine Blase vollständig kontrollieren kann und verlässlich stubenrein ist. Am Anfang bedeutet das: Rausgehen circa alle zwei Stunden. Draußen heißt es aufpassen, denn Goldi-Welpen sind kleine Staubsauger, die alles fressen, was ihnen vor die Nase kommt. Und vieles ist giftig – von Blumen oder Nuss-Schalen bis hin zu Zigarettenstummeln. Diese Verantwortung kann in meinen Augen auch kein Kind oder Teenager übernehmen. Seit Beginn der Pandemie sind außerdem die Preise für Welpen deutlich nach oben gegangen. Das bedauere ich persönlich sehr, denn Golden Retriever sind Familienhunde und sollten auch für sie bezahlbar bleiben.

bas // Foto: Marco Schilling, privat

Mehr unter: goldendreams-stubenwald.de

 

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